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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Graf Anton Günther starb vor 350 Jahren

20.04.2017

Oldenburg Herausragender Diplomat, kaisertreu, für die Stadt und Region heute ein Markenzeichen. Graf Anton Günther starb vor 350 Jahren, doch die Erinnerung an ihn ist wach geblieben. So ist er im Stadtbild immer noch präsent.

Der Todestag datiert auf den 19. Juni 1667. Gestorben ist er im Alter von 83 Jahren vermutlich an Altersschwäche. Anton Günther war ein absolutistischer Landesherr, ein Fürst des Mitgliedsstaates Oldenburgs des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Graf Anton Günther hat sich den Oldenburgern als gütiger Landesvater, der durchaus Kontakt mit seinen Untertanen suchte, als Mann, der Oldenburg aus den Wirren des Dreißigjährigen Krieges heraushielt, und als Züchter, dessen Pferde später europaweit einen hervorragenden Ruf genießen sollten, ins kollektive Gedächtnis gebrannt.

Tiere begehrt

„Die Pferde setzte er durchaus auch als diplomatisches Mittel ein, indem er sie verschenkte“, weiß Prof. Dr. Gerd Steinwascher, Standortleiter Oldenburg des Niedersächsischen Landesarchivs am Damm – beispielsweise an die Franzosen und Holländer. Eine Legende erzählt, Anton Günther habe Wallensteins Feldherrn Graf von Tilly im Dreißigjährigen Krieg vom Überfall auf Oldenburg abhalten können, indem er ihm bei Wardenburg wertvolle Pferde schenkte und einen Abzugsweg durch die Moore verriet. Eine Legende

Beweise gibt es dafür nicht.

Fakt ist dagegen, dass Graf Anton Günther die kaisertreue Politik seiner Vorfahren fortsetzte. Schon Anton I und Johann (mit dem Beinamen „der Deichbauer“) hatten Oldenburg aus kriegerischen Auseinandersetzungen herausgehalten und sich gegen eine Politik der Fehde eingesetzt. Zudem war Oldenburg weit genug abgelegen von Dänemark, Schweden oder Spanien und Frankreich, die mit ihren Machtansprüchen das Geschehen in Europa politisch bestimmten. Dabei gehörte Oldenburg, so Steinwascher, zur dänischen Dynastie. Christian I. wurde im Februar 1426 in Oldenburg geboren und begründete als König von Dänemark, Norwegen und Schweden die dänische Königsdynastie aus dem Haus Oldenburg. Er war zugleich Herzog von Schleswig und Holstein.

Graf Anton Günther machte aus Oldenburg eine Residenz-Stadt und baute die vormals mittelalterliche Ringburg zu einem repräsentativen Schloss um. Zu seinem Gefolge gehörten 300 Leute. Das war laut Steinwascher ein vergleichsweise großer Hofstaat. Die kaiserliche Gefolgschaft zählte rund 1200 Köpfe. „Ein bescheidener Mensch war Anton Günther nicht“, sagt Steinwascher.

Das Geld, mit dem er seinen Hof und sein Leben finanzierte, stammt aus den Vorwerken, aus den Eindeichungen und der Vieh- und Pferdezucht des Marschlands. Die Oldenburger Tiere waren in Zeiten des Dreißigjährigen Krieges begehrt. „Anton Günther war ein Kriegsgewinner, der hervorragende Umsätze in Zeiten der Verknappung machte“, beurteilt Steinwascher das kaufmännische Geschick des Monarchen.

Zudem blieb sein Land vom Krieg verschont und verlor keine Bevölkerung wie andere Regionen, die nach dem Krieg quasi entvölkert waren. Ein Größenvergleich: Zu Graf Anton Günthers Zeiten lebten 3000 Menschen in der Stadt, 1680 waren es noch 2200 und in der bis 1773 währenden Dänenzeit schließlich 3500.

Auch Graf Anton Günther wollte vom Handel profitieren und legte sich mit den übermächtigen Bremern an. Gegen die blühende Hansestadt hatten die Oldenburger im Handelswettstreit keine Chance. Daher sollte der Weserzoll Geld in die Kasse spülen. Dessen Einführung bezeichnet Steinwascher als „größten diplomatischen Erfolg“ des Grafen. 1623 fertigte Kaiser Ferdinand II. ein Zolldiplom aus, das 1648 im Westfälischen Frieden noch einmal bestätigt wurde.

