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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Ein Leben in zwei Welten

25.04.2015

Oldenburg Einsam und verlassen auf einer Raststätte, ohne ein einziges Wort Deutsch sprechen zu können, abgesetzt von zwei Landsleuten, die offensichtlich an der richtigen Autobahnausfahrt vorbeigefahren waren: Am 25. August 1963 war das, Konstantinos Leontarakis Start in ein neues Leben war ins Stocken geraten.

Gemeinsam mit zwei Gastarbeitern, die ihn vor einer Reiseagentur angesprochen hatten, hatte er sich zwei Tage und Nächte zuvor auf den 2500 Kilometer langen Weg von Saloniki in Griechenland nach Deutschland gemacht, um zu studieren. Was zunächst mit einer schlechten Erfahrung begann, sollte im späteren Leben unerwartete Wendungen nehmen. Seine Erinnerungen daran hat Leontarakis im Buch „Ein Leben – zwei Welten, Episoden und Anekdoten eines griechischen Oldenburgers“ unterstützt von Co-Autor Oliver Bloch festgehalten.

Irgendwie schaffte es der 75-Jährige doch noch, vom Rastplatz aus seinen Weg fortzusetzen. Das Schicksal führte ihn mit der Vermieterin Lina Neeb zusammen, zu der sich eine Freundschaft entwickelte, die bis zu ihrem Tod über fünf Jahrzehnte halten sollte.

Leontarakis fand bei Philips Arbeit und merkte schnell, dass er ohne Deutschkenntnisse nicht weiterkam. „Ich arbeitete in der Endkontrolle der Fernseherproduktion, konnte die Sendungen nicht verstehen, in der Kantine nicht einmal das Frühstück bestellen. Also kaufte ich mir Zeitungen, setzte mich abends eine Stunde lang hin und büffelte Vokabeln“, erzählt er schmunzelnd.

Nach dem Besuch der Ingenieurschule zog es ihn und seine Frau Sula, die er zwischenzeitlich geheiratet hatte, zurück nach Griechenland. Die Töchter Jota, Dimitra und Elena wurden geboren, Konstantinos arbeitete in einer Fabrik in Kavala, direkt gegenüber seiner Heimatinsel Thasos. Als Tochter Elena bei einem Aufenthalt bei ihrem Onkel in Oldenburg schwer an Krebs erkrankte, führte der Schicksalsschlag die Familie zurück nach Deutschland, wo sie das griechische Restaurant „Elena“ am Marschweg eröffneten. Oldenburg ist für das Ehepaar zur zweiten Heimat geworden, die drei (mit Griechen) verheirateten Töchter sind voll integriert, für die sechs Enkelkinder ist Deutschland die Heimat.

Den Oldenburgern ist die Familie sehr dankbar. Konstantinos Leontarakis: „Vor allem mein Neustart 1996 in Oldenburg wäre ohne die Solidarität vieler Mitbürger nicht möglich gewesen. Dafür bin ich bis heute dankbar und möchte etwas zurückgeben. Ein Teil des Verkaufserlöses des Buches kommt daher der Oldenburger Elterninitiative krebskranker Kinder zugute, um deren wichtige Arbeit zu unterstützen.“ Das gut und flüssig zu lesende Buch ist im Isensee-Verlag erschienen, im Buchhandel erhältlich und kostet 9,80 Euro.

Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2104

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