Oldenburg - Eine Krebserkrankung erschüttert nicht nur den Betroffenen, sondern seine ganze Familie. Kinder sind von starken Emotionen betroffen, leiden unter Ängsten, Traurigkeit, Aggression und Ohnmacht. „Kinder brauchen Hilfe, von Anfang an und über die gesamte Dauer der Erkrankung oder im schlimmsten Fall über den Tod eines Elternteils hinaus“, sagt Angela Paradies. Sie hat deshalb 2015 in Oldenburg den Verein Lichtblick gegründet, der die Bedürfnisse dieser Kinder in den Blick nimmt.

Angela Paradies (von links) hat den Verein Lichtblick gegründet. Er hilft Kindern, deren Eltern an Krebs erkrankt sind. Robin, Janine und Henri Dittrich wissen, wie wertvoll diese Unterstützung ist.

OLDENBURGER VEREIN Plötzlich hatte Papa Krebs – „Lichtblick“ hilft Kindern krebskranker Eltern

Anja Biewald
Oldenburg

Angela Paradies ist Psychologin, Psychoonkologin und Traumatherapeutin. Aus ihrer langjährigen Arbeit in der Onkologie des Oldenburger Klinikums kennt sie nicht nur die Krebspatienten, sondern auch deren Partner und Kinder. In Oldenburg, dem Landkreis Oldenburg und im Ammerland würden jährlich mehr als 2300 Erwachsene eine Krebsdiagnose bekommen. Etwa ein Drittel der Betroffenen seien jünger als 49 Jahre alt – eine Altersklasse, in der viele minderjährige Kinder haben. Der Verein schätzt, dass hier jedes Jahr rund 380 Kinder von der Krebserkrankung eines Elternteils betroffen sind.

Die Kinder müssten ertragen, wie Mama oder Papa langwierige Behandlungen über sich ergehen lassen. Und sei dies vergebens, stünde am Ende die Konfrontation mit dem Tod. „Welche Ressourcen braucht das Kind? Darum geht es“, sagt Angela Paradies. Die Betreuung erfolgt individuell – psychologisch und psychosozial. „Wir haben auch eine gute Vernetzung mit Therapeuten und allen Kliniken hier im Nordwesten. Am besten werden wir aktiv, bevor ein Kind seelisch beeinträchtigt wird.“

Beim Verein, der in Oldenburg ansässig ist und im Herbst in Bad Zwischenahn im Luisenhof eine Nebenstelle eröffnen will, gibt es Einzel- und Gruppenangebote. Es wird gespielt, gemalt, gebastelt und Sport getrieben. Ausflüge werden unternommen. Leichtigkeit sollen die Kinder hier erleben. Aber auch alles Schwere, das mit der Erkrankung von Mama oder Papa verbunden ist. „Wir bereiten die Kinder auch auf den Abschied vor. Wir vermitteln ihnen, dass sie in einen Kosmos eingebunden sind, dass sie nicht alleine, und hier verwurzelt sind“, beschreibt die Vorsitzende Ansätze der Arbeit mit den Kindern.

Rund 35 Familien betreue der Verein jährlich und stoße personell an Grenzen, sagt Angela Paradies: „Alle arbeiten durchweg ehrenamtlich, darunter viele Studenten. Wir brauchen zusätzliche Ehrenamtliche und suchen über eine Förderung der Stadt einen Sozialarbeiter oder Sozialpädagogen.“ Ehrenamtliche müssten keine spezielle Qualifikation mitbringen, „brauchen aber psychische Stabilität, müssen sehr verlässlich sein und wissen, was ein Mensch braucht“, so Paradies.

Für 7. Oktober lädt der Verein Lichtblick in Oldenburg an der Schützenhofstraße 86 zu einem Tag der offenen Tür ein. Kontakt gibt es über Angela Paradies unter Tel. 0176/57828282 oder per E-Mail an info@lichtblick-ol.de.

Anja Biewald
Anja Biewald Redaktion Oldenburg