Kurz vor dem Jahreswechsel stutzten TV-Zuschauer, als in den Tagesthemen das Oldenburger Schloss hinter einem Psychologen aus Erfurt gezeigt wurde. Die Erklärung: Dr. Philipp Schmid hatte sein Abi am Graf-Anton-Günther Gymnasium gemacht, war auf Heimaturlaub und daher aus dem hiesigen NDR-Studio zugeschaltet. In den vergangenen Tagen war Oldenburg wieder präsent: Mehrfach war der Julius-Mosen-Platz als Hintergrundbild in mehreren Sendungen der Tagesschau zu sehen. Hauke-Christian Dittrich, der das Foto gemacht hat, erklärt, wie es dort hin gelangte.
Herr Dittrich, haben Sie das Bild auf Verdacht geschossen oder wurden Sie beauftragt so ein Motiv zu liefern?
DittrichAls freiberuflicher Fotojournalist bin ich regelmäßig für die Deutsche Presse-Agentur (dpa) im Einsatz – meistens in der Region Hannover, aber immer wieder auch im nordwestlichen Niedersachsen, wo ich aufgewachsen bin und im Jahr 2009 meine ersten Fotoaufträge für die Nordwest-Zeitung angenommen habe. Am Tag der Aufnahme Anfang Dezember habe ich noch weitere Fotos zur aktuellen Berichterstattung über das Coronavirus in der Oldenburger Innenstadt im Auftrag der dpa angefertigt, aber auch andere Themen wie die Protestaktionen der Landwirte vor dem Lidl-Zentrallager in Cloppenburg oder neue Luftfiltergeräte für Klassenräume in Schulen fotografiert.
Wie gelangt so ein Bild aus Oldenburg in die Tagesschau?
DittrichSchon kurz nach der Aufnahme übertrage ich die Fotos auf meinen Laptop, beschrifte und versehe sie mit passenden Schlagworten. Im Anschluss sende ich die Aufnahmen an die Fotoredaktion der dpa in Berlin. Von dort aus werden meine Fotos an alle Nachrichtenmedien in Deutschland sowie über Partneragenturen an Medien in der ganzen Welt versendet. Die Redaktionen können auf dieses Angebot zugreifen und wählen die Fotos aus, die zu ihrer eigenen Berichterstattung passen – so wurde mein Foto von der Redaktion der Tagesschau für eine Sendung ausgewählt.
Ist es das erste Mal, dass eines Ihrer Bilder in der Tagesschau auftaucht?
DittrichAls Fotojournalist bearbeite ich innerhalb einer Woche zahlreiche Themen – viele sind für regionale und überregionale Medien interessant. Immer wieder gibt es aber auch Ereignisse oder Veranstaltungen, die bundesweit von Interesse sind. Die Redaktion der Tagesschau greift regelmäßig auf die Fotos der dpa zurück. So haben es auch schon viele weitere meiner Fotos in den Hintergrund von Jan Hofer, Linda Zervakis oder Jens Riewa geschafft – zuletzt natürlich auch immer wieder Fotos rund um die Corona-Pandemie. Gerne werden von der Tagesschau aber auch Bilder zur aktuellen Wetterlage verwendet – da freue ich mich natürlich immer besonders, wenn die Region rund um Oldenburg in der Anmoderation der Wettervorhersage vertreten ist.
Wetterbild von Hauke-Christian Dittrich. Screenshot/Tagesschau
DittrichOft passiert es, dass ich die Einblendung meiner Fotos in der Tagesschau gar nicht mitbekomme. Dann freut es mich natürlich besonders, wenn mich Kollegen oder Freunde im Anschluss darauf hinweisen. Die Einblendung meiner Fotos in Nachrichtensendungen wie der Tagesschau, ZDF-Heute oder auch in den regionalen Programmen zeigt mir als Fotograf auch, dass ich ein aktuelles Ereignis oder Thema passend abgebildet habe.
Wie nähern Sie sich thematisch der Corona-Pandemie und dem Lockdown?
DittrichDie Pandemie umfasst viele Aspekte: Waren es im vergangenen Frühjahr zunächst noch die geschlossenen Spielplätze und leeren Innenstädte, im Sommer Maskenpflicht sowie die Testpflicht für Reiserückkehrer, sind es mittlerweile wieder die geschlossene Gastronomie, der Einzelhandel und alle weiteren verschärften Maßnahmen. Seit Anfang Dezember werden in vielen Regionen die Vorbereitungen für die bevorstehenden Impfungen getroffen, die ich ebenfalls im Auftrag der dpa dokumentiert habe. Häufig werden für die Berichterstattung auch eher symbolhafte Fotos benötigt. Bei meinen Terminen versuche ich daher auch immer, daran zu denken und diese Motive auch zu fotografieren.
Hauke-Christian Dittrich wurde 1995 in Oldenburg geboren. Im Jahr 2013 machte er sein Abitur am Alten Gymnasium.
Im Herbst 2009 begann er als freiberuflicher Fotograf für die Nordwest-Zeitung zu arbeiten.
Bei der dpa absolvierte Dittrich Praktika in 2013 und 2014 und ist seitdem regelmäßig für die Agentur im Einsatz.
Von 2014 bis 2018 studierte er „Medienmanagement“ am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover.
2018 fotografierte er für die dpa Picture Alliance bei den Olympischen Spielen in Südkorea. 2020 sollte es eigentlich zu den Spielen nach Tokio gehen.
