Oldenburg - In gemütlicher Atmosphäre saßen an diesem Wochenende knapp 400 Besucher bei den Blühwiesentagen zwischen Blumen und Bienen. Die knapp 40 000 Quadratmeter große Blühwiese im Oldenburger Ofen ist schön anzusehen, sie ist aber auch ein wichtiges Zeichen für die Artenvielfalt.
„In den letzten 30 Jahren haben wir 75 Prozent der Fluginsektenbiomasse verloren“, beschreibt Johnny Benjes vom Oldenburger Start-Up Immerbunt. Dabei bezieht der Agrarwissenschaftler sich auf die Krefeldstudie. Diesem Insektensterben möchte sich das junge Start-Up entgegenstellen.
Mehrjährige Pflanzen
Also machten sie sich vor einem Jahr daran, am ehemaligen Fliegerhorst eine Blühwiese anzulegen, damals probeweise mit einjährigem Saatgut. Aufgrund der guten Rückmeldungen kehrten sie im letzten halben Jahr dorthin zurück. Nun ist die Blühwiese auf mehrere Jahre angelegt und lädt Besucher zum Verweilen ein.
Immerbunt erhielt bei dem Projekt Unterstützung von 80 Unternehmen und 1000 Privatpersonen. Sie seien stolz darauf, nun das fertige Ergebnis präsentieren zu können, so Tom Junge, Gründer des Start-Ups. Die Blühwiese ist dabei sowohl Beitrag als auch Zeichen. „Wir wollen den Leuten das Thema Artenvielfalt näherbringen“, erklärt Junge. Die Wiese sei ein erlebbares Beispiel, selbst Insekten beobachten zu können. Gleichzeitig komme man auf der Wiese mit den Leuten ins Gespräch. „Die Veränderung fängt bei jedem einzelnen an“, findet Junge. Deswegen verteilen sie unter anderem Saatgut an die Besucher, um diese dazu zu animieren, auch im heimischen Garten Blühwiesen anzulegen.
Oder eben auf dem eigenen Balkon, wie es Katharina Heisterkamp vorhat. „Ich finde es toll, dass jeder in seinem eigenen Garten einen Beitrag leisten kann“, so die Oldenburgerin.
Jeder Quadratmeter zählt
Ihre Freundin Liz Hussain stimmt ihr zu: „Es ist ein sehr zugängliches Angebot.“ Gleich mehrere Blühwiesen haben Bernd und Silvia Becke bereits in ihrem Garten. Sie unterstützen Immerbunt schon länger. „Ich finde das Thema Artenvielfalt gut und wichtig“; beschreibt Bernd Becke. Die große Blühwiese des Start-Ups finde er super. „Es ist einfach ein gutes Paradebeispiel.“
Wer ebenfalls eine Blühwiese im eigenen Garten anlegen möchte, sollte auf regional zertifiziertes und mehrjähriges Saatgut setzen. „Die Insekten sind auf ihre Region hochspezialisiert“, beschreibt Benjes. Entsprechendes Saatgut bekomme man bei Immerbunt oder beim NABU. Man müsse auch nicht gleich seinen ganzen Garten umgraben. „Jeder Quadratmeter bringt etwas für die Insekten“, so Benjes.
Bunt geschmückte Räder
Zu den Blühwiesentagen unternahmen die Veranstalter zum ersten Mal eine Fahrraddemo für die Artenvielfalt, an der sich zahlreiche Oldenburger mit bunt geschmückten Fahrrädern beteiligten. „Es ist schön, dass sich so viele beteiligen und ihre Stimme zeigen“, freut sich Junge. Unter ihnen war auch Michael Olsen mit seinem Hochzeitsrad. Mit seinen Spezialkreationen möchte er ein Zeichen für mehr Fahrräder in der Stadt setzen. „Die Leute von Immerbunt und mich verbindet eine ähnliche Geisteshaltung: Wir wollen etwas gegen den Klimawandel tun“, beschreibt der Künstler.
