Herr Wefers, wie sollten sich Führungskräfte in schwierigen Zeiten verhalten?

WefersViele Unternehmen befinden sich in Umbruchsituationen – nicht erst seit Corona. Es gibt einige Spielregeln und Handwerkszeug, das man lernen kann – dies erleichtert das Leben ungemein. Wichtig ist, dass Führungskräfte – insbesondere die erste und zweite Ebene – Ruhe und Zuversicht ausstrahlen. Sind sie hektisch oder wirken überfordert, überträgt sich das auf die Mitarbeiter. Jüngere und erfahrene Führungskräfte können sich optimal ergänzen. Denn die erfahrene Führungskraft hat bereits einiges hinter sich. Dadurch kommt eine gewisse Ruhe, Sicherheit und Gelassenheit. Es bringt niemandem etwas, die Mitarbeiter verrückt zu machen. Die junge Führungskraft weiß dagegen, wie man mit modernen Tools umgeht.

Wie sollte die optimale Kommunikation aussehen?

WefersDie meisten Unternehmen nehmen sich zu wenig oder gar keine Zeit für die Führungskommunikation – das war auch schon vor Corona so, aber wird jetzt noch deutlicher sichtbar. Führungskräfte sollten erkennen, dass wichtige Dinge mehrmals wiederholt werden sollten, denn nicht jeder Mitarbeiter behält alles von dem, was schon mal gesagt wurde – insbesondere in schwierigen Zeiten nicht. Auf der dritten Betriebsversammlung sagt die Führungskraft wieder dasselbe und immer noch sitzt jemand da, der das zum ersten Mal hört. Ein Management muss lernen, seine Kommunikation vehement zu verstärken.

Wie offen sollte eine Führungskraft gewisse Entwicklungen kommunizieren?

WefersHier gilt der Grundsatz „bad news first“, also schlechte Nachrichten zuerst. Es bringt nichts, rumzueiern. Wenn ein Unternehmen einen Großkunden verloren hat, es exorbitant hohe Preisnachlässe gibt oder sogar Abteilungsschließungen zur Debatte stehen, dann bringt es nichts, um den heißen Brei zu reden. Die Frage ist allerdings, zu welchem Zeitpunkt Führungskräfte diese Nachrichten verkünden. Denn muss wirklich jeder alles zum gleichen Zeitpunkt erfahren? Verkünde ich als Führungskraft eine drohende schlechte Nachricht zu früh in der breiten Masse, überträgt sich das auf die Mitarbeiter und sorgt für eine gedrückte Stimmung im Unternehmen. Es ist wichtig, negativen Flurfunk zu vermeiden. Der Job einer Führungskraft ist es auch, die schlechten Nachrichten so zu formulieren, dass die Zuversicht bleibt. Das Management muss das Gefühl vermitteln, dass man die Situation gemeinsam meistert. Es braucht einen Kapitän im Sturm. Da bringt es gar nichts, durch die Hallen zu laufen und zu erzählen, dass man sich große Sorgen macht und dass es gerade nicht läuft.

Wie schaffen es Führungskräfte, mit dem Druck klarzukommen, wenn sie mit niemandem sprechen können – und wie gelingt die Motivation?

WefersAuch Führungskräfte sind nur Menschen. Man muss lernen, sich selbst aufzubauen. Zu meiner Zeit bei Cewe habe ich einen Sportpsychologen kennengelernt, der uns erklärt hat, wie sich Spitzensportler mithilfe von Mentaltraining motivieren. Unsicherheit und Angst sind schlechte Ratgeber. Denn wer Angst und Sorgen hat, dessen Denkvermögen und Leistungsfähigkeit lassen nach. Daher ist die Erfolgspsychologie im Spitzensport so wichtig. Jammern und Zögern sind Zeitverschwendung. Man muss immer etwas Neues probieren, um am Markt zu bestehen. Das geht aber nicht im Jammermodus.

Welches Führungsverständnis braucht ein Unternehmen?

WefersEs gibt kein richtig oder falsch – und es gibt auch nicht nur ein Führungsverständnis. Die kreativen Entwickler brauchen eine ganz andere Führung als diejenigen, die z.B. sachorientiert Kostensenkungen vorantreiben sollen. Bei starkem Umsatzverlust sind auch mal harte Maßnahmen nötig, sonst überlebt das Unternehmen nicht. Es muss klare Zielvorgaben geben. Das bedeutet, dass die Führungskraft sagt, was bis zu welchem Zeitraum erledigt werden soll. So kann man aber Kreative nicht führen. Kreativität braucht geistigen Freiraum, diese Personen müssen querdenken können. In jedem Unternehmen braucht es sowohl den Forschungs- und Entwicklungsbereich als auch die nüchternen Kostenoptimierer. Oft denkt der eine, er sei wichtiger als der andere. Beide Gruppen müssen lernen, dass sie einander brauchen.

Sabrina Wendt
Sabrina Wendt Thementeam Wirtschaft