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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Gestern Und Heute In Oldenburg: Fotografen verursachten an Eichenstraße einen Auflauf

27.06.2020

Eversten Es gab Zeiten, da war eine Fotografie etwas Besonderes. Die Menschen liefen zusammen, wenn ein Fotograf auftauchte. Der brauchte seine Zeit, um die Apparatur aufzubauen und in Stellung zu bringen. Die Menschen nutzten das, um sich aufzustellen und verewigen zu lassen.

Das Erscheinen des Fotografen sprach sich schnell herum in der Nachbarschaft und so tauchten vor mehr als 100 Jahren viele Menschen an der Ecke Eichenstraße/Osterkampsweg auf, wie auf der Postkarte aus der Sammlung von Stadtführer und Hobbyhistoriker Helmuth Meinken zu sehen ist.

Eckhaus erhalten

Das Eckhaus sieht heute original erhalten aus, zwar kräftig saniert und mit einem neuen Dach versehen, aber die Grundstruktur des Gebäudes ist noch deutlich zu erkennen. Im Hintergrund des Bildes stehen große Eichen, die der Straße ihren Namen gaben. Sie wurden für den Ausbau der Verkehrsverbindung von Eversten nach Bloherfelde gefällt und durch Neuanpflanzungen ersetzt, die mittlerweile auch schon wieder eine beträchtliche Größe erreicht haben.

Gefühlt verläuft die Eichenstraße von Ost nach West, das ist aber nicht der Fall. Tatsächlich knickt sie an der Kreuzung Hauptstraße/Edewechter Landstraße scharf nach Nordwesten ab.

Everster Moor

Die Gegend gehörte zu den Ausläufern des Everster Moores, war in früheren Zeiten sehr ärmlich und nur von einigen Torfbauern besiedelt, die Höfe und Ländereien von allerdings beachtlicher Größe hatte. Auf den kargen Moorböden verteilten sie den Inhalt der Latrinen aus der Stadt, den sie dort abholten – „Schiet-Eversten“ nannte der Volksmund die Gegend deshalb.

Die Armut war im 19. Jahrhundert überhaupt ein großes Thema. Die Stadt Oldenburg umgab zu jener Zeit die Landgemeinde Oldenburg, die vom Hunte-Ems-Canal, dem heutigen Küstenkanal, im weiten Bogen über Ofen und Metjendorf, Etzhorn und Ohmstede bis an die Hunte heranreichte. Die Einwohner aus dem wesentlich wohlhabenderen und auf dem Geestrücken gelegenen Osten hatten über Jahre und Jahrzehnte hinweg versucht, die Landgemeinde zu teilen, den verarmten Westen loszuwerden. Vorgeschobener Grund: Es wurde immer schwieriger, die auf 12 000 Einwohner angewachsene und 114 Quadratkilometer große Landgemeinde zu verwalten. 1892/93 belief sich der Haushalt auf 59 100 Mark, davon verschlang die Versorgung der armen vornehmlich im Westen lebenden Bevölkerung 38 500 Mark.

Das Steueraufkommen in der zukünftigen östlichen Gemeinde Ohmstede war wesentlich höher als in der Gemeinde Eversten, obwohl die Anzahl der Bewohner relativ gleich war. Der Osten kaufte sich dann frei. 40 000 Mark brachte er für das Armenkapitel und 10 000 Mark für die Straßenunterhaltung auf. Hinzu kam die Übernahme einer unkündbaren und unverzinslichen Schuld von 100 000 Mark zugunsten der Gemeinde Eversten. Ein weiteres Zugeständnis war, dass nicht die vom Landgemeinderat vorgeschlagenen Grenzen genommen wurden, sondern die Mitte des Bahndamms der Linie Oldenburg-Wilhelmshaven. Ofenerfeld und Metjendorf mit ihren relativ hohen Steuereinnahmen gehörten so zur Gemeinde Eversten, was für einen gewissen Ausgleich sorgte. Die 1897 gebildete Gemeinde Eversten hatte die Ausdehnung vom Hunte-Ems-Canal im Süden und Ofenerfeld im Norden sowie Friedrichsfehn/Petersfehn im Westen sowie die Bahnlinie nach Wilhelmshaven und der Marschweg im Osten.

Zum weiteren Verlauf der Geschichte: 1911 wollte die Stadt Oldenburg Eversten eingemeinden.  Der mit wenig Vehemenz vorgetragene Plan scheiterte auch am Widerstand der Everster, denen nicht der Sinn nach erneuter Veränderung stand. Doch die Stadt gab nicht auf. Und so schlossen die Landgemeinde Eversten und die Stadtgemeinde Oldenburg einen Vertrag über die Vereinigung Everstens mit der Stadt – inklusive Petersfehn, Friedrichsfehn, Ofen, Ofenerfeld und Metjendorf.

Heiterer Redebeitrag

Doch es kam im Oldenburgischen Landtag am Dobben am 11. April 1924 zu einem mit Heiterkeit begleiteten Redebeitrag des Abgeordneten Dannemann aus Tungeln und alles anders: „Meine Herren! Mit der Eingemeindung von Eversten tritt die Stadt Oldenburg in die Reihe der Großstädte Europas. Oldenburg war früher elfeinhalb Quadratkilometer groß, nach der Eingemeindung von Osternburg 62 Quadratkilometer, und wenn Eversten ganz eingemeindet worden wäre, wäre sie 125 Quadratkilometer groß, dann soll Ohmstede kommen, dann wäre es die größte Stadt. Größenwahn!“. Der Mann übertrieb zwar, aber nur ein wenig. Tatsächlich wäre Oldenburg mit der Eingemeindung Everstens flächenmäßig viertgrößte Stadt in Deutschland gewesen – nach Berlin, Rostock und Frankfurt. In der Sitzung des Landtages vom 19. Juni 1924 wurde Eversten nur in Teilen Oldenburg zugeschlagen und die Gemeinde Ofen gebildet, mit Festlegung der noch heute gültigen Stadtgrenze. Friedrichsfehn und Peterfehn gehörten nicht dazu.

Der neue Stadtteil Eversten entwickelte sich prächtig, ist heute eine der gefragtesten und beliebtesten Wohngegenden in der Stadt. Die Menschen leben an seinem westlichen Rand dort, wo einst Heide, Moor und Sumpf die Landschaft prägten.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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