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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Warum Habecks Kohlkönig-Auftritt ziemlich in die Hose ging

13.03.2019

Berlin /Oldenburg Die launigsten Reden sind die schwersten, sagen alle, die schon einmal eine halten durften. Robert Habeck ist ein gefragter Redner, er gilt als Stern am Polithimmel. Sein Auftritt („halb Cowboy, halb Philosoph“, zitierte David McAllister die „Irish Times“) liefert Gesprächsstoff. Über seine impulsiven Äußerungen („wir versuchen alles zu machen, dass Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land wird, ein ökologisches Land“) debattiert die Republik.

Ein solcher Ruf schafft eine beträchtliche Fallhöhe. Gemessen an den Erwartungen, ist Robert Habeck am Montagabend abgestürzt. Dass er das Oldenburger Land anstatt die Stadt Oldenburg als sein Reich bezeichnet, mag man aus Oldenburger Sicht durchgehen lassen. Aber der permanente Gebrauch der Bezeichnung Ostfriesenpalme statt Oldenburger Palme kam beim Publik denkbar schlecht an. Und welches Amtsverständnis hat der Kohlkönig, wenn er seine Amtskette als Schweinegürtel bezeichnet?

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Die schlechte Rede war ein Hauptthema beim spätabendlichen Umtrunk, der das Kohlessen beschließt. Robert Habeck war schlichtweg unvorbereitet – das bestritten auch seine grünen Parteifreundinnen und -freunde nicht.

Aber warum? Hatte er keine Zeit? Ist der Fehlstart der Arroganz des Überfliegers geschuldet („das rock’ ich aus dem Ärmel?“). Dass Habeck lustlos wirkte und direkt nach dem offiziellen Teil verschwand, rundete das Bild ab. Von dieser Rede wird man noch lange sprechen – so hieß es vielsagend.

„König der Herzen“

Als König der Herzen bleibt David McAllister nach der Abdankung in guter Erinnerung. Gleich drei offizielle Besuche während seiner Regentschaft, die Wertschätzung Oldenburgs („besonderer Mix aus Tradition, Lebensqualität und Moderne“) und die Lust an der Begegnung mit dem Kohlvolk (die Berliner Landesvertretung verließ er am Montag erst weit nach Mitternacht) verschafften ihm parteiübergreifend Respekt.

In seiner Abschiedsrede – vor der Wahl von Habeck zum Nachfolger – hatte er schon ein paar Spitzen parat. Das mit der Demokratisierung solle er nicht übertreiben, warnte der scheidende Kohlkönig in Anspielung auf Habecks missglückten Tweet über die notwendige Demokratisierung Thüringens.

Viel Beifall erhielt McAllister für seine Kritik an einer Sprachpolizei. Ein übersteigertes Bedürfnis nach Korrektheit mache jede launige Rede unmöglich, warnte der frühere niedersächsische Ministerpräsident in Anspielung auf die verbreitete Kritik an Annegret Kramp-Karrenbauers flapsiger Bemerkung über sexuelle Identität bei einem Fastnachtsauftritt im badischen Stockach.

Als ebenso trittsicher wie McAllister auf dem Kohl-Parkett erweist sich Jahr um Jahr Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil.

Gelungenen Wortwitz und eine ernste Botschaft verband der Hausherr mit seinen Gedankenspielen über den Genuss von Kohlgemüse, den damit verbundenen Blähungen und über Luftqualität. Zugegeben: Es stelle sich ein Abgasproblem. Der Volksmund spreche davon, einen fahren zu lassen. Aber „Fahr“-Verboten jeglicher Art erteilte er eine entschiedene Absage. Sie zu verhindern, müsse vordringliche Aufgabe des künftigen Kohlkönigs werden...

Die Buh-Rufe hatte der ehemalige Oldenburger Kohlkönig wohl einkalkuliert, als Weil gestand, er amtiere derzeit als Kohlmajestät von Osnabrück. Weil wertete es als „Zeichen für die völkerverbindende Kraft der europäischen Einigung“, dass der Osnabrücker Kohlkönig bei der Amtseinführung seines Oldenburger Kollegen dabei sein dürfe. Applaus.

Proporz-Entscheidung

Wenn die ersten Reden gehalten sind und das Essen vorbei ist, legt Dietmar Wischmeyer los. Als Sprecher des sogenannten Kurfürsten-Kollegiums, das den neuen König „wählt“, stellt „Günther der Treckerfahrer“ nicht nur die neue Majestät vor.

In einem langen Anlauf, wie es zu der Entscheidung kam, teilte der beim Publikum beliebte, bei Politikern gefürchtete oberste Kurfürst ordentlich aus. Aus Proporzgründen komme der Neue aus Schleswig-Holstein. 44 Jahre nach der Amtszeit von Lauritz Lauritzen 1974 als bislang letztem Oldenburger Kohlkönig ende die „bittere Zeit, da das Land zwischen den Meeren und den Busen vom Kontinentalsockel aus Grünkohl abgeschnitten ist“.

Torsten Albig und Christian von Boetticher hätte man „heute in der Gender-Zeit nicht mehr bringen“ können. Einem „war die eigene Frau zu blöd geworden, der andere hatte was mit ’ner 16-Jährigen“, fasste Wischmeyer zusammen. Wobei „die beiden nicht da geboren sind, sondern erst so komisch im Kopp wurden, als se da oben hin gezogen sind“. Wischmeyer sah „eine natürliche Scheu des Kurfürstenkollegiums (...), sich in diesen Sumpf aus Erotik zu begeben“.

„Angesagter Männertyp“

Aber Schleswig-Holstein habe ja noch Robert Habeck, die neue Lichtgestalt am politischen Firmament. Auf einer Männerskala von eins bis zehn - wobei „eins“ Frau sei und zehn Wolfgang Kubicki – „da ist er eine drei“, befand Wischmeyer. Dafür sei er „der angesagte Männertyp, jedenfalls bei den Cappuchino-Tanten im veganen Katzencafé“.

Das saß. Vielleicht war Robert Habeck, der zuhause gern Grünkohlchips zubereitet, das kräftige Mahl auf den Magen geschlagen. Vielleicht aber auch Wischmeyers Anmoderation. Habeck nahm in seiner Stehgreifrede jedenfalls keinen der Bälle auf und suchte sein Heil vergeblich in Allgemeinplätzen.

Immerhin versprach der neue König, er wolle zur Grünkohlernte kommen. Ganz unten anfangen, das ist wohl eine weise Entscheidung. Und für die Vorbereitung ist jetzt ein gutes halbes Jahr Zeit.

Christoph Kiefer Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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Jasper Rittner Redaktionsleitung / Redaktion Westerstede/Oldenburg
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