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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Keine Kohlexperimente in Europa

21.02.2019

Brüssel /Oldenburg Ey Günther! Eine ungeschriebene Regel der Politik lautet: Man beißt nicht die Hand, die einen füttert. Die zweite lautet: Man sieht sich mindestens zweimal im Leben. Die dritte: Grünkohl ist der Kitt, der die Welt im Innersten zusammenhält.

Günther der Treckerfahrer alias Dietmar Wischmeyer hätte es also besser wissen müssen, als der Kabarettist am Dienstagabend beim Kohlessen in der niedersächsischen Landesvertretung in Brüssel seine Schlachte-Platte auflegte. Denn in dessen Rundumschlag kamen die Ollnborger drei Wochen vor dem einzig wahren Kohläten in Berlin am 11. März so gut weg wie Sojaschnitzel als Kohlbeilage: Von gebückten Menschen in einem kargen Landstrich am Moor war von Günther zu hören, die zwei Tage entfernt von Hannover vegetieren und auf der Suche nach dem aufrechten Gang täglich zum Feinstaubschnüffeln an den Heiligengeistwall pilgern.

Dietmar Wischmeyer

Darüber klopften sich die anwesenden Hannoveraner, Braunschweiger und Osnabrücker die Schenkel und hatten wenigstens auch mal was zum Freuen. Aber so ist er halt, der Landesgünther, weil er dieselben Zoten mit wechselnder Wirkung auch bei anderen niedersächsischen Trinkspielen von sich gibt. Wie schon in drei Wochen als Vorsitzender des Kurfürstenkollegiums.

In Wahrheit wissen sie ja, was sie an ihren Oldenburgern haben, denn die Aussicht auf leckeren, dampfenden Grünkohl ließ die zahlreichen Menschen an diesem Abend fest daran glauben, dass ganz Europa eine große grüne Wolke ist, die Ozeane aus Bier und Schnaps bestehen und deren Quellen in Friesland und Oldenburg liegen.

Mal fern ab von Museumsbauten und Kulturförderung genoss Oberbürgermeister Jürgen Krogmann seine Rolle als sogenannter Kooperationspartner und zeigte sich in seiner kurzen, schwungvollen Rede auf der Höhe. Ministerpräsident Stephan Weils Einlassung, er sei ja schließlich amtierender Osnabrücker Kohlkönig, entgegnete Krogmann: „Das ist ja wie Karnevalsprinz am Nordpol!“

Dass andere niedersächsische Städte und Regionen gern den Kohlabend kopieren möchten, geißelte Krogmann scherzhaft mit einem schweren Verstoß gegen das Urheberrecht. Daher sei man diesmal lieber selbst gekommen, um das Original zu präsentieren, leiste somit gern Entwicklungshilfe.

Denn ist mitnichten so, dass Oldenburg in Brüssel erste Wahl wäre. Als Vertretung des Landes dürfen sich alle mal ausprobieren mit diesem besonderen Kraut - so weltoffen und tolerant ist man in Europa. Nach eher gemischten Erfahrungen mit „Fake Kohl“ in der Vergangenheit habe man im Jahr der Parlamentswahl aber lieber jemanden damit beauftragt, der sich mit dem langen Rühren in großen Töpfen auskennt.

Kohlkönig David McAllister (rechts) war zu Gast.

Mit 20 000 Euro, eingesammelt mit Unterstützung aus der Oldenburger Wirtschaft, war man an diesem Abend dabei, wobei das Invest bestens angelegt war und zudem Nachhaltigkeit und Rendite auch am nächsten Morgen versprach.

Der Probelauf ist also gelungen. Und man sieht sich wieder in Berlin, wobei die städtische Delegation auf den OB und dessen Büroleiter Frank Hinrichs beschränkt war. Auf den begeisternden Europäer Jean Asselborn als Redner wird man dann verzichten müssen, dafür hat man ja den amtierenden Kohlregenten David McAllister und dessen Nachfolger, der ja offiziell nicht genannt werden darf, und der Robert Habeck heißt.

Rituale und Traditionen wollen gepflegt werden. In Oldenburg, in Berlin, in Brüssel. Was also haben zum guten Schluss der Grünkohl und Günthers Zoten gemein: Aufgewärmt sind sie am besten!

Oliver Schulz Redakteur / Politikredaktion
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