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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Erinnerung an sieben Luftangriffe

29.04.2015

Oldenburg Das Licht. Wenig nur, aber doch hell genug, um Aufmerksamkeit zu erregen. „Es kam mir vor, als würde etwas Verbotenes vor sich gehen“, erinnert sich Hans-Gerd Bruns. Die abendliche Beleuchtung in der Stadt war eben nichts Gewöhnliches in jenen Tagen Anfang Mai 1945, da für Oldenburg der Zweite Weltkrieg endete. Der Befehl der regierenden Nazis, des Nachts die Stadt zum Schutz vor Bombenangriffen zu verdunkeln, steckte noch tief in den Köpfen aller Bürger.

Die Verdunkelung damals beweist, dass der Allgemeinplatz, Oldenburg sei von Fliegerbomben verschont geblieben, wirklich nur allgemein zutrifft. Zwischen Juni 1941 und Mai 1945 flogen die Alliierten insgesamt sieben Angriffe gegen die Stadt – wenig im Vergleich zu anderen Orten, aber jeder einzelne schrecklich und damit zu viel für die Betroffenen. Kein Wunder, dass dem Jungen Hans-Gerd Bruns die dunklen Nächte an der Hunte während der ersten helleren Nächte noch mächtig in den Knochen steckten.

Wie sollte es auch anders sein? Gerade die letzten Wochen, bevor britische und kanadische Truppen am 3. Mai 1945 von Norden her in die Stadt einzogen und sie kampflos einnahmen, waren für die Zivilbevölkerung voller Gefahren gewesen. Die Reste der deutschen Wehrmacht hatten Brücken über den Küstenkanal gesprengt, um die vorrückenden alliierten Truppen zu stoppen. Gefährlicher aber: Seit dem 15. April waren alliierte Luftangriffe geflogen worden, durch die unter anderem der Bereich des Ziegelhofs zerstört wurde (18. April). Die Dächer der Gebäude brachen ein, Türen und Fenster splitterten – das traditionsreiche „Ziegelhof“ am Friedhofsweg war unbrauchbar geworden (und wurde erst im Herbst 1945 von Karl Born wieder aufgebaut).

Bomben auf „Fleiwa“

Stark in Mitleidenschaft gezogen wurden bei diesen insgesamt vier größeren Bombardierungen der letzten Kriegstage auch das Bibliotheksgebäude am Damm (heute Landesmuseum für Mensch und Natur), die Fleischwarenfabrik (heute Alte Fleiwa) am Rande des Ziegelhofviertels, die Georgenvilla hinter der Paulusschule, die Hindenburg-Kaserne an der Cloppenburger Straße (plus Wohngebäude hier und am Klingenbergplatz) sowie die von-Hohnhorst-Kaserne zwischen Ofener und Zeughausstraße (plus umgebende Bebauung).

Die schlimmsten Folgen für die Zivilbevölkerung hatte ein Angriff am 17. April 1945 auf die Donnerschwee-Kaserne: Hier wurden 13 Kinder und zwei Erwachsene durch Bombenabwürfe getötet; sie hatten noch versucht, einen rettenden Luftschutzbunker zu erreichen und wurden auf der Flucht getroffen. An diese Toten erinnern 15 Gedenksteine auf dem Friedhof Donnerschwee (NWZ  berichtete).

Weitere schwere Beschädigungen an Gebäuden folgten am 21. April bei Angriffen auf den Hauptbahnhof und seine Umgebung sowie auf den Hafen und die benachbarten Industriegebiete. Am 2. Mai gab es dann den letzten Bombenalarm in Oldenburg: Diesmal wurden die schon beschädigten Kasernenanlagen in Kreyenbrück endgültig zerstört.

Als danach in diesem Teil der britischen Besatzungszone aufgeräumt wurde, ergab sich folgende Kriegsbilanz: In Oldenburg waren 117 Wohngebäude und 13 Bauernhäuser zerstört worden – also ca. 1,1 Prozent aller Gebäude der Stadt. Weil in Wilhelmshaven dagegen 60 Prozent der Bebauung vernichtet worden war, in Bremen 66 und in Emden 74 Prozent, setzten manche Historiker bei Oldenburgs Prozentzahl ein „Nur“ hinzu.

Ziel Artillerie-Kaserne

Indes, das Erleben einer Bombenexplosion war für die Zeitgenossen alles andere als gering. So erinnert sich Dr. Fritz Koch, der erste von der Militärregierung eingesetzte Bürgermeister Oldenburgs (6. Mai 1945 bis 30. Januar 1946, ab Dezember 1945 zudem Oberstadtdirektor) an die Luftangriffe vom 17./18. April 1945: „Eine Bombe, die vermutlich für die an der Ofener Straße gelegene Artillerie-Kaserne bestimmt war, traf meinen Nachbarn, den Bauunternehmer H., dessen Bein später amputiert werden musste. Auch mein Haus hatte einige Bombensplitter abbekommen.“ Koch schrieb in seinem 1984 veröffentlichten Bericht: „In besonderer Erinnerung ist mir geblieben, wie dann später der nachmalige Stadtkämmerer Dr. P. rittlings auf dem Dach meines Hauses saß, um dort lose Dachziegel wieder zu befestigen.“

Klaus Fricke

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