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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Als der Friedensplatz noch ohne Kirche war

28.10.2015

Oldenburg Oldenburg im Wandel: Wo gestern noch kleine Häuser standen, versperren heute Mehrfamilienblocks den Blick auf die Hintergrundstücke. Die Stadt verändert ihr Gesicht. Doch was heute Realität ist, beschäftigte auch schon vor mehr als 100 Jahren die Menschen in der Residenzstadt – wie das alte Foto vom Friedensplatz beweist, das sich im Bestand des Stadtmuseums befindet.

Die Aufnahme zeigt den Friedensplatz, wie er vor 1880 aussah bevor die Methodistengemeinde ihre Kirche im neogotischen Stil errichtete. Bis dahin stand an dieser Stelle an der Ecke Ofener Straße/Peterstraße das „Oppermannsche Haus“, zu dem es laut Andreas von Seggern, Leiter des Stadtmuseums, keine Unterlagen und Hinweise gibt.

Kirche 1894 erbaut

Die 1858 in Oldenburg gegründete Methodistengemeinde hatte laut der Internetplattform www.alt-oldenburg.de ab 1865 ihren Kirchensaal in der Gottorpstraße. Da die Gemeinde ständig wuchs, erwies sich das Versammlungshaus bald als zu klein. Bereits 20 Jahre später strebte man deshalb einen Neubau an. Die Wahl fiel auf den Oppermannschen Garten am neu angelegten Friedensplatz. Das Grundstück war bereits bei der Planung des Friedensplatzes für ein repräsentatives Gebäude vorgesehen und hatte sich zu einem Spekulationsobjekt entwickelt. Der Ratsherr und Architekt Carl Spieske war beauftragt das Grundstück zu verkaufen. 1893 erwarb die Methodistengemeinde das Grundstück für die damals immense Summe von 28 000 Mark. Spieske hatte sich zusichern lassen das Kirche und Predigerhaus von ihm ausgeführt werden müssen. Um den Bau der Kirche zu ermöglichen, wurden von der Gemeinde erhebliche finanzielle Opfer erbracht. Am 21. Mai 1894 konnte der Grundstein für die Friedenskirche gelegt werden.

Am 31. Oktober 1894, dem Reformationstag, wurde die Friedenskirche mit einer Einweihungsfeier ihrer Bestimmung übergeben. Ursprünglich war die Kirche von einer Grünanlage umgeben. Nach und nach mussten diese Anlagen dem wachsenden Verkehr weichen. 1966 wurde sogar daran gedacht die Kirche abzureißen. Von der Stadtverwaltung wurde der Gemeinde ein Ersatzgrundstück an der Hundsmühler Straße angeboten. Das Vorhaben wurde jedoch nicht ausgeführt.

Säule 1878 eingeweiht

Die sogenannte Friedenssäule, am historischen Kreuzungspunkt von Ofener Straße, Peterstraße und Marienstraße gelegen, wurde laut von Seggern am 2. November 1878 eingeweiht. Seit diesem Tag trage auch der Platz den Namen „Friedensplatz“. Im engeren Sinne handele es sich um ein zeittypisches Kriegerdenkmal, das der Erinnerung an die im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 gefallenen Soldaten der in Oldenburg stationierten Regimenter dienen sollte. Sie unterscheidet sich in der Intention fundamental von der Siegessäule in Berlin. Die ist zentrales nationales Monument des militärischen Triumphs und weniger der Ehrung der Gefallenen gewidmet.

Bei dem Oldenburger Denkmal handelt es sich um eine 6,41 Meter hohe und ca. 200 Zentner schwere Säule aus schwedischem Granit. Sie wurde gekrönt von einer Viktoria. Die Oldenburger Friedenssäule ist vergleichbar mit einer ebenfalls noch erhaltenen, als „Kriegerdenkmal“ bezeichneten, 1877 errichteten Säule in Siegburg, bei der sich allerdings die Viktoria erhalten hat. Nur leicht in der Form abweichendes Vorbild für beide Monumente ist offenkundig die 1843 auf dem Belle-Alliance-Platz (heute Franz-Mehring-Platz) in Berlin-Kreuzberg entstandene Friedenssäule von Christian Gottlieb Cantain, die eine noch von Rauch selbst gefertigte Viktoria trägt.

40 000 Euro Baukosten

Die Oldenburger Säule, deren Baukosten die für lokale Verhältnisse enorme Summe von etwa 40 000 Mark betrugen, besteht laut von Seggern aus einem gestuften Sockel mit Säulenbasis als tragendem Element der monolithischen Säule. An der Säulenbasis sind die Namen der 1870/71 gefallenen Oldenburgischen Soldaten eingetragen, ergänzt durch die zeitgenössische Widmung: „Sich errangen sie den Lorbeerkranz des Vaterlandes/Dem Vaterlande die Palme des Friedens/Und das geeinte Deutsche Reich/Den Opfern des Krieges 1870/71 gewidmet.“

In der Einweihungsrede verkündete der damalige Oberbürgermeister Wilhelm Philibort von Schrenck die Namensgebung als „Friedenssäule“, die vom nun offiziell so benannten „Friedensplatz“ umgeben war, berichtet von Seggern weiter. Die auf den ersten Blick paradoxe Bezeichnung erschließe sich mit Blick auf den außenpolitischen Kontext der Zeit. Erst seit der „Krieg-in-Sicht-Krise“ 1875 richtete sich das Hauptaugenmerk der deutschen Außenpolitik im Grundsatz auf die diplomatische Lösung europäischer Konflikte. Das Szenario eines Präventivkrieges gegen Frankreich wurde – zumindest kurzzeitig – abgelöst durch die Prämisse einer Politik des friedlichen Interessenausgleiches. Die Entscheidung des Oldenburger Magistrates zur Namensgebung „Friedenssäule“ erscheint vor diesem Hintergrund plausibel, auch wenn in anderen Zusammenhängen, ob auf Stadtplänen oder auf Ansichtskarten weiter auch die Begriffe „Kriegerdenkmal“ und „Siegessäule“ verwendet wurden, erklärt der Chef des Stadtmuseums.

Die Viktoria sei im Juli 1942 im Rahmen der Buntmetallsammlung zu Kriegszwecken von der Säule entfernt und vermutlich eingeschmolzen worden. Immer wieder hat es insbesondere seit den 1970er Jahren Auseinandersetzungen um eine mögliche Nachbildung der Denkmalsfigur gegeben.

Rekonstruktion abgelehnt

Im Kulturausschuss der Stadt ist darüber 1979, 1980, 1981, 1983, 1984, 1986 und 2008 diskutiert worden. Insbesondere zu Beginn der 1980er Jahre stand die „Friedenssäule“ im Zentrum einer kontrovers diskutierten Denkmalsdebatte in der Stadt, auf deren Höhepunkt auf Initiative des vor wenigen Tagen verstorbenen CDU-Landtagsabgeordneten Hans-Jörg Schramm kurzzeitig eine 3,60 Meter hohe, aus Styropor und Leinen gefertigte, mit Leimanstrich stabilisierte Skulptur implementiert wurde. Der Denkmalsschutz hat „seit 1975 eine kritische und ablehnende Haltung zu Wünschen und Forderungen nach einer Rekonstruktion eingenommen“, sagte Denkmalschützer Friedrich Precht. Nach seiner Auffassung liege gerade in der Tatsache „dass die Victoria unter ganz bestimmten Umständen … demontiert wurde“ ein zentraler „Zeugniswert“, der durch eine Nachbildung „völlig verfälscht“ werde.

Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2104

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