Oldenburg - Oldenburg ist ihr Zuhause. Das Ammerland ist ihre Heimat. Aber schon in ihrer Jugend in Elmendorf wollte sie mehr: die Welt lockte. Lea Marie Reitemeyer ist 23 Jahre alt und ihr Hunger nach neuen Eindrücken, fremden Kulturen und Abenteuern ist über die Jahre hinweg immer nur gewachsen. Diesen Hunger stillt sie seit mehr als einem halben Jahr auf einer Weltreise: „Immer wieder gibt es Momente, wo ich mein Glück gar nicht fassen kann. Was für Dinge ich sehe und erlebe, wie viele wunderschöne Begegnungen ich schon hatte.“
Roller als Lastenwunder
Begonnen hat die Bühnenmalerin des Oldenburgischen Staatstheaters ihre Reise in Uruguay. Es ging nach Argentinien und Chile, nach Südkorea, Japan, Thailand, Kambodscha und Vietnam und nun folgen noch Bali, Singapur, Malaysia und Nepal. Besonders berührt ist die Oldenburgerin von ihrer Zeit in Taiwan: Dort besuchte sie eine Freundin, die sie einst in Irland kennengelernt hat. „Bei Vivien in Taipeh habe ich das Stadtleben und den Lifestyle hautnah miterlebt.“ Lektion Nummer eins: Ein Roller ist ein Lastenesel.
Kein Blickkontakt
„Es gibt mehr Roller als Autos auf der Straße, und mit dem Roller ist alles möglich“, berichte Lea Marie Reitemeyer unserer Redaktion: „Als ich mit meinem großen Backpack und meinem kleinen Rucksack bei Viviens Arbeitsplatz angekommen bin, sind wir zusammen auf ihrem kleinen Roller nach Hause gefahren. Also ein kleiner Roller, eine zarte Taiwanesin und eine im Vergleich große Europäerin, ein riesiger Rucksack, zwei kleine Rucksäcke und noch ein kleiner Hund.“ Überhaupt ist der von Rollern und vom Chaos dominierte Straßenverkehr ein Erlebnis für sich. So wie auch das Essen. Die Oldenburgerin lernte, dass kaum jemand eine Küche zu Hause hat, weil es „einfach viel günstiger ist, bei einem der unzähligen Streetfood-Stände zu stoppen“. Vordrängeln gibt es dort nicht: „Es werden immer ordentliche Schlangen gebildet.“
Die Welt-Entdeckerin liebt die Alltagserfahrungen und berichtet davon auf ihrem Instagram-Account @leamariereitemeyer: Mülltonnen in Taiwan – Fehlanzeige! „Es gibt keine. In Taiwan sammeln alle ihren Müll in kleinen Müllsäcken in ihren Wohnungen. Täglich fährt ein kleines Müllauto mit einer Melodie durch die Straßen und die Leute flitzen los.“ Was sie sonst besonders fand in Taiwan: „Man schaut sich beim Reden nie, aber wirklich niemals in die Augen. Dies war definitiv mein kulturelles Fettnäpfchen, in welches ich getreten bin.“ Die Einheimischen empfinden es als unangenehmes Starren.
Unterwegs kreativ
Taiwan war für die Oldenburgerin die „größte Überraschungstüte“: Über alle anderen Länder, die sie gesehen hat, hatte sie vorab gelesen, Filme geschaut, Geschichten gehört. Taiwan war ein unbeschriebenes Blatt, die 23-Jährige wollte sich überraschen lassen. Für die letzten Monate ihrer Reise ist sie voller Spannung auf das, was sie noch erwartet. Dann wird sie zurückkehren nach Oldenburg: „Das Theater ist ein unglaublich toller Arbeitsplatz voller lieber Kollegen.“ Ihrer Arbeit als Bühnenmalerin bleibt Lea Marie Reitemeyer auf ihrer Weltreise treu: „Ich möchte auch während meiner Reise künstlerisch tätig sein und finde den damit verbunden Austausch mit anderen total schön.“
Ob ihr Hunger auf die Welt nach einem Jahr Leben aus dem Rucksack in allen erdenklichen Hostels in so vielen Ländern und Städten gestillt sein wird? Wohl kaum – der Appetit kommt schließlich beim Essen. „Ich möchte raus in die Welt und all die kleinen Wunder, die unsere Erde zu bieten hat, erkunden.“
