Oldenburg - Für Ratsfrauen und -herren der SPD ist die Wahl in den Vorstand ihres jeweiligen Ortsvereins eigentlich reine Formsache. Natürlich sollen sie dabei sein, wenn kommunalpolitische Themen diskutiert und auf den Weg gebracht werden. Sie sollen ihre Ohren bei der Parteibasis haben und wahrnehmen, wie die Stimmung ist.
Vorstand ohne Vally Finke (von links): Bernhard Ellberg, Claudia Ellberg (Vorsitzende), Martin Aßmus, Helga Wittig- Aßmus, Güzel Tulan(stv. Vorsitzende), Thomas Röben, Dieter Hähnel(verdeckt), Gudrun Junge- Grahl, Rafael Pust, Stefan Gottschalk, Frank Zobel, Gerti Suntrup und Christian Rieck (stv. Vorsitzender). Es fehlen Samantha Westphal und Thomas Pauling Bild: SPD
SPD15-köpfiger Vorstand
SPD-Ratsfrau Vally Finke hat es bei einer sehr gut besuchten Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins 1 (Stadtmitte Nord und Donnerschwee) allerdings nicht geschafft, in den 15-köpfigen Vorstand gewählt zu werden. Selbst bei einer Kampfabstimmung um den 15. und letzten Platz im Vorstand des Ortsvereins unterlag sie.
Innerhalb der Fraktion gilt Finke als nicht immer verlässlich. Konkret: Bei der Stadionfrage hat sie sich bei der Abstimmung im Rat nicht an vorab innerhalb ihrer Fraktion mehrheitlich geschlossene Beschlüsse gehalten, damit die Fraktionsdisziplin missachtet und mit den Grünen und dem Piraten dagegen gestimmt. Auch die Stadtverwaltung brachte das konträre Abstimmungsverhalten und die Redebeiträge von Vally Finke durcheinander.
In einem Protokoll wurde sie irrtümlich als Grünen-Ratsfrau zitiert – was dann bei der formalen Genehmigung des Schriftstücks korrigiert werden musste.
Nicht mit Grünen
„Ich habe nicht mit den Grünen, sondern gegen das Stadion gestimmt“, stellte Finke in einem Gespräch mit unserer Redaktion klar. Die Abstimmungsniederlage im Ortsverein, die nach der Corona-Pause sehr gut besucht war, nehme sie als demokratische Entscheidung wahr.
Gleichwohl wundere sie sich, dass zur Versammlung SPD-Mitglieder aufgetaucht seien, die sie zuvor noch nie gesehen habe. In ihrem Ortsverein habe sie in den zurückliegenden Monaten jedenfalls den Eindruck gewonnen, dass alle gegen den Stadionneubau seien. Es hat in Oldenburg „keine gute und faktische Auseinandersetzung zum Thema Stadionneubau gegeben“, fügte sie hinzu.
Konsequenzen aus ihrer Niederlage wolle sie nicht ziehen, sie sei von den Bürgerinnen und Bürgern als Ratsfrau für die SPD gewählt worden. Sie müsse sich allerdings morgens im Spiegel anschauen können und stehe deshalb zu ihrer Meinung. Auf jeden Fall fühle sie sich in der SPD gut aufgehoben.
Die Abstimmungsniederlage werten viele Genossinnen und Genossen als Denkzettel – als politische Ohrfeige. Finke gilt, obwohl sie deutlich älter ist, parteiintern als politisches Ziehkind von Nicole Piechotta (Bürgermeisterin, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende und seit 2018 Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Oldenburg-Stadt).
