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NWZonline.de Region

Immer mehr Todesfälle werden überprüft

07.03.2016

Oldenburg Einer der größten Serienmörder der deutschen Nachkriegsgeschichte beschäftigt die Polizei noch immer. Krankenpfleger Niels Högel aus Wilhelmshaven wurde im Frühjahr 2015 zwar rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er zahlreiche (und lange Zeit nicht entdeckte) Tötungen und Tötungsversuche in Krankenhäusern gestanden hat (NWZ  berichtete) – der vermutliche „Högel-Effekt“ aber sorgt wohl auch für einen sensibleren Umgang mit Fällen, bei denen auch nur der geringste Zweifel an einem natürlichen Tod besteht. Folge: Die Zahl der polizeilichen Ermittlungen ist spürbar angestiegen. Waren vor drei Jahren noch 252 so genannte „ungeklärte Todesfälle“ in der Stadt Oldenburg (gesamte Polizeiinspektion Oldenburg/Ammerland: 403) sogleich gemeldet worden, zählte man 2014 schon 281 (431). Im vergangenen Jahr wurden die Ermittlungsbehörden dann gleich 314 Mal (490) informiert und involviert.

Große Hintergrundreportage: Warum stoppte niemand Niels Högel?

Erhöhte Aufmerksamkeit

Eine deutliche Steigerung, die nicht allein dem Zufall zuzurechnen ist – auffällig, so der Leitende Polizeidirektor Eckhard Wache auf NWZ -Anfrage. Die Wahrscheinlichkeit, dass die gehäuften Absicherungen durch die Ermittlungsbehörden in einem Zusammenhang mit den Högel-Morden stehen, ist zumindest recht hoch, wie auch Dr. Dirk Tenzer, Geschäftsführer des Klinikums, meint: „Diese Vorfälle haben in der gesamten Region für eine erhöhte Aufmerksamkeit und Sensibilisierung gesorgt.“ Gerade für Notärzte sei das Häkchen auf dem Totenschein bei „Todesursache unklar“ fast die Regel, meint Wache. Sie kennen im Gegensatz zu Hausärzten die Patienten und deren Lebensstil, die Erwartungen und die jüngsten Umstände nicht.

Auch für andere Mediziner scheint die Gefahr, sich zumindest in Theorie angreifbar zu machen, größer denn je. Deshalb werde selbst in Fällen, in denen das Krankheitsbild scheinbar eindeutig ist und der Tod wohl auch dem Verlauf der Krankheit entspricht, noch einmal gesondert geprüft. Von Hysterie kann da keine Rede sein, eine Absicherung ist aber nicht der verkehrteste Weg – meint auch Wache, der das erhöhte Meldungsaufkommen deshalb auch nicht kritisiert, sondern vielmehr empfiehlt. Die Unterlagen gehen in diesen wie auch bei feststehend nicht-natürlichen Todesfällen an Polizei und Staatsanwaltschaft, Ermittlungen folgen.

Weitreichende Kontrollen

In den meisten Fällen sind diese dann aber auch schnell wieder beendet, die Todesursache so eindeutig wie natürlich. Die Krankenhäuser selbst haben weitreichende Kontrollsysteme eingeführt und ihre Mitarbeiter wiederholt sensibilisiert, und das nicht erst seit Högel. Eine Anweisung „von oben“ bei der Leichenschau und der Bewertung der Fälle gebe es da aber nicht. „Die Ärzte handeln bei Todesfällen im Haus oder in der Ambulanz weisungsfrei und so, wie sie es gelernt haben“, sagt Dr. Tenzer. Über sich anschließende Ermittlungen des ersten Fachkommissariats hinaus – ein Forensiker ist in den seltensten Fällen erforderlich –, würden Todesfälle im Nachgang aber auch intern noch einmal rekapituliert. Weitere „zusätzliche Mechanismen zur Qualitätssicherung“ würden stetig implementiert.

Das gilt nicht minder fürs Evangelische Krankenhaus. Kontrollsysteme habe es auch hier schon vor Bekanntwerden der Högel-Morde gegeben – für die Patientensicherheit, gegen Fehlerketten.

Bei einer entsprechenden Meldung würden zeitgleich und automatisch Gremien auf verschiedenen Ebenen verständigt. „Dokumentiert bleibt dokumentiert“, so Sprecherin Ursula Kremer, „unwiderruflich“.

Marc Geschonke
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2107

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