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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Anne-Frank-Platz und Kaiser Wilhelm I.

28.01.2020
Betrifft: „Gedenken an Anne Frank und den Kaiser“ (NWZ vom 17. Januar); zu einem eines Platz in Donnerschwee

Es ist zwar unbestreitbar, dass der Gedenkstein auf dem ehemaligen Kasernengelände Donnerschwee nicht an Kaiser Wilhelm II. erinnert, sondern an einen Besuch von Kaiser Wilhelm I. 1869. Die historisch interessante Frage ist jedoch: Warum stellten die Oldenburger Kriegervereine 29 Jahre später einen Gedenkstein zu diesem Besuch auf?

Diese Frage wird leider auf der Infotafel der Oldenburger Landschaft mit keinem Wort erwähnt, dabei dürfte die Antwort die eigentliche politische Bedeutung des Steins liefern. So gehörten die Oldenburger Kriegervereine ehemaliger Soldaten mit über 17 000 Mitgliedern (Zahl von 1903) in den Jahren 1898-1900 zu den Mitgründern des Kyffhäuserbundes deutscher Kriegervereine, der sich als Gegner der Sozialdemokratie sah. Die im selben Jahr erfolgte symbolische Aufstellung eines Gedenksteins zu einem Truppenbesuch gehört zu einer Erinnerungspolitik, die sehr gut in die koloniale Expansionspolitik des Deutschen Reiches passte. Somit gehört der Gedenkstein von Donnerschwee eben doch in das ideologische Umfeld der Hunnenrede von Kaiser Wilhelm II. zwei Jahre später.

Falls der Gedenkstein dort stehenbleibt, wäre es das Mindeste, ihn durch einen historisch-kritischen Text zu kommentieren, wofür sich an der Carl von Ossietzky Universität zweifellos Expertinnen finden lassen.

Daniel Fuhrhop Oldenburg

(...) Als gelegentlicher Besucher des neuen Stadtteils in Donnerschwee plädiere ich für den Verbleib des Steines nebst zugehöriger Infotafel an Ort und Stelle. Warum? Seit längerem beobachte ich den Wandlungsprozess der ehemals hermetisch abgeriegelten militärischen Liegenschaft zu einem offenen, attraktiven Wohnquartier mit hoher architektonischer Qualität.

(...) Kontrastreiche Militärarchitektur aus zwei Jahrhunderten gibt dem Stadtviertel ein markantes Grundgerüst. (...) Dekorative Treppengiebel, Sandsteindekor und Sprossenfenster beschwören einerseits Assoziationen an „Norddeutsches“, kubische Formen, Stahl und Glas der Funktionsgebäude erinnern andererseits ans Bauhaus. (...)

Im bewussten Kontrast zur militärischen Tradition des Quartiers stehen die Namen der neu angelegten Straßen und Plätze. Sie sind nach Personen des Widerstands und der Opfer der NS-Zeit benannt. (...) Warum soll nun ausgerechnet der Stein, der an den alten Exerzierplatz – und damit an den Ursprung der Anlage – erinnert, verschwinden? Die zugehörige Infotafel gibt alle nötigen Hintergrundinformationen zur bewegten Geschichte des besonderen Ortes. Hier in Donnerschwee wurden – bildlich gesprochen – Schwerter zu Pflugscharen gemacht.

Die Erinnerung an den gewesenen Exerzierplatz symbolisiert gleichsam den Anfang – und der unmittelbar daneben angelegte Kinderspielplatz das (vorläufige)Ende dieses Entwicklungsprozesses. Die große Fläche im Schnittpunkt der Raumachsen des Quartiers, die seit 2018 den Namen „Anne-Frank-Platz“ trägt, bietet ausreichenden Freiraum für einen solchen Ort, der ganz bewusst zum Nachdenken anregt. Und deshalb ist der Gedenkstein dort auch besser und wirkungsvoller aufgehoben als an irgendeinem entlegenen Platz im Stadtmuseum.

Achim Knöfel Oldenburg

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