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Oldenburgerin in Peru Opfer sind häuslicher Gewalt schutzlos ausgeliefert

Die Oldenburgerin Daniela Hirt (links) freut sich über jeden, der sich in Lima bei den Projekten gegen häusliche Gewalt in der Täterarbeit einbringt.

Die Oldenburgerin Daniela Hirt (links) freut sich über jeden, der sich in Lima bei den Projekten gegen häusliche Gewalt in der Täterarbeit einbringt.

Daniela Hirt

Oldenburg/Lima - Wenn es Alltag ist, dass Männer ihre Frauen und Kinder schlagen und züchtigen, dass sie sie sexuell missbrauchen und unterdrücken: Dann befindet sich die Oldenburgerin Daniela Hirt in der harten Realität Perus. Doch wie will sie in den Slums von Lima jemals die vorherrschende Gewalt ändern, wenn diese gesellschaftlich überwiegend toleriert und sogar anerkannt wird? In sehr kleinen Schritten.

Machtstrukturen brechen

Daniela Hirt, die mit Gewaltprävention auch in Oldenburg ihr Geld verdient, macht diese kleinen Schritte. Schon im vergangenen Jahr war sie in Ventanilla, einem Slum in der peruanischen Hauptstadt Lima. Dort dockt sie beim Projekt „Estacion Esperanza“, das vor Ort ein verlässlicher und vertrauenswürdiger Partner ist, an. Hirt hat Schulungen angestoßen, bei denen andere lernen sollen, wie Täterarbeit betrieben werden kann. Sprich: Wie können die Männer zu Verhaltensänderungen gebracht werden? Wie können alte Traditionen, die Machtstrukturen der Männer in den Familien, aufgebrochen werden?

Ventanilla: In dem Slum der peruanischen Hauptstadt Lima leben die Menschen in größter Armut und unter katastrophalen Bedingungen.

Ventanilla: In dem Slum der peruanischen Hauptstadt Lima leben die Menschen in größter Armut und unter katastrophalen Bedingungen.

Bürgermeister macht mit

Jetzt ist Daniela Hirt wieder in Ventanilla, schult Menschen, die zu Multiplikatoren werden sollen. Sie macht positive Erfahrungen. Ein Beispiel: „Wir haben eine Gemeinde besucht. Der Bürgermeister ist sehr interessiert an der Thematik. Er ermöglichte einigen Mitarbeitenden während der Arbeitszeit die Teilnahme an unserer Fortbildung. Er ist geneigt, zusammen mit uns ein Pilotprojekt durchzuführen.“ Ein Fortschritt, denn noch im vergangenen Jahr hat Daniela Hirt die Erfahrung gemacht, dass beim Thema häusliche Gewalt sämtliche Türen geschlossen sind, niemand wollte zuhören – die Politik nicht, die Polizei nicht. „Wurde eine Frau schwer misshandelt, wurde sie von der Polizei noch gefragt, was sie für eine schlechte Frau ist, dass ihr Mann sie so bestrafen muss.“

10.000 Häftlinge

Ein weiteres Beispiel: Daniela Hirt besuchte Block 16 für Sexualstraftäter im größten Gefängnis Perus. Rund 10.000 Männer sitzen dort ein, bei weitem nicht jeder davon rechtskräftig verurteilt. „Die Inhaftierten können mit Waffen, Alkohol, Drogen und anderen Waren handeln“, so Hirt: „Viele Inhaftierte können kaum klarkommen. Ohne Geld müssen sie für die anderen Häftlinge arbeiten, ihnen sexuelle Dienstleistungen anbieten. Die Schlafplätze sind limitiert, so dass denjenigen, welche am unteren Ende der Hierarchie stehen, nur die Übernachtung auf den Gängen oder außerhalb der Gebäude möglich ist.“ Vergewaltigungen, Sex mit Prostituierten: alles Alltag. HIV sei ein riesiges Problem, so Hirt. Und dennoch berichtet die Oldenburgerin davon, dass manche Männer verstanden haben, dass ihr Weg ein anderer werden muss. Die Arbeit der dort aktiven Sozialarbeiter fruchtet.

Acht von zehn Frauen Opfer

Die Türen sind zumindest einen Spalt weit offen, auch wenn der Weg weg von der Gewalt noch unermesslich lang ist. „Acht von zehn Frauen erleben in Peru häusliche Gewalt“, erzählt Miriam Kühni-Bernales, die mit ihrem Mann Carlos, der selbst in dem Slum seine Kindheit verbrachte, die Estacion Esperanza leitet, in einem Video. Die Kamera schwenkt über die Straße hinweg, zeigt die ärmlichen und beengten Verhältnisse. Arbeitslosigkeit, Alkohol, Drogen, Gewalt, Hunger, Korruption – es ist ein Teufelskreis, in dem die Menschen leben. Schützen lassen sich die Opfer kaum bis gar nicht. „Dafür gibt es keine Strukturen“, so Daniela Hirt: „Ich hoffe, dass ich auch im Jahr 2024 wieder nach Peru reisen kann, um das Team der Estacion Esperanza in der Arbeit häusliche Gewalt zu unterstützen und geknüpfte Kontakte zu vertiefen. Meine Vision ist es, ein Frauen- und Kinderschutzhaus in Ventanilla zu eröffnen, denn das gibt es hier weit und breit nicht.“ Die Oldenburgerin ist überzeugt: „Der Glaube versetzt Berge! Ich bin mir sicher.“

Anja Biewald
Anja Biewald Redaktion Oldenburg
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