Osternburg - An diesem Montag hat Bäckermeister Reinhard Hinrichs das erste Mal seit 20 Jahren seinen Ofen nicht angeschmissen, obwohl es ein normaler Werktag war. „Es fühlt sich ein bisschen an wie Pfingsten oder Weihnachten, wo wir sonst einen Tag geschlossen hatten“, sagt der 55-Jährige. Der große Unterschied: Die Bäckerei Hinrichs an der Bremer Straße wird auch künftig nicht mehr öffnen.
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Am Sonntag hatte der Familienbetrieb seinen letzten Verkaufstag. Ein letztes Mal gab es lange Warteschlangen mit Kunden, die dort ihre Lieblingsbackwaren kauften. Viele holten nicht nur etwas ab, sondern brachten am Sonntag – und auch bereits in den Tagen zuvor – etwas mit: Gutscheine, kleine Geschenke, florale Abschiedsgrüße. „Wir haben jetzt keine Bäckerei mehr, sondern einen Blumenladen“, witzelt Gudrun Hinrichs.
Sie kann wieder lachen. Am Sonntag liefen der 53-Jährigen noch nahezu dauerhaft die Tränen, erzählt sie. Zum Beispiel, wenn inzwischen erwachsenen Stammkunden sich verabschiedeten, die schon als Kinder ihre Nasen an die Scheibe des Tresens gedrückt hatten. Mit ihrer Trauer war Gudrun Hinrichs nicht alleine. „Hier standen Männer im Laden und haben geweint“, berichtet sie.
Das Ehepaar Hinrichs hatte die Bäckerein vor 20 Jahren von Robert Mahlmann übernommen, der sie wiederum seit 1968 führte als Nachfolger von Karl Hake. Gebaut worden war das Haus 1938. Der Druck der Konkurrenz, fehlendes Personal und zum Schluss die Corona-Einschränkungen sorgten nun für den Entschluss, die Bäckerei zu schließen. Die Hinrichs werden demnächst für einstige Konkurrenten Backwaren herstellen beziehungsweise verkaufen.
Aus dem Haus, in dem die Hinrichs auch wohnen und zwei Kinder großzogen, muss das Ehepaar raus. Froh sind sie allerdings, dass sie ihr Bäckerei-Equipment nicht ausbauen müssen, sondern weitergeben können. Nach Informationen unserer Redaktion soll in dem Ladengeschäft an der Bremer Straße/Ecke Schützenhofstraße eine deutsch-türkische Bäckerei eröffnen.
