Oldenburg/Kathmandu - Wie viel in ihrem eigenen Leben für andere keine Selbstverständlichkeit ist, hat Lea Marie Reitemeyer in einem Kinderheim für Mädchen in Nepal gelernt. Ihre Erfahrungen dort lassen die 24-Jährige auf Weltreise mit Demut und Dankbarkeit auf ihren Alltag als Bühnenmalerin am Oldenburgischen Staatstheater und ihre behütete Kindheit im Ammerländer Elmendorf blicken. Denn in Nepal sind Bildung, freie Entfaltung und Eigenständigkeit für Mädchen längst nicht Normalität.
Nicht alles rosa
Seit mehr als acht Monaten ist Lea Marie Reitemeyer unterwegs. Ihr ist es ernst damit, Land und Leute kennenzulernen, sie sammelt nicht nur beeindruckende Bilderbuch-Optiken, die als Motiv für eine Fototapete herhalten könnten. „Wenn ich eines gelernt habe, ist es Dankbarkeit. Mein Leben noch mehr zu schätzen, sowohl die Privilegien, mit denen ich aufgewachsen bin, als auch meine Möglichkeiten. Für die alltäglichen Dinge dankbar zu sein und sich die eigenen Ressourcen zum Helfen bewusst zu machen“, erzählt die Bühnenmalerin. Denn: „Manchmal macht man mit nur einem Lächeln oder einem freundlichen Wort den Tag eines anderen besser.“ So hat sie es in Nepal gemacht, es sollte das 13. Land auf ihrer Weltreise werden.
Zimmer gestaltet
In das Kinderheim für Mädchen in einem Randbezirk von Kathmandu brachte Lea Marie Reitemeyer Kunst und Farbe. Mit finanzieller Unterstützung durch den Bezirksverband Oldenburg (BVO) hatte sich die Oldenburgerin schon vor ihrer Reise dafür entschieden, dass die Kunst ihr Begleiter werden soll und sie unterwegs soziale Projektarbeit leisten will. Sechs Kinderzimmer und ein Esszimmer konnte sie in dem Kinderheim gestalten und in einem Workshop mit den Mädchen T-Shirts bemalen. Jedes Mädchen bekam eines, so die 24-Jährige: „Etwas Eigenes zu besitzen ist dort sehr selten, da alles geteilt wird.“
Ihr Lieblingsmoment des Tages war es, wenn die Mädchen aus der Schule gekommen sind und die Zimmer bewundert haben: „Die Freude und Begeisterung zu sehen, war für mich die beste Belohnung. Denn auch, wenn die Mädels jetzt total glücklich sind, kommen sie aus wirklich tragischen Verhältnissen.“ So hätten ihr die älteren Mädchen berichtet, dass das Kinderhaus für sie ein Glücksfall sei, weil sie Zugang zu Bildung hätten und Englisch lernen würden. Außerhalb des Heimes sei eine selbstbestimmte Zukunft nicht machbar. „Besonders in den ländlichen Regionen haben Frauen überhaupt keine Rechte“, so die Oldenburgerin: Kindern aus unterschiedlichen Kasten sei es verboten, miteinander zu spielen. Frauen seien für den Haushalt sowie die Kindererziehung zuständig und würden manchmal erst gar nicht zur Schule geschickt, aber früh verheiratet. „All das und noch viele weitere Geschichten machen mich, besonders als Frau, unfassbar traurig und sprachlos“, so die Weltreisende.
Wasser ist Luxus
Die Verhältnisse in dem Heim seien gut, aber einfach. Wasser sei ein Luxusgut, Duschen nur zweimal die Woche möglich. „Auch wenn mich die Geschichten der Mädels nachdenklich machen, ist es total schön zu sehen, welche Zukunft sie durch das Kinderhaus bekommen und wie glücklich sie sind. Ich selber bin sehr behütet bei meinen Eltern aufgewachsen. All das, wofür sich meine Eltern im kleinen Familiengefüge für meinen Bruder und mich Zeit genommen haben, passiert hier im großen Kreis mit 37 Mädchen.“ Jeden Abend kämen Heimeltern und Mädels zusammen, eine „unfassbar schöne, geborgene, familiäre Atmosphäre“ liege im Raum.
Mittlerweile ist Lea Marie Reitemeyer in Athen. Dort arbeitet sie an einem Buch, um ihre Eindrücke von der Welt zu verarbeiten. Das Abenteuer Weltreise endet für sie Ende Juli, dürfte aber noch lange nachhallen.
