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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Erster Weltkrieg: Drei Brüder gemeinsam an der Westfront

04.04.2014

Oldenburg Werner Bruns aus Nordloh im Landkreis Ammerland erinnert sich noch lebhaft an seinen Großvater Johann Anton Bruns. Der war als Gründer und Rektor der damaligen Hilfsschule Elisabethschule (1908) in Oldenburg eine sehr angesehene Persönlichkeit.

Johann Anton Bruns, 1859 geboren, starb 1943. In seinen Aufzeichnungen „Lebensgang“ und „Tagebuch“ hat er zahlreiche Details aus dieser Zeit niedergeschrieben, insbesondere Dinge die die Stadt Oldenburg und deren Menschen in dieser Zeit betrafen. Mit seiner Ehefrau hatte er die drei Söhne Gustav, Otto und Walther, die ab 1916 ganz dicht beieinander an der Westfront eingesetzt waren. Gustav Bruns fiel dort, Otto Jahre später im Zweiten Weltkrieg 1943 in Holland, Walther, Vater von Werner Bruns, überlebte und starb 1986.

Soviel zur Erklärung, hier nun Auszüge aus den Tagebucheinträgen im Wortlaut:

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„Als am 2. August 1914 der Krieg über uns hereinbrach, mußte Otto sich sofort nach der Mobilmachung in Preußisch-Stargard stellen. Er hatte als Einjähriger das zweite Halbjahr beim Proviantamt Dienst geleistet und war in allen Zweigen der Heeresverpflegung ausgebildet. In Preußisch-Stargard wurde ein Heeresverpflegungsamt eingerichtet und dabei gab es viel zu tun. (...) Otto wollte, wie viele junge Leute, aktiv tätig sein und meldete sich wiederholt zur Front, aber sein Antrag wurde abgelehnt und er wurde selbstständiger Leiter eines Etappen-Proviantamtes in Neidenberg. Er war lange im Osten, in Mtewa und an anderen Orten und kam im Laufe des Krieges nach dem Westen.

Unser Gustav, 1894 geboren, wollte im Herbst 1914 sein Jahr abdienen. Und als er nach Ausbruch des Krieges nicht sofort einberufen wurde, da wurde er bange, daß der Krieg ohne ihn zuende gehen könnte. Am 11. Sept. 1914 stellte er sich als Freiwilliger beim Infanterie-Regiment 91 und wurde am anderen Tag eingekleidet. Am 30. Dez. kam er mit Regiment 229 nach Rußland. In Skiermowice war er wegen Typhusverdacht im Lazarett. Zum Glück war es kein Typhus. Beim Sturmangriff auf Prokuihs erhielt er einen Schuß durchs Bein, am 16. Juli 1915. Von Otto erhielten wir ein Telegramm, er habe gehört, Gustav solle verwundet sein. Näheres wußte er nicht. Da waren wir natürlich in großer Sorge. Am 22. kam die Karte, daß er im Reservelazarett in Oschersleben sei. Er sei leicht verwundet, Schuß durch die Wade.

Aber Mutter und ich waren nicht eher ruhig, bis wir ihn gesehen hatten. So fuhren wir hin, Mutter hatte unter andrem auch Rote Grütze mitgenommen, die ihm und seinen Kameraden prächtig schmeckte. Als die Wunde heil war, kam er zur Erholung nach Bad Kreuznach, erhielt anschließend Heimaturlaub. Später kam er mit dem Reserve-Infanterieregiment 229 (5. Kompanie) nach dem Westen und ist am 4. April 1917 bei Metz gefallen, Granatsplitter in die Brust.

Im Everster Odeon

Walther wurde am 22. Juli 1916 (19 Jahre alt) einberufen und lag noch eine Woche im ,Odeon’ in Eversten, dann in der Kaserne und kam am 3.9.16 zur weiteren Ausbildung nach dem Truppenübungsplatz Beverloo in Belgien; von dort kam er zu demselben Regiment, in welchem Gustav diente. Am 16. November 1916 trafen sich die drei Brüder an der Somme.

Gustav war Off.Stellvertreter und hatte einen Zug zu führen. Am 4. April erhielt er den Befehl, eine Höhe bis zum äußersten zu halten. Sie lagen im englischen Trommelfeuer. Gustav ist dort gefallen. Walther, der in seinem Zuge war, war in den Tagen wegen eines schweren Bronchialkatarrhs im Revier. Sonst würden wir an einem Tag zwei Söhne verloren haben.

Im November 1918, kurz vor dem Ende, kam Otto auf einer Dienstreise nach Berlin nach Oldenburg und erzählte uns, daß die Etappe in Aufruhr sei und der Zusammenbruch bevorstehe. Da war mir das Weinen nahe; denn nach den Zeitungsberichten hätte man noch immer Hoffnung hegen dürfen.

Während des Krieges wurde in der Heimat viel von uns verlangt. Nicht nur, daß die Nahrungsmittel knapp und teuer waren, sondern es fehlte auch allenthalben an Menschen. Hans und ich sind mehrfach nach Jeringhave gewesen, um zu helfen, im Sommer bei der Ernte, im Winter beim Dreschen. Wir betrieben vermehrten Gartenbau und kamen leidlich durch. Die Leute aber, die kein Land hatten, erlebten im „Steckrübenwinter“ 1916/17 Notzeit.

Milch aus Ohmstede

Anfänglich standen wir auf dem Standpunkt: Wir wollen nichts haben, was uns nicht zusteht. Nachher haben wir aber gerne Milch geholt von Ohmstede oder von Streek.

In der Schule war ich eine Zeitlang allein mit 3 Klassen und mußte mehr Stunden geben und sehen, wie ich durchkam. Mutter und ich arbeiteten beide in der „Kriegshilfe“ mit und hatten jeder etwa 80 Familien der Einberufenen zu betreuen. Für diese Kriegsarbeit wurde uns vom Großherzog das Verdienstkreuz verliehen.

Erwähnt sei auch noch, daß wir im Schuppen hinten in unserem Garten mehrere Jahre ein, sogar zwei Schweine gemästet haben, die es sogar bei dem kärglichen Futter, das man erhalten konnte, bis zu 150, ja 180 Pfund Schlachtgewicht brachten. Die Arbeit mußte auch noch gemacht werden. Das Schweinefutter wurde auf dem Gasherd gekocht. Es war viel Mühe und Arbeit, aber man hatte etwas zu essen.

Schweine im Fenster

Schlecht war auch die Versorgung mit Brennmaterial. Ich habe die Heizung mit Torf, Holz und Kohlen geheizt, und als auch das nicht genügend beschafft werden konnte, wurde in jeder Etage ein Ofen gesetzt und man mußte Zusehen, daß man etwas dafür bekam. Wiederholt bin ich mit dem Handwagen losgezogen und habe Gruskoks geholt.

Es war eine schwere Zeit. Brot gab’s wenig, von Kartoffeln machte man sich Kartoffelmehl, von Zuckerrüben Sirup.

Ich erinnere mich noch, als lange nach Friedensschluß bei Schlachter Klaus ein Dutzend halbe Schweine im Fenster hingen, daß die Passanten mit Andacht davorstanden.“


Ein Spezial finden sie unter   www.nwzonline.de/erster-weltkrieg 
Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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