Oldenburg - Warum wird der Penis steif? Warum haben Erwachsene Haare zwischen den Beinen und Kinder nicht? Wie sieht’s bei dir da unten aus, wie bei mir? Wie kommt da ein Baby raus? Wie wird eines gemacht? Diese und viele andere Fragen stellen kleine Kinder. Mit zunehmendem Alter kommen weitere Fragen und Erfahrungen dazu: Welche Berührungen machen angenehme Gefühle? Was ist Sex? Was heißt geil? Und schwul? Bin ich verliebt? Bin ich gar kein Mädchen? – Sexuelle Bildung und Aufklärung „beginnt eigentlich mit der Geburt und ist ein Prozess fürs ganze Leben“, sagt Christin Kellner, Sexualpädagogin bei der Beratungsstelle Pro Familia in Oldenburg.
Peinlich gibt’s nicht
Der Job von Christin Kellner und ihrem Kollegen Jens Brodauf ist es, Schulklassen von der Grundschule bis zur Mittelstufe zur besuchen und dort über Sexualität zu sprechen – ohne Tabus, Grenzen oder falsche Scham. Und weil die Berater von Pro Familia mit den Kindern und Jugendlichen weder verwandt noch bekannt sind und sie auch im Vergleich zum Lehrer keine Benotung vornehmen, fällt es leicht, diesen unbeteiligten Dritten hemmungslos Fragen zu stellen. „Bei uns kommen die Themen alle auf den Tisch, sensible, peinliche, alles“, sagt Christin Kellner.
Eltern nicht immer locker
Die Eltern sind nicht zwingend die erste Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche in diesen Dingen. Dennoch sollten Eltern diese Themen immer auf dem Schirm haben. „Wir sind aber nicht immer locker damit“, so Jens Brodauf. Eltern sollten die Fragen, die ihre Kinder stellen, grundsätzlich beantworten: „Wenn sie nicht gleich eine Antwort haben, können sie auch sagen, dass sie darüber nachdenken müssen. Aber sie sollten die Frage wieder aufgreifen.“ Über die Thematik hinwegzugehen, unterstütze die Kinder nicht. „Sexualerziehung findet immer statt. Und wenn man gar nichts dazu sagt, ist das auch eine Botschaft“, gibt Christin Kellner zu bedenken.
Die Jugendfilmtage: Pro Familia Oldenburg und das Casablanca Kino laden Schulklassen zu den Jugendfilmtagen am Donnerstag und Freitag, 12. und 13. Oktober ein. Der Eintritt zu den Vorführungen beträgt für Schülerinnen und Schüler fünf Euro, Begleitpersonen zahlen nichts. Eine Voranmeldung ist notwendig per Mail unter oldenburg@profamilia.de.
Das Programm: Am Donnerstag läuft von 8.30 bis 10.30 Uhr „Busters Welt“, von 09.30 bis 11.30 Uhr „Kokon“, von 10.45 bis 12.45 Uhr „Himbeeren mit Senf“. Am Freitag, 13. Oktober, läuft von 8.15 bis 10.15 Uhr „Himbeeren mit Senf“, von 9.45 bis 11.50 Uhr „Niemals selten manchmal immer“ und von 10.30 bis 12.30 Uhr „Kokon“.
„Busters Welt“ richtet sich an Kinder von acht bis elf Jahren: Der elfjährige Buster Oregon Mortensen möchte „Meistermagier“ werden und trainiert fleißig Zaubertricks mit dem pflegebedürftigen Nachbarn Herrn Larsen, einem früheren Zirkusartisten. Mit seinen Zaubertricks möchte Buster auch die gleichaltrige Joanna beeindrucken. Um Joanna bemüht sich aber auch der ältere Mitschüler Simon-Olaf, der als Streetdancer ebenfalls bei dem Wettbewerb auftritt.
„Himbeeren mit Senf“ ist für Kinder ab zehn Jahren und für Klasse fünf bis sieben geeignet. Der Film erzählt von der 13-jährigen Meeri, die verliebt in den hübschen Rocco ist. Wenn ihr Herz schneller schlägt, schwebt sie in die Höhe und kann sogar fliegen. Doch leider erwidert der 16-Jährige ihre Gefühle nicht.
„Kokon“ richtet sich an Schüler ab Klasse acht oder 13 Jahren: Es ist Sommer in Berlin-Kreuzberg, heiß und stickig. Die 14-jährige Nora zieht um die Häuser. Nora ist mittendrin und doch am Rand. Sie beobachtet die Welt um sich herum und sich darin. Für sie ist es ein Sommer der Metamorphose vom Kind zur jungen Erwachsenen. Die erste Menstruation, neu wahrgenommene Körperlichkeit, sexuelles Begehren. Nora begegnet der faszinierenden Romy und verliebt sich.
„Niemals selten manchmal immer“ ist freigegeben ab Klasse zehn oder 15 Jahren: Die 17-jährige Autumn ist schwanger. Ihre Familie weiß davon nichts, aber sie selbst ist sich sicher, dass sie noch kein Kind bekommen will.
Aufmerksamkeit sei auch wichtig, wenn es darum geht, was Kinder zum Thema Sexualität, aber auch Gewalt und Rassismus, im Internet und in Chat-Gruppen zu sehen bekommen. Brodauf: „Die Kinder sehen Sachen, die sie sehr verstören können. Sie sollten wissen, mit wem sie darüber reden können.“ Die Erfahrung von Christin Kellner in den Schulen zeigt, dass die Jugendlichen eigentlich alle schon mal etwas gesehen oder geschickt bekommen haben, das sie gar nicht sehen wollten: „Und wenn wir diese Frage den Grundschülern stellen, steht auch die Hälfte der Kinder auf.“ Was die Kinder da zu Gesicht bekommen, passt nicht zum Verliebtsein, zu Träumen vom Ersten Mal, zu Lust und Fantasie – ein Spannungsfeld, das auch in der Arbeit der Sexualpädagogen thematisiert wird.
Altersgerechte Filme
Eine unterhaltsame und altersgerechte Art, Themen wie Freundschaft, Liebe, Sexualität und Schwangerschaftsabbruch greifbar zu machen, bieten die Jugendfilmtage von Pro Familia und Casablanca Kino für Schulklassen. Vier Filme werden am Donnerstag und Freitag, 12. und 13. Oktober, gezeigt. Im Programm ist für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 10 auch ein Film zum Thema Schwangerschaftsabbruch.
„Unsere Idee hinter den Jugendfilmtagen ist es, die Jugendlichen über das Medium Film zu erreichen“, sagt Katrin Boltes, Leiterin der Pro Familia-Beratung in Oldenburg. Für die Filme gibt es über die Homepage https://www.visionkino.de/ pädagogisches Begleitmaterial, so dass Lehrerinnen und Lehrer im Unterricht an die Filme anknüpfen können. Boltes: „Gleichzeitig bieten wir im Anschluss an die Filmvorführungen ein Filmgespräch an und/oder es besteht von uns das Angebot für die Schulen, den Film und die verschiedenen Themen sexualpädagogisch zu begleiten.“
