Oldenburg - Unsere Nachbarn haben einen kleinen Kartoffelacker hinterm Haus, ernten jedes Jahr zig Kürbisse, Zucchini, Tomaten, Gurken, Möhren, Radieschen, gigantische Salatköpfe und dieses Jahr vielleicht das erste Mal Artischocken. Gemüsetechnisch können sie sich den Sommer über fast selbst versorgen. Da können wir nicht mithalten, unser Garten ist zu klein. Aber auch wir haben schon üppig geerntet und damit erstens Spaß am gemeinsamen Gärtnern gefunden und zweitens unsere Familienkasse entlastet – und das ist gerade jetzt, wo einen jeder Wocheneinkauf beim Bezahlen innerlich zusammenzucken lässt, ein echter Ansporn. Ich kann versichern: Man braucht keinen grünen Daumen, um Gemüse anzubauen. Man muss es einfach machen.
Der Wachstumsturbo
Ein Gemüsebeet haben wir nicht, wir setzen auf Pötte – aus Platzgründen und weil sich das Schneckenproblem so nicht stellt. Da Blumentöpfe kein Schnäppchen sind, nutzen wir günstige Mörtelkübel aus dem Baumarkt: Mit dem Akkuschrauber ein paar Löcher in den Boden bohren und fertig ist die Pflanzkiste. Wir ziehen Gurken, Kürbisse, Zucchini und verschiedene Tomatensorten – alles Pflanzen, die nicht sonderlich anspruchsvoll sind, aber in der Erntezeit viel abwerfen. Unsere Tomatenpflanzen haben uns in den vergangenen Jahren von Juli bis in den November hinein versorgt.
Um die Erde machen wir uns wenig Gedanken, obwohl das eine Wissenschaft für sich sein soll. Wir kaufen normale Pflanzerde und mischen in diese nach ein paar Zentimetern Füllstand im Pott immer eine dünne Schicht Hornspäne, der Wachstumsturbo schlechthin – ein Tipp, den mir einst ein Tomatenbauer gab. Alle diese Pflanzen sind Starkzehrer und brauchen viele Nährstoffe und ordentlich Wasser, um ihr enormes Wachstum voranzutreiben.
Ausgeizen muss sein
Und spätestens hier fängt die Sache mit dem Gärtnern an, Spaß zu machen: Wir können den Pflanzen beim Wachsen quasi zugucken, schon jetzt zeigen sich an den Tomaten die ersten gelben Blüten. Immer weiter geht es in die Höhe, sie brauchen bald Kletterhilfen, um nicht umzuknicken. Wir nehmen dafür Bambusstäbe aus Nachbars Garten.
Bei den Tomaten steht einmal in der Woche das Ausgeizen an: Dabei werden die kleinen Triebe, die in den Blattachseln wachsen, abgeknipst. Ich mache das mit den Fingernägeln und bin ratzfatz fertig. Ach ja: Tomaten mögen Wasser, aber nicht von oben. Sie freuen sich über einen sonnigen Standort, an dem sie vor Regen geschützt sind. Auch der Kürbis liebt es warm. Wir haben uns für die Klassiker entschieden: Butternut und Hokkaido. Die werden nicht so riesig, schmecken lecker und sind bei kühlen Temperaturen lange problemlos lagerbar.
Wenig Aufwand, hoher Ertrag
Unterm Strich hält sich der Pflegeaufwand für unser selbst angebautes Gemüse in Grenzen – einpflanzen, gießen, düngen, ausgeizen und hochbinden. Und schließlich ernten. Wir sind nicht vom Fach, wissen nicht so richtig, was wir tun. Aber was wir tun, trägt Früchte.
