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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

18 Bewohner in Turnhallen-Ambiente empfangen

27.06.2015

Oldenburg Zebras in der Steppe, glückliche Elefantenherden, riesige Blümchen und ein herrlicher Wasserfall: Mit großformatigen Postern an den Wänden, Yuccapalmen in den Gemeinschaftsbereichen und per Handschlag wurden am Donnerstag die ersten 18 Bewohner in der Flüchtlingsnotunterkunft auf dem Fliegerhorst-Gelände empfangen. Diese ist seit der öffentlichen Begehung vor sechs Wochen (NWZ  berichtete) kaum mehr wiederzuerkennen. „Man bemüht sich ja, den Schock der Menschen etwas zu mindern, wenn sie herkommen“, sagt Hausmeister Axel Borchers.

Die Turnhallen-Atmosphäre ist zwar nach wie vor gegeben, auch sind die eingezogenen Kulissenwände gewiss nicht das Nonplusultra des Lärmschutzes und der Heimeligkeit. Für eine kurze Übergangszeit aber scheint es – auch im Vergleich mit vielen anderen bundesdeutschen Städten – eine annehmbare Unterkunft.

Stadt und „European Homecare“, hier federführender Sozialer Dienstleister, haben ihren Ankündigungen Taten folgen lassen – nachdem ihnen bei der Begehung im Rohbau ebenda noch „menschenunwürdige Zustände“ vorgeworfen wurden. Tatsächlich ist nun, pünktlich zum Bezug der ersten von insgesamt 102 Betten, eine gewaltige Lüftungs- und Kühlanlage eingebaut, die breiten Fensterfronten wurden mit einem Thermo-Sonnenschutz verhangen, in Außencontainern mit direktem Zugang finden die Flüchtlinge nun jede Menge abschließbare Kühlschränke und eine Gemeinschaftsküche mit 24 Kochstellen.

Korb zur Erstausstattung

Ein Sonnensegel über den Nasszellen-Containern, ein Sichtschutz vor der Hallen-Balustrade, ein Fernseh- und ein Gemeinschaftsraum tun da ihr Übriges. Sechs Sozialbetreuer und weitere Sicherheitskräfte kümmern sich ständig vor Ort um die Bewohner, haben ihr Büro direkt in der Halle bei den Flüchtlingen untergebracht. Sie wiederum – sechs Iraker, sechs Syrer und sechs Ivorer zwischen 25 und 35 Jahren – wurden gleich nach ihrer Ankunft aus der Landesaufnahmebehörde Friedland hier mit dem nötigsten Bedarf ausgestattet.

Der unterscheidet sich in der Notunterkunft nicht von dem Wäschekorb-Paket, das es in den anderen vier KGU (Kommunale Gemeinschaftsunterkünfte) der Stadt für Flüchtlinge gibt: Bettwäsche, Küchenbedarf, dazu ein Lunchpaket für den ersten Tag. Bis es in diesen oder an dezentralen Unterkünften wieder freie Plätze gibt – dies kann binnen Tagen oder Wochenfristen geschehen –, verbleiben die Männer vorerst in den hiesigen Sechs-Bett-Zimmern. 18 Männer und zwei Frauen aus Krisengebieten werden in der kommenden Woche in Oldenburg erwartet. Letztere würden aber nicht in der Turnhalle untergebracht, so Jan Krugmann vom Sozialamt. Hier bemühe man sich um adäquate Lösungen.

Gutes Miteinander

Das Miteinander funktioniere trotz der unterschiedlichen Nationalitäten und auch Befindlichkeiten sehr gut, heißt es nach den ersten beiden Tagen. Das könnte freilich auch am Ramadan, dem Fastenmonat der Muslime, liegen. Denn: „Tagsüber ist es so sehr ruhig“, sagt Borchers, „nachts um drei aber wollen die syrischen Bewohner dann ihre Gebetsstunde abhalten – ohne die Mitbewohner zu stören. Wir haben dann alles in Bewegung gesetzt, um dem zu entsprechen“. In einem Extraraum wurde ein Teppich auf die Fliesen gelegt, die Himmelsrichtung Osten mit dem Handy-Kompass ausgemessen und markiert: die schnelle Hilfe in der Not.

Überhaupt, die Stimmung ist trotz schwieriger Rahmenbedingungen in Ordnung. Sogar „good!“, wie einer der Ivorer sagt. Der junge Mann streckt seinen Daumen mit einem Lächeln durch, dreht sich dann wieder um und dreht das Schloss seines Metallspinds. Viel ist zwar nicht darin – darum geht es den meisten hier aber auch nicht. Dass sie überhaupt erst einmal eine Bleibe gefunden und etwas ihr Eigen nennen können, ist oftmals Wert genug.

Multimedia-Reportage „Ehrensache: Viel mehr als nur eine Deutschstunde“

Marc Geschonke
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2107

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