Bremen wehrte sich lange gegen diesen Zoll, der Graf Anton Günther so wichtig war, dass er 1637 in Elsfleth entgegen seiner eigentlichen Überzeugung Soldaten aufmarschieren ließ, um die Zahlungen zu erzwingen. Er riskierte einen Krieg mit Bremen. Schließlich verhängte im Jahr 1652 der Kaiser die Reichsacht gegen Bremen. 1653 erkannten die Bremer mit dem Regensburger Vergleich den Weserzoll an. Das kleine Oldenburg hatte sich gegen das mächtige Bremen durchgesetzt.

Verhandlungsführer beim Westfälischen Frieden war der Oldenburger Mylius von Gnadenfeld, den Graf Anton Günther gesandt hatte. Der Graf hatte laut Steinwascher ohnehin hervorragende Mitarbeiter und Diplomaten. Er war umgeben von klugen Leute, hat aktiv regiert und Entscheidungen getroffen – keine Selbstverständlichkeit in damaliger Zeit.

Zudem brachte er eine Armenordnung auf den Weg, griff ansonsten aber kaum in das Leben der Menschen ein. Das galt insbesondere für die ländlichen Gebiete. Anton Günther setzte auf die bäuerliche Selbstverwaltung, achtete allerdings darauf, dass die Bauern nicht wegen jeder Kleinigkeit vor Gericht zogen. Sie sollten sich außergerichtlich einigen. Das schonte ihren Geldbeutel und im Gegenzug die Ressourcen der Gerichte. Gleichwohl gab es damals noch die Leibeigenschaft, aus der sich viele freikauften. Auch das brachte Geld in die Kassen.

Als Graf Anton Günther starb, fiel Oldenburg an Dänemark, weil der Monarch keinen legitimen Nachfolger hatte. Der dänische König setzte Anton I. von Aldenburg (1. Februar 1633 bis 27. Oktober 1680) als Statthalter ein – ein illegitimer Sohn von Anton Günther.

Dänemark interessierte sich später weniger für Oldenburg. Das war zunächst anders, als Oldenburg Nachbar des schwedisch besetzten Gebietes jenseits der Weser war. Schweden und Dänemark waren Erzfeinde zur damaligen Zeit. Mit Ende des Großen Nordischen Krieges mit dem Frieden von Frederiksborg geriet Oldenburg 1720 aus dem Blickfeld.

Die Dänenzeit

Gleichwohl sei die Dänenzeit auch nicht so schlecht gewesen, wie sie gemeinhin dargestellt wird, meint Steinwascher und räumt gleich mit anderen Legenden auf. Die Pest grassierte bereits zu Lebzeiten Graf Anton Günthers und nicht erst nach seinem Tod und der Stadtbrand traf Oldenburg mit so großer Härte, weil man im Gegensatz zu Osnabrück, das zweimal abbrannte, kaum das Geld für einen Wiederaufbau aufbringen konnte.

Oldenburg war trotz aller gegenteiliger Bemühungen keine große und reiche Handelsstadt. Dennoch – die Pest, die Dänenzeit und der Stadtbrand trugen zur Überhöhung des Andenkens an Graf Anton Günther bei, mit dessen Ableben die „gute Zeit“ in der Wahrnehmung der Oldenburger endete und eine schlechte Epoche begann.

Schon vor seinem Tod ließ Anton Günther in der Lambertikirche ein Epitaph anlegen, das allerdings beim von Peter Friedrich Ludwig veranlassten Umbau der Kirche beim Einsturz zerstört wurde.

Die Oldenburger haben ihrem Grafen auch so ein ehrendes Andenken bewahrt. Auf dem Banner einiger Fans des VfB Oldenburg reitet der Graf auf seinem Schimmel „Kranich“ sinnbildlich durch die Fußballstadien, ein Hotel ist nach ihm benannt, eine Schule, es gibt ihn als Wandgemälde, als Skulptur, als Darsteller auf einem Pferd, der traditionell den Kramermarktsumzug anführt – der Graf ist auch heute noch allgegenwärtig.

Schließlich war er es, der durch seine Verordnung aus dem Jahr 1608 den heutigen Kramermarkt begründete. Fünf Tage lang wurden auf dem Rathausplatz zum Abschluss der Ernte die Erträge verkauft. Als Krahmer-Marckt waren die Marktbeschicker hauptsächlich Krämer und reisende Händler.

Für Oldenburg ist der Graf eine Marke – ein Markenzeichen sozusagen. Viele fühlen sich heute in seiner Tradition dem Frieden verpflichtet, sind tolerant, ausgleichend, ruhig, unaufgeregt und offen – Oldenburger eben.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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