Oldenburg - Mehrere Tausend Kilometer auf dem Fahrrad, bis zu 18 Stunden Fahren am Stück und das bei jedem Wetter: Wenn Keno Pieper sich auf das Rad schwingt, dann macht er keine halben Sachen. Als einer von etwa 300 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der Oldenburger ab dem 23. Juli beim „Transcontinental Race“ dabei. Ab Sonntag führt die Route von Belgien bis nach Griechenland. Siebzehn Tage hat man maximal Zeit, um die 3600 Kilometer lange Strecke mit dem Fahrrad zu bewältigen.
Wiederholungstäter
Für Keno Pieper ist es nicht das erste Rennen dieser Art. So nahm er beispielsweise im vergangenen Jahr an einem Fahrradrennen durch die Niederlande teil. Für die Strecke von 2000 Kilometern brauchte er fünf Tage. Für den 26-Jährigen bedeutete das auch: Tag und Nacht durchfahren, kaum Schlaf finden, gegen die Schmerzen weiter radeln. „Irgendwann tut alles weh“, sagt Keno Pieper. „Aber man muss einfach immer weitermachen.“ Das Kämpfen wurde belohnt: Von den 150 Teilnehmern, die in den Niederlanden starteten, belegte er am Ende den 19. Platz.
Bei einem Rennen in Dänemark, bei dem Keno Pieper in diesem Jahr antrat, lief es weniger gut: Nach etwa 18 Stunden musste er das Rennen abbrechen. Zu stark war der Wind in dem nordischen Land. Der Oldenburger war auf die Wetterbedingungen nicht vorbereitet, sein Fahrrad für den starken Wind nicht geeignet. Immerhin 500 Kilometer hat er in der kurzen Zeit zurückgelegt.
Obwohl er nicht über die Ziellinie gefahren ist, betrachtet der Extremradfahrer den Abbruch des Rennens nicht als Niederlage: „Ich weiß, was ich falsch gemacht habe. Ich habe für die nächsten Rennen gelernt.“ Keno Pieper verweist auf ein gängiges Motto der Rennradszene, nach dem man nicht in Siegen oder Niederlagen denken sollte, sondern in Möglichkeiten, zu lernen. Statt frustriert zu sein, ist der Oldenburger nun noch motivierter, es beim Rennen durch Europa besser zu machen.
Gute Motivation
Dann heißt es wieder: Tag und Nacht auf dem Fahrrad, kaum Schlaf, Ankämpfen gegen alle Schmerzen und Widerstände. Es stellt sich die Frage, warum man sich das überhaupt antut. Zu gewinnen gibt es bei dem Rennen nichts − „Höchstens eine Flasche Bier“, wie Keno Pieper anmerkt. Die Motivation ist für ihn eine andere als irgendwelche Gewinne: „Die Anerkennung und Wertschätzung, die man für die erbrachte Leistung bekommt. Das ist schon etwas Besonderes.“
Für das „Transcontinental Race“ gibt es aber noch eine andere Motivation: Keno Pieper hat dafür eine Spendenaktion eingerichtet und wird beim Rennen für einen guten Zweck antreten: Während der Oldenburger auf dem Fahrrad durch Europa fährt, kann man auf ein Spendenkonto einzahlen. Die Erlöse gehen am Ende des Rennens komplett an die wohltätige Organisation „World Bicycle Relief“. Diese stellt Fahrräder für Menschen in Entwicklungsländern zur Verfügung – eine Möglichkeit zu mehr Mobilität. So werden beispielsweise Wege zur Schule, zur Arbeit oder zu Wasserquellen möglich. „So quält man sich nicht einfach auf dem Rad, sondern hat eine gute Motivation für die Fahrt“, sagt Keno Pieper über die Gründe der Spendenaktion.
Noch ist der Oldenburger in der Vorbereitungsphase für das große Rennen. Am 23. Juli geht es dann in einem belgischen Dorf in der Nähe von Brüssel los mit dem Rennen. Dann heißt es für Keno Pieper und 300 andere Teilnehmer: In die Pedale treten für eine Fahrt durch ganz Europa.
