Über Nacht ist Oldenburg von einer weltoffenen Stadt zur mittelalterlichen Trutzburg geworden, ein rasanter Weg von der Übermorgenstadt zum Vorgesternkaff, quasi mit einem Federstrich hat die Verwaltung diesen Imagewandel vollzogen. Die Reaktionen auf das neue Logo der Stadt, das auf dem Briefpapier und im Internet für Oldenburg steht und wirbt, fallen eindeutig aus. Der aus dem Stadtwappen herausgelöste martialische Schild mit den zwei roten Streifen auf gelben Grund symbolisiert das Gegenteil von dem, was Oldenburg sein möchte – eine aufstrebende Stadt der Kultur und Wissenschaften mit florierender IT-Branche, ein Oberzentrum, das zu einem Standort der medizinischen Exzellenz werden will.

Der mittelalterliche Schild, der im Wappen der Stadt im Burgtor auftaucht, symbolisiert stattdessen Abwehrbereitschaft und Kampfeswillen. Achtung, wer der Stadt ungefragt und ungebeten zu nahe kommt, bekommt es mit uns zu tun. Die beiden Blutbalken standen einst für die Blutgerichtsbarkeit. Wer sie in seinem Wappen führte, zeigte an, die Todesstrafe verhängen zu dürfen. Da hätte man für das neue Logo, das die „Denkblasen“ ersetzt, auch gleich das gesamte Stadtwappen mit seiner Burg nehmen können. Und vielleicht wäre auch noch irgendwo für Graf Anton Günther ein kleines Plätzchen gefunden worden.

Oberbürgermeister Jürgen Krogmann rechtfertigt den Wechsel damit, der Oldenburger Tourismus und Marketing GmbH (OTM) gefolgt zu sein. Falsch sei es lediglich gewesen, den Wechsel des Logos in einer Pressemitteilung publik gemacht zu haben. Sonst wäre das kaum jemandem aufgefallen, meint der OB. Ein Denkfehler – denn die OTM wirbt um Touristen, und die lassen sich mit der Historie locken. Die Stadt braucht heute hingegen kreative Wissenschaftler, Forscher, Ingenieure und in allen Bereichen vor allem Fachkräfte.

Jeder darf einen Fehler machen. Die Kunst ist es, ihn zu korrigieren – also wieder weg mit dem Schild. Gemeinsam lässt sich etwas Neues finden. Wir leben schließlich nicht in einer Autokratie.

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg