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Drei tatverdächtige Männer nach Axt-Angriff in U-Haft
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Überfall In Oldenburg
Drei tatverdächtige Männer nach Axt-Angriff in U-Haft

NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Flucht aus Kosovo in Richtung Frieden

22.08.2015

Albert Sylejmani ist glücklich. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Albulena (27) und Tochter Amira (20 Monate) wohnt er in der Thomas-Dehler-Straße in Eversten. Der 30-jährige Kosovare weiß den Frieden zu schätzen, der in Deutschland herrscht.

Das hat er in seinem Leben schon anders erlebt. 1999 war das, als der Kosovokrieg tobte und er im Alter von 14 Jahren mit drei Geschwistern und seinen Eltern die Heimat verlassen musste. Die Flucht führte von Podujeve zunächst nach Pristina und von dort aus mit dem Zug an die Grenze zu Mazedonien. „Fünf bis sechs Nächte schliefen wir dort unter freiem Himmel, dann wurden wir von UN-Soldaten in ein Flüchtlingslager nach Skopje gebracht“, erzählt Sylejmani. Die Familie entschied, die Flucht Richtung Deutschland fortzusetzen, wo sie schließlich am 9. April 1999 mit dem Flugzeug auf dem Bremer Flughafen landete.

Drei Jahre lang lebten die Sechs dann in einer Gemeinschaftsunterkunft, bevor sie in eine Wohnung ziehen konnten. Die Eltern wollten eigentlich schnell zurück, doch Albert Sylejmani entschied, sich in Deutschland einzuleben. In Albanien hatte er einen Notenschnitt von 1,0 an der höheren Schule, das Lernen fiel ihm daher auch in Deutschland relativ leicht. Doch der Jugendliche merkte schnell, dass es in der neuen Heimat nicht für ein sehr gutes Abitur reichen würde. Deshalb absolvierte er nach dem Erweiterten Realschulabschluss eine Lehre als Einzelhandelskaufmann. Die gefiel nicht, also begann er bei der LzO eine Ausbildung zum Bankkaufmann. 2010 entschied er sich schließlich für den Öffentlichen Dienst und wurde in Bremen ausgebildet.

Heute arbeitet der 30-Jährige in der Ausländerbehörde im Stadtamt von Bremen. „Ein optimaler Job für mich, da kann ich anderen Ausländern helfen“, schwärmt Sylejmani von seiner Arbeit. Doch das ist ihm lange nicht genug. In seiner Freizeit engagiert er sich ehrenamtlich als Integrationsbeauftragter für die Stadt Oldenburg, wird angerufen, wenn er als Dolmetscher für seine Landsleute beispielsweise bei Ärzten oder auf Ämtern helfen soll.

Der Zufall will es, dass Sylejmani bald vielleicht sogar ein Menschenleben retten kann. Der 30-Jährige hat sich für die Datei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren lassen. Vor einigen Wochen hat er Post bekommen, er wird als Stammzellenspender gebraucht. Da fühlte er sich sofort erinnert an einen aktuellen Fall aus seiner Heimatstadt Podujeve, in der ein 20-Jähriger an Aplastischer Anämie erkrankt ist. Der junge Mann, für den sich Sylejmani mit einer Spendensammelaktion in Oldenburg engagiert, wartet in München auf seine Behandlung. Sein Körper kann keine Blutzellen mehr herstellen. Eine Krankenversicherung hat der Mann nicht, im Kosovo ist das unbekannt.

Sylejmani kennt den Empfänger seiner Stammzellenspende nicht. „Wer ein Menschenleben rettet, kann sich fühlen, als hätte er die gesamte Menschheit gerettet, heißt es beim Islam“, erklärt der gläubige Moslem sein Glücksgefühl.

Am Montag fährt er zur letzten Voruntersuchung nach Köln, dort wird er am 9. September Stammzellen spenden, die aus seinem Blut herausgefiltert werden. „Vielleicht“, so hofft er, „lerne ich den Empfänger ja eines Tages kennen.“

Zu erreichen ist Sylejmani per Mail unter albert.sylejmani2012@googlemail.com.

Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2104

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