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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Kosaken beendeten Schreckenszeit

09.02.2013

Oldenburg Die Franzosen auf dem Rückzug aus Russland, auch in Oldenburg ist keiner mehr zu sehen – die Nachricht verbreitete sich in der Stadt wie ein Lauffeuer. Zumindest letzteres war im März 1813 ein folgenschwerer Irrtum, der Albrecht Ludwig von Berger und Christian Daniel von Finckh (beide Mitglieder der provisorischen Administrativkommission) das Leben kosten sollte. 200 Jahre liegen die Geschehnisse zurück.

Franzosen kehrten zurück

Der kollektive Freudentaumel endete in den „Oldenburger Unruhen“. Die seit dem Abriss des Fachwerkglockenturms neben der Lambertikirche im Lappan hängenden Glocken wurden geläutet, in der damals im Erdgeschoss dort eingerichteten Gastwirtschaft wurde kräftig gefeiert.

Unter der Herrschaft der Franzosen hatten die Bürger schwer gelitten. Napoleon war mit seiner 600 000 Mann starken Armee der 20 Nationen auf dem Weg nach Moskau. Mit dabei auch viele Oldenburger „Söhne“, die von den Franzosen ausgehoben worden waren. Am 24. Juni 1812 überquerten die Franzosen die Memel und versanken im Morast. Die Männer starben wie die Fliegen, ist überliefert. Von dem aus Oldenburgern bestehenden 128. Regiment kehrte nur ein Mann zurück – Schullehrer Wicke. Napoleon schaffte es tatsächlich bis nach Moskau, doch die Russen steckten ihre Stadt in Brand, und die Franzosen traten unter ständigen Attacken der Kosaken den Rückzug an.

Von Finckh und von Berger

Eine Proklamation, die Christian Daniel von Finckh und Albrecht Ludwig von Berger verfasst hatten, wurde den beiden zum Verhängnis. Sie wollten für Ruhe im Volk sorgen, da es schon zu Ausschreitungen gegen Gendarmen gekommen war. Diese Aufforderung wurde von den zurückgekehrten französischen Besatzern aber als Aufruf zum Aufstand missverstanden, sie wurden am 10. April 1813 erschossen. 1824 wurde den beiden auf dem Getrudenkirchhof ein Ehrenmal aufgestellt.

Die Franzosenzeit ist am Donnerstag, 14. Februar, u.a. Thema des Vortrags bei „ein Viertel nach fünf“ mit Helmuth Meinken im Ratskeller. Anmeldung bei der OTM unter Tel. 36 16 13 66.

Kein Wunder also, dass in Oldenburg Jubel aufkam, als am 16. März 1813 die ersten Kosaken an den Grenzen des Herzogtums gesichtet wurden. Oldenburg war aus Sicht der Franzosen vor einem Überfall und der Befreiung nicht mehr sicher, und der Präfekt ernannte eine fünfköpfige Commission, die in der Stadt für Ordnung sorgen sollte – darunter Ludwig von Berger und Daniel von Finckh. Die Commissionäre bekamen die Lage in Oldenburg aber nicht unter Kontrolle. Das Zuchthaus, in dem viele Waren gelagert waren, wurde geplündert. Doch das Blatt wendete sich. Napoleon gewann zwei Schlachten bei L ützen und Bautzen, der französische Präfekt kehrte daraufhin zurück nach Oldenburg. Zurück in das Herzogtum, das sich die Franzosen am 27. Februar 1811 einverleibt hatten – Oldenburg war seitdem eine französische Mairie. Oldenburgs Herzog Peter Friedrich Ludwig hatte sich zu seinem Neffen, Kaiser Alexander von Russland, abgesetzt.

Die Oldenburger hatten sich also zu früh gefreut und sollten dafür bezahlen. „Nun begann für Oldenburg die Schreckenszeit; es wurde Belagerungszustand erklärt und es hieß, es solle geplündert werden, was aber durch den Franzosen, Ritter Louis de Cousser, abgewendet wurde“, schreibt H. A. Spieske in seinen Lebenserinnerungen.

Die Commissionäre Daniel von Finckh, Albrecht Ludwig von Berger, Zuckerfabrikant Gerhard Nikolaus Bulling, Kaufmann Johann Dietrich Klävemann und Gutsbesitzer Peter Ludwig Carl Friedrich von Negelein auf Fikensolt wurden nach Bremen gebracht und vor Gericht gestellt. Von Berger und von Finckh wurden verurteilt und am 10. April 1813 auf einer Wiese in Walle erschossen und verscharrt. Die drei anderen durften nach Oldenburg zurückkehren.

Doch das Kriegsglück wendete sich erneut. In der Völkerschlacht von Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 besiegten die Truppen der Verbündeten Österreich, Preußen, Russisches Kaiserreich und Schweden die Truppen Napoleon Bonapartes. Am 5. November 1813 zogen die Franzosen endgültig ab, wurden auf der Flucht vor den Kosaken von ihnen allerdings auf dem Friedhof in Westerstede gestellt und ihrerseits nach Bremen gebracht.

Unbeschreiblicher Jubel

Der Jubel in Oldenburg war unbeschreiblich, nun fehlte nur noch die Rückkehr ihres geliebten Herzogs Peter Friedrich Ludwig zum perfekten Glück. Und darauf mussten die Bürgerinnen und Bürger nicht lange warten. „Am 27. November kam der Herzog Peter wieder zurück und der Jubel war womöglich noch größer, als vor 7 Jahren, denn wir hatten in den schweren Zeiten erst recht einsehen gelernt, einen wie großen Schatz wir in ihm besaßen“, schreibt Spieske weiter.

Im Januar 1807 war Herzog Peter schon einmal aus dem Exil zurückgekehrt, als die von Napoleon eingesetzten holländischen Truppen Oldenburg wieder verlassen hatten.

Die Bürgerschaft beschloss, ihren Herzog am Damm zu empfangen, spannte dort die Pferde aus und zog ihren Regenten in seiner Kutsche mit eigener Kraft vors Schloss. Mit den Gedanken der französischen Revolution von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ mochten sich die Oldenburger nicht anfreunden. Zu lieb war ihnen ihr Herzog Peter Friedrich Ludwig, zu gut war es der Bevölkerung vor der Herrschaft Napoleons gegangen.

Von Finckh und von Berger waren übrigens in Walle von Oldenburgern wieder ausgegraben und neben einer Kapelle beerdigt worden. Nach seiner Rückkehr ließ Peter Friedrich Ludwig sie erneut ausgraben und auf dem Gertrudenkirchhof bestatten.

Erstes Landesrabbinat

Später richtete er das erste Landesrabbinat für das Herzogtum Oldenburg ein und baute die Infrastruktur und das Bildungswesen aus. Der Herzog gründete das Oldenburger Lehrerseminar (der Vorläufer der späteren Pädagogischen Hochschule), die herzogliche Bibliothek machte er für die Öffentlichkeit zugänglich (und legte damit den Grundstein für die heutige Landesbibliothek). Auch die Anlage des Schlossgartens ist Peter Friedrich Ludwig zu verdanken.

Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2104

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