Oldenburg/Hannover - Das Bekenntnis war ein Deutlichkeit kaum zu überbieten: „Es wird nicht leicht, aber wir müssen es anpacken!“ Mit diesen Worten stellte sich Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD) hinter den avisierten Ausbau von derzeit 120 auf 200 Studienplätzen pro Jahr an der European Medical School (EMS) in Oldenburg. Das sei angesichts der finanziellen Herausforderungen zwar ein Kraftakt, so Mohrs, mit Blick auf den Bedarf im Gesundheitswesen aber unumgänglich. Das Bekenntnis des Wolfsburgers ist schon deshalb von Belang, weil auch die Region Braunschweig Interesse an einem Medizin-Studiengang hat.
Bereits zum vierten Male hatte die Universitätsmedizin Oldenburg am Donnerstag zu einem „Parlamentarischen Abend“ in Hannover eingeladen. Das „Who is who“ der Landespolitik, allen voran Landtagspräsidentin Hanna Naber aus Oldenburg, Innenministerin Daniela Behrens und Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi (alle SPD), erlebte im Alten Rathaus der Landeshauptstadt einen informativen und kurzweiligen Streifzug durch medizinische Praxis und Forschung in Oldenburg. „Wir wollen keine Probleme zeigen, sondern Lösungen“, sagte Universitätspräsident Prof. Dr. Ralph Bruder. Die Landespolitik müsse nun Planungssicherheit geben.
Spritzen auf Politiker
Die Universitätsmedizin habe ihre Hausaufgaben gemacht, betonte Rainer Schoppik, Vorstandsvorsitzender des Klinikums Oldenburg, im Namen der Kooperationskrankenhäuser mit Blick auf die bevorstehende „Visite“ der wissenschaftlichen Kommission. Er nannte die Weiterentwicklung durch klinische Neuberufungen, die Etablierung von Hochschul-Ambulanzen sowie die erweiterte Governance- oder Steuerungsstruktur. Die vier Kooperationskrankenhäuser hatten 2021 exakt 2279 Planbetten und 7484 Mitarbeitende. Der Umsatz lag bei 631,1 Millionen Euro. Schon heute erfülle die Uni-Medizin die hohen Anforderungen der Regierungskommission an einen „Maximalversorger“.
Angetan zeigten sich die rund 120 Ehrengäste des Parlamentarischen Abends, moderiert von Medizinstudentin Hannah Stolle (20), auch von Beispielen aus der Praxis. Dr. Andreas Radeloff, Direktor der Uni-Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, zeigte, wie ein fünfjähriges, gehörloses Mädchen mit Hilfe eines Cochlea-Implantats am Leben teilhat. Dr. Tania Zieschang von der Klinik für Geriatrie stellte neue Technologien in der Sturzforschung vor. Stefan Thate und Dr. Insa Seeger präsentierten das deutschlandweit einmalige Notfall-Projekt „Inga“, das für eine Entlastung beim Rettungsdienst und in Notaufnahmen sorgen soll. Für das I-Tüpfelchen des unterhaltsamen Abends sorgten Julia Klingler, Ernestine Eickstädt und Jonathan Strehle. Sie brachten musikalische Klassiker im neuem, medizinischen Gewand zu Gehör. Aus Ina Deters „Neue Männer braucht das Land“ wurde „Mehr Medizinerinnen braucht das Land“; und zur Melodie von „Mein kleiner grüner Kaktus“ stachen symbolisch Spritzen auf die Abgeordneten ein.
Mohrs bleibt bis zum Schluss
Theoretisch sei der Landtag beschlussfähig, meinte Wissenschaftsminister Mohrs mit Blick auf die zahlreichen Abgeordneten im Saal. Am Ziel ist man aber noch längst nicht. Rund 61 Millionen Euro kostet der erste Bauabschnitt des neuen Medizin-Campus. Bei einer Aufstockung auf 200 Medizinstudienplätze innerhalb dieser Legislaturperiode müsse das Land jährlich rund 55 Mio. Euro für das Personal im klinischen Bereich bereitstellen, rechnete der Dekan der Fakultät Medizin und Gesundheitswissenschaften, Prof. Dr. Hans Gerd Nothwang, vor. Hinzu kommen noch 11 Mio. Euro „Aufwandsentschädigung“ für die vier Kooperationskrankenhäuser. Überzeugungsarbeit sei weiterhin gefragt. Den Schulterschluss der gesamten Region würdigte Mohrs. Er blieb übrigens bis zum Ende der mehr als zweistündigen Präsentation – obwohl parallel die Region Braunschweig eingeladen hatte.
