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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Kwami-Affäre schreibt Geschichte

12.09.2007

OLDENBURG Selten war die Lambertikirche so voll, wie am 20. September 1932: 3000 Christen besuchten an diesem Tag zwei Vorträge des afrikanischen Pastors Robert Kwami. Es war ein Signal gegen die Hetze des Ministerpräsidenten Carl Röver. Für den heutigen Lambertipastor Dr. Ralph Hennings