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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Hinrich Wilhelm Kopf mit zwei Gesichtern

31.01.2014

Oldenburg Zehn Straßen sind nach ihm benannt, vier Schulen und der Platz vor dem Landtag in Hannover. Niedersachsens erster Ministerpräsident Hinrich Wilhelm Kopf (1893-1961) galt Jahrzehnte lang als unbescholtener Landesvater, der sich in seinen zwei Amtszeiten (1946-1955 und 1959-1961) um den Wiederaufbau verdient gemacht hat. „Doch das Denkmal hat Risse bekommen“, sagt Dr. Teresa Nentwig. Als Gast der von Historiker Professor Dietmar von Reeken moderierten Vortragsreihe „Umstrittene Paten“ referierte sie am Mittwochabend im PFL über die „braune Vergangenheit“ des Sozialdemokraten. Denn auch Oldenburg debattiert seit Monaten über seine Hinrich-Wilhelm-Kopf-Straße und acht weitere, deren Namensgeber offenbar in den Nationalsozialismus verstrickt waren.

„Ich begrüße, dass hier eine intensive Diskussion geführt wird“, sagte Nentwig vor rund 80 Besuchern. In ihrer Doktorarbeit hat sich die Göttinger Politikwissenschaftlerin eingehend mit Kopfs Biografie und seiner Rolle während des Zweiten Weltkriegs im besetzten Polen beschäftigt. Ihre Erkenntnisse lösten im vergangenen Sommer eine hitzige Debatte aus. Kopf, so legte sie offen, war als „Enteignungskommissar“ der „Haupttreuhandstelle Ost (HTO)“ in führender Position an der Enteignung und Umsiedlung polnischer Bürger in Oberschlesien beteiligt. Der Arbeit für die NS-Behörde sei er zwischen 1940 und 1943 „mit großem Eifer“ nachgegangen. Auch wenn es einzelne Entlastungszeugen gab, habe Kopf an der Zerstörung der Lebensgrundlage vieler Juden und Nicht-Juden mitgewirkt - vor allem, weil es sich finanziell für ihn gelohnt habe. „Kopf war kein Nationalsozialist, aber ein effizienter Bürokrat“, schlussfolgerte Nentwig. Doch welche Konsequenzen hat das für die aktuelle Debatte?

Die sei von Extrempositionen geprägt wie der Schlussstrich-Mentalität einerseits und der rigorosen Forderung nach Umbenennung andererseits, betonte Nentwig. Mit einer Bewertung hielt sie sich zwar zurück, zeigte aber einen dritten Weg im Sinne einer kritischen Auseinandersetzung auf. „Bei diesem Ansatz geht es darum, die negativen Seiten der Geschichte nicht auszublenden“, plädierte sie unter anderem für erklärende Zusatztafeln an den Straßenschildern: „Kopf war kein Übervater, sondern ein fehlbarer Mensch.“

Diesen Weg gehen laut Nentwig die Kommunen Alfeld und Peine, während der Kopf-Platz vor dem Landtag wahrscheinlich vor einer Umbenennung steht. In Oldenburg beschäftigt sich der Kulturausschuss am 18. Februar wieder mit dem Thema.

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