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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Auslöser zum Nachdenken

20.02.2017

Oldenburg Bilder können laut sein. Sie können schreien. Und flüstern. Große Geschichten erzählen – und kleine Verse zwischen dem Ungesagten, dem Übersehenen.

Vor der Fotoreihe mit blutüberströmten Kindern bleiben die NWZ-Leser schweigend stehen. Die Aufnahmen der Opfer des syrischen Bürgerkriegs sprechen für sich. Vanessa Reis wartet, bevor sie sagt: „Wir gehen mal weiter.“ Eine Stunde lang gibt sie den Gewinnern der NWZ-Leseraktion ausführlich Einblick hinter Werke der „World Press Photo 2016“-Schau, die am Samstag offiziell im Beisein des aktuellen Preisträgers Warren Richardson eröffnet wurde. Auch ohne prominente Gäste ist am Sonntagvormittag im Dachgeschoss des Schlosses viel los, aber die Kuratorin schafft Platz für die Teilnehmer der Leserführung, stellt Fragen, gibt Antworten.

ARTIKEL: Unser Wegweiser zur World Press Photo in Oldenburg

Wie der Fotograf auf den 80 Meter hohen Baum im bornesischen Urwald gekommen ist, um die beeindruckende Aufnahme des Orang-Utans zu schießen, will einer ihrer Zuhörer wissen. Die Kamera habe Tim Laman in den Wipfeln angebracht, nachdem der Bildjournalist und Biologe erforscht hat, wo sich die vorm Aussterben bedrohten Affen ihr Futter hohlen, weiß Vanessa Reis.

Detaillierte Hintergrundinformationen zaubert sie auch zu dem Motiv des Solidaritätsmarsches für die französischen Terroropfer nach dem Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo hervor. Corentin Fohlens Bild von den Demonstrierenden am Place de Nation erinnert an das Gemälde von Eugène Delacroix. Eine Kopie von „Die Freiheit führt das Volk“, das der Künstler zur Julirevolution von 1830 fertigte, hat sie mitgebracht. So malerisch das Foto auch wirkt, durfte der Schöpfer nichts schönmalen: „Retuschieren ist bei den World-Press-Fotos tabu“, sagt Vanessa Reis.

Lediglich Licht, Schatten und Schärfe dürften verändert werden. Etliche Bilder sind dennoch derart künstlerisch, dass sie einige Besucher am liebsten mit nach Hause nehmen würden. Ob sich die Schwarz-Weiß-Aufnahme der zwei farbigen Kontrahenten von John J. Kim gut im Schlafzimmer machen würde, wird kontrovers diskutiert. „Schön“, sei der dargestellte Kampf zwischen schwarzen US-Bürgern und Polizisten, wie hier bei den Protestmärschen in Washington, höchstens kompositorisch. Einig sind sich die Leser wieder bei den imposanten Bildern des Amerikaners David Guttenfelder, in denen die Eingesperrtheit Nordkoreas dokumentiert ist: „Trostlos“, ist der einstimmige Eindruck.

Bevor es zu den bedrückendsten Werken mit Flüchtlingsbooten, Kriegsopfern und Verzweifelnden geht, dürfen die Zuhörer über die Anekdote zur Entstehung einer Naturfotografie lachen: Sergio Tapio, der seit 2002 ein und den selben Vulkan ablichtet, hat in der Nähe ein Restaurant eröffnet – zur Verpflegung bei der Arbeit.

Traurigmachendes wolle sie den Lesern allerdings auch nicht ersparen, sagt Vanessa Reis und lotst die Leser Richtung syrischer Realität. Nach einer Reihe beklemmender Wahrheiten und großer Fragen zum Menschsein, legt die Gruppe einen letzten Stopp vor farbenfrohen Fotos einer buddistischen Feier im chinesischen Teil Tibets ein: Das Fest der Glückseligkeit.

Mit diesen und vielen anderen Bildern im Kopf – den leisen und lauten – gehen die Leser nachdenklich und eher schweigsam nach Hause. Manchmal ist durch Hingucken alles gesagt.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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