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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Geschichte: Aus dem Waisenhaus zur lange vermissten Mutter

09.09.2015

Oldenburg Eine Kindheit auf der Flucht: Alfred Nehring (78) erinnert sich noch heute intensiv an seine Kindertage. Es war im Februar 1945, als die vorrückende russische Armee alle auf dem Hof seiner Eltern lebenden Menschen zusammentrieb und bis auf die Kinder und alten Leuten deportierte – auch Nehrings Mutter, die wie viele andere zur Zwangsarbeit in den Ural abtransportiert wurde.

Nur kurze Zeit hatte Nehring die Schule in Drawehn in Hinterpommern besucht, nun blieben er und seine beiden Brüder allein zurück auf dem Hof. Doch das Schicksal nahm eine unterwartete Wendung. Eine Tante der Jungen kehrte von der Suche nach etwas Essbaren für sich und ihre drei Kinder erst wieder zurück, als die Russen abgezogen waren. Sie brachte Alfred bei seinem Großvater unter. Doch die relative Ruhe war trügerisch. Im Januar 1946 wurden sie von Polen vertrieben, die sich in dem Haus niederließen.

Nehring hatte seine Heimat nun endgültig verloren und machte sich über Köslin und Stettin auf den Weg nach Storkow, von wo aus er schließlich in ein Waisenhaus in Beeskow/Brandenburg landete. 30 bis 40 Kinder lebten dort in der Villa eines Fabrikanten. Das Waisenhaus wurde von einem Ehepaar geleitet – überzeugte Kommunisten.

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Ende 1948 besuchte der DRK-Suchdienst das Heim. Nehring gab die Vornamen seiner Eltern mit Frieda und Fritz an, tatsächlich hießen sie Elfriede und Friedrich – Frieda und Fritz waren nur die Rufnamen. Doch das wusste Sohn Alfred nicht. Auch nicht, dass sein Vater offenbar 1943 in der Ukraine gefallen war und seitdem als vermisst galt.

Doch der Suchdienst setzte das Puzzle zusammen und stellte den Kontakt zu Nehrings Mutter her, von der er eine Karte aus dem Arbeitlager bekam, aus dem sie 1949 entlassen wurde. Weil Nehrings Großmutter und seine ältere Schwester bereits nahe Westerstede lebten, sei seine Mutter Ende 1949 nach Oldenburg gekommen – zunächst in ein Sammellager am Eversten Holz. Anfang 1950 holte sie Sohn Alfred aus dem Waisenhaus in Beeskow nach. Weitere fünf Monate vergingen, bis auch die beiden jüngeren Brüder, die in einem Kinderheim in Schleswig-Holstein untergebracht waren, nach Oldenburg kommen durften. „Von 1950 bis 1955 wohnten wir mit meinen Brüdern im Barackenlager auf der Dobbenwiese“, erinnert sich Alfred Nehring, der später Bürgermeister von Oldenburg werden sollte. Später zog die Familie in ein von der Siedlergemeinschaft errichtetes Haus in der Stettiner Straße in Ohmstede.

Sein Taschengeld verdiente sich der damals 13-Jährige, indem er Zeitungen austrug und Pferdeäpfel für den Garten seines Onkels sowie Altmetall sammelte. Ein gesprengter Bunker im Eversten Holz war einer der beliebten Spielorte der Kinder, zum Fußball spielen traf man sich auf dem Pferdemarkt, „außerdem haben wir gerne die Engländer geärgert, die in den Villen rund um den Dobben einquartiert waren", erinnerte sich Nehring. Bald fand er Anschluss an die Oldenburger „Falken". In den Schriften, die er in der Bibliothek der Falken fand, „erkannte ich meine eigene Situation wieder, so wuchs ich in die sozialdemokratische Bewegung hinein." Den Bauernhof, auf den er mit seiner Familie in Hinterpommern gelebt hat, hat Nehring nicht mehr wiedergesehen – obwohl er, wenn er an Heimat denkt „die Landschaft dort" vor Augen hat.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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Melanie Hanz Agentur Hanz / Redaktion Jever
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