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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

65 Ältere gaben 2016 den Führerschein ab

24.02.2017

Oldenburg Und plötzlich fuhr sein alter Herr in einer dritten Spur. Obwohl doch nur derer zwei in Fahrtrichtung zur Verfügung standen. Für den Sicherheitsexperten Klaus Wülbers (Polizeihauptkommissar a.D.) war das ein einschneidender Moment. Sein Vater – mit Ende 70 nicht mehr fahrtauglich?

Familienintern sei „intensiv“ darüber diskutiert worden, dann habe die Entscheidung festgestanden: Papa sollte doch besser mal seinen Führerschein abgeben, wurde abgestimmt. Dessen Reaktion aber kam wie erwartet postwendend – und seine Söhne „flogen raus“, sagt Wülbers heute. Einige Male hätte sich diese Debatte wiederholt, dann irgendwann hing der Führerschein in einem Bilderrahmen an der Wand. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagt Wülbers. Bis dahin kann der Prozess aber für alle Beteiligten sehr schmerzhaft verlaufen.

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Offen und ehrlich reden

Fahrtüchtigkeit ist ein hochsensibles Thema. Gerade für ältere Menschen bedeutet das Auto noch eine gewisse Form der Unabhängigkeit und der Selbstbestimmung, heißt es. Die Länge der Fahrtstrecke ist dabei nicht entscheidend, es geht um die Mobilität an sich. Ohnehin nutzen die meisten Senioren ihr Auto nur noch gelegentlich für schnelle Fahrten zum Arzt oder Einkauf. Verständlich, dass ein Verzicht auf dieses „letzte bisschen“ für Diskussionen sorgen mag. Zumal Zweifel der Familie an der eigenen Leistungsfähigkeit immer als Kränkung empfunden wird.

So gaben gerade einmal 65 Oldenburger ihren Führerschein im vergangenen Jahr aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen zurück, 18 weniger als im Vorjahr – trotz deutlich verstärkter Werbung von Behörden und öffentlichen Verkehrsbetrieben für den Verzicht.

Auch in den Sozialen Medien sorgen Verkehrsunfälle mit und durch Senioren immer wieder für ausschweifende Debatten. Besonders nach einem Zwischenfall am Largauweg im vergangenen Jahr. Hier hatte ein 82-Jähriger die Kontrolle über seinen Automatikwagen (übrigens häufige Unfallursache) verloren, eine 32-jährige Frau an einer Hauswand eingeklemmt und lebensgefährlich verletzt – seinen Führerschein wollte er zunächst aber partout nicht abgeben.

Vielleicht sorgte ja auch der öffentliche Druck dann für die Entscheidung – denn die Diskussionen uferten aus. Da war plötzlich von pauschaler Zwangsabgabe für alle Senioren ab einem gewissen Alter die Rede, von grundsätzlichen Nachprüfungen oder Untersuchungen schon ab 50 Jahren – wie bei Lkw-Fahrern. Unter anderem. Wülbers hält zumindest letzteren Gedanken für durchaus sinnvoll. „Oftmals ist es ja eine Frage der Einstellung, der Bequemlichkeit“, sagt er. Möglichkeiten der weiteren Mobilität gebe es ja – öffentliche Verkehrsmittel beispielsweise, auch leicht motorisierte Fahrräder.

Wülbers weiß aber auch, dass er damit bei älteren Verkehrsteilnehmern, geschweige denn Gleichaltrigen, nicht unbedingt auf offene Ohren trifft. Denn mit gerade einmal Mitte 60 fühle er sich selbst natürlich auch noch lange nicht zu alt zum Fahren. Aber das machen viele Verkehrsteilnehmer mit 70, 80 und manchmal auch 90 Jahren bekanntlich ebenso wenig.

Tipps für Angehörige bei vermeintlich unsicheren Fahrern:

Angehörige und Freunde sollten auf Warnsignale achten: Passt sich der Fahrer/die Fahrerin dem Verkehrsfluss an, wird vorausschauend gefahren? Wie steht es um die Sicherheit in vertrauter Umgebung? Gibt es koordinative oder motorische Probleme beim Abbiegen, Wenden und Parken? Wird die Spur gehalten, steht er oder sie häufig auf der Bremse, wie schnell werden Schilder, Ampeln und Verkehrsregeln erkannt? Weisen Auto und Garage vermehrt Kratzer und Schrammen auf?

Bleibt die Unsicherheit, sollten sich Angehörige gut auf das Gespräch vorbereiten und auch für sich klären, worum es geht. Genügt es, wenn der Fahrer sein Verhalten ändert oder wird gewünscht, dass er über kurz oder lang auf das Auto verzichtet? „Sie müssen darauf gefasst sein, dass Ihr Angehöriger ablehnend, verärgert oder bestürzt reagiert“, heißt es dazu im Ratgeber „Offen gesagt“ der Deutschen Seniorenliga, „Machen Sie sich klar, dass es kein Zeichen von Sturheit ist, sondern von Angst, Trauer und Kränkung“.

Gehen Sie behutsam vor und vermeiden Sie Vorwürfe. „Ich mache mir Sorgen um Dich“ ist für den Betroffenen leichter zu akzeptieren als Kritik an seinem Fahrstil, heißt es darin. Machen Sie deutlich, dass Sie hinter ihm stehen und gemeinsam mit ihm eine Lösung finden möchten, die seiner Sicherheit dient.

Bieten Sie Hilfe zum Erhalt der Automobilität, bei Fahreinschränkungen oder dem Verzicht aufs Auto an. „Unsere Eltern haben uns 10.000 Mal überall hingefahren – das können wir doch auch mal zurückgeben“, sagt dazu Klaus Wülbers.

Raten Sie Ihren Angehörigen zu regelmäßigen freiwilligen Gesundheitschecks. Der Hausarzt beispielsweise kann Risiken aus medizinischer Sicht erläutern und so zum „Verbündeten“ für die Sicherheit des Betroffenen werden.

Weigert sich der Betroffene, kann er nicht zur Führerscheinabgabe gezwungen werden. Nur die Fahrerlaubnisbehörde kann einen Führerschein entziehen – und nur nach konkretem Nachweis der Untauglichkeit, beispielsweise einem Unfall. Zuvor muss der Betroffene selbst ein teures Gutachten anfertigen lassen.

Fahrsicherheitstrainings bietet unter anderem die Verkehrswacht Oldenburg an. Neben den „ständigen“ gibt es ab dem 29. März ein spezielles Training der Landesverkehrswacht mit „erlebnisorientierten Lernformen und praxisnahen Übungen“ für sicheres Fahren im Alter unter dem Titel „Fit im Auto“. Veranstaltungsort ist das Gelände am Artillerieweg. Die Kosten betragen 30 Euro. Termine und Infos gibt es bei Rolf Schatz unter Tel. (0176) 81 24 97 36.

VWG-Vergünstigungen gibt es nach Rückgabe des Führerscheins innerhalb eines Jahres und gegen Vorlage eines Schreibens der Führerscheinstelle sowie des Personalausweises – das sind entweder 40 kostenlose Einzelfahrscheine oder ein Jahres-Fahrausweis für 260,40 Euro (statt 520,80 Euro).

Einen Selbsttest hat der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) erstellt. Dieser ersetzt nicht den Besuch beim Arzt, lässt aber eine erste Einschätzung zur Fahrfitness zu:

Die Rückgabe der Fahrerlaubnis ist bei der Führerscheinstelle, Stiller Weg 10, möglich.

Alles Aktuelle für Senioren im Nordwesten lesen Sie in unserm Senioren-Spezial.


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