Oldenburg - Seine Vision vom Frieden in Stein gemeißelt: Bildhauer Ivo Gohsmann kam am Wochenende bei einem großen Familienfest im Quartier Neu-Donnerschwee eine zentrale Rolle zu. Er hat den Aufschlag gemacht, für das Quartier eine neue Skulptur zu bearbeiten, die den Platz des umstrittenen Gedenksteins für Kaiser Wilhelm I. einnimmt.
Scharfe Kritik
Der Gedenkstein für Kaiser Wilhelm I. aus dem Jahr 1898 wurde vor einigen Jahren wiedergefunden und auf dem Anne-Frank-Platz aufgestellt. Bei den Bewohnern des Quartiers stieß dies jedoch auf scharfe Kritik. Neu-Donnerschwee verbindet e.V. möchte ein inklusives und offenes Wohnviertel aufbauen − ein Denkmal für Kaiser Wilhelm ausgerechnet auf dem Anne-Frank-Platz sei deshalb nicht angebracht. Die neue Skulptur soll stattdessen als Zeichen für den Frieden stehen.
Buntes Treiben herrschte am Wochenende in dem kleinen Stadtteil rund um das ehemalige Kasernengelände: Kunst und Kultur, Kaffee und Kuchen, Spiel, Spaß und Geselligkeit. Organisiert wurde die Veranstaltung von dem Verein Neu-Donnerschwee verbindet e.V. – und eben verknüpft mit der Gestaltung der neuen Skulptur.
Anfangspunkt gesetzt
„Der Stein lebt: Er entwickelt sich immer weiter, wie sich auch das Gebiet um ihn immer weiter entwickelt“, sagt Thorsten Kramm, 1. Vorsitzender des Vereins. Ivo Gohsmann setzte den Anfang für ein Kunstwerk, das im Laufe der Jahre immer weiter entwickelt und zur kreativen Fläche vieler weiterer Künstler werden soll. „Eine schwierige Aufgabe“, so der Bildhauer. „Aber ich bin auch froh, den Anfangspunkt zu setzen.“ Gohsmann entschied sich dafür, den Stein durch einen Spalt zu teilen, der von einer Brücke zusammengehalten wird. „Die Brücke ist das Symbol für Frieden und Zusammenhalt“, erklärt Gohsmann seinen Ansatz.
Bei der Veranstaltung in Neu-Donnerschwee wurden auch Skulpturen der Steinbildhauer Jürgen Steinfurth und Barbara Meichsner-Drobinski ausgestellt. Die ukrainischen Musiker Nikolay Skumovskiy und Olga Kornieva sorgten für die klangliche Untermalung. Zu englischen und ukrainischen Liedern wurde getanzt und mitgesungen. Wer hingegen entspannen wollte, konnte es sich zu Kaffee und Kuchen gemütlich machen. Der Kuchen wurde von Bewohnern aus Neu-Donnerschwee selbst gebacken. Generell betonten Organisatoren und Helfer immer wieder den Zusammenhalt im Quartier. Neu-Donnerschwee zeigte sich an dem Wochenende als Gemeinschaft, die durch die ehrenamtliche Tätigkeit vieler viel möglich macht. „Jeder hilft hier jedem“, sagt dazu Luca Tom Schmäher, der mit dem Verein selbst am Aufbau der Veranstaltung beteiligt war. Der kleine Stadtteil zeigte sich von seiner besten Seite und ist mit getaner Arbeit von Ivo Gohsmann um ein Kunstwerk reicher.
