Oldenburg - Wilhelm II hatte im Frühjahr 1914 eigentlich anderes zu tun, als sich um die Ehe anderer Leute zu kümmern, der deutsche Kaiser hatte einen Weltkrieg vorzubereiten. Dennoch machte es die Staatsräson der konstitutionellen Monarchie nötig, einen tiefen Streit im Großherzogtum Oldenburg per Machtwort zu beenden. Wie es dazu kam, ist ebenso tragisch wie boulevardesk – im Oldenburger Kultursommer wird das überlieferte Historienstück nun sogar theatralisch als „Elisabeth und Friedrich August – Eine verunglückte Ehe“.
Hochzeit ohne Liebe
Es geht um die zweite Ehe des Großherzogs Friedrich August, der im Jahr 1896 die Prinzessin Elisabeth Alexandrine zu Mecklenburg heiratete – eine standesgemäße Frau im gebärfähigen Alter. Seine erste Gattin Elisabeth Anna war im Jahr zuvor gestorben, mit der er eine Tochter hatte, aber keinen männlichen Thronfolger. Liebe spielte bei der zweiten Vermählung des Großherzogs keine Rolle, sie wurde schlicht arrangiert, um den Stand des Hochadels zu wahren – und um einen Sohn zu zeugen.
Lebendige Geschichte
Im Zuge anderer Forschungen war der ehemalige Präsident der Oldenburgischen Landschaft, Thomas Kossendey (Edewecht), auf die zunächst privaten Probleme im Hause Oldenburg gestoßen – und zahllose Quellenstudien später legte er eine Abhandlung dazu vor. Eine Arbeit, die nun zu einer szenischen Lesung umgearbeitet wurde. Premiere ist am 29. Juli ab 19 Uhr im Elisabeth-Anna-Palais, also genau dort, wo der Großherzog und die Großherzogin zunächst lebten.
Kossendey selbst übernimmt bei der Lesung den Part des Berichterstatters, der seine Forschungen referiert. Sylvia Meining und Ulf Goerges vom Rasteder Theater Orlando ergänzen dies durch teils originale Quellenvorträge aus Adels- und Beamtenkreisen, teils durch erdachte Dialoge bürgerlicher Zeitgenossen. Beide Erzählebenen zusammen ergeben historisch spannende und höchst unterhaltsame 75 Minuten, die ein Stück Oldenburger Geschichte lebendig werden lassen.
Friedrich August von Oldenburg: Der älteste Sohn von Großherzog Nikolaus Friedrich Peter und Großherzogin Elisabeth wurde 1852 in Oldenburg geboren und starb 1931 in Rastede; begraben ist er im Mausoleum der Großherzöge auf dem Gertrudenfriedhof. Seine Regentschaft begann am 13. Juni 1900, dem Tag, an dem sein Vater starb. Großes Interesse hatte er an technischen und maritimen Themen. So forcierte er den Ausbau von Wasserwegen (Hunte-Ems-Kanal) und von Häfen im Oldenburgischen. Nach der Abschaffung der Monarchie trat der konservative Herzog am 11. November 1918 zurück.
Elisabeth Alexandrine Mathilde, Herzogin zu Mecklenburg: Die zweite Gattin von Friedrich August wurde 1869 in Schwerin geboren als älteste Tochter Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg und Marie von Schwarzburg-Rudolstadt; sie starb 1955 in Schloss Schaumburg bei Diez. Beerdigt wurde die letzte Großherzogin des Oldenburger Landes im Mausoleum auf dem Gertrudenfriedhof. Ihr Name ist bis heute mit der Nautik verbunden: Unter anderem der Dreimastschoner der Seefahrtschule in Elsfleth heißt „Großherzogin Elisabeth“.
Die Aufführungen: Premiere der szenischen Lesung „Elisabeth und Friedrich August – Eine verunglückte Ehe“ ist am Freitag, 29. Juli, ab 19 Uhr im Elisabeth-Anna-Palais am Schlosswall 16. Weitere Vorstellungen folgen, ebenfalls im Rahmen des Kultursommers, am 30. und 31. Juli ab 19 Uhr am selben Ort, sowie ab Dezember im Theater Orlando in Rastede.
Reichlich Stoff
Lebendig, eher turbulent und bisweilen bösartig verlief diese zweite Ehe in der Tat. Denn nachdem Großherzogin Elisabeth den gewünschten Thronfolger, Nikolaus Friedrich Wilhelm (dazu zwei Töchter), geboren hatte, war für den Großherzog ihr „Auftrag“ erfüllt, sie interessierte ihn fortan nicht mehr. Die vernachlässigte Ehefrau rächte sich, indem sie verschiedene Affären einging – was Friedrich August auch nicht passte. Er ließ Elisabeth Alexandrine in Nervenanstalten einweisen, immer weit weg von Oldenburg.
Der folgende Streit des Paares wurde in aller Öffentlichkeit ausgetragen, die Zeitungen berichteten detailliert. Am Ende verlangte Friedrich August die Scheidung. Was wiederum dem Kaiser in Berlin missfiel, aus Gründen der Staatsräson des Deutschen Reiches. Er zwang die Eheleute, eine Einigung zu unterschreiben: Die Ehe werde nicht geschieden, Elisabeth erhalte zwar ein hohe Apanage, dürfe aber nicht nach Oldenburg zurückkehren.
„Dass eine private Angelegenheit so politisch wurde, war und ist keine Seltenheit“, meint Thomas Kossendey. „Der Kaiser musste zum Beispiel in Sachsen eingreifen. Und auch heute kommt Ähnliches vor, man denke nur an Lady Di.“ Die szenische Lesung ergreift keine Partei für eine Seite, sie schildert, was und wie es war. Politische Geschichte, und sei sie noch so privat, wird auf spielerische Weise greifbar und begreifbar.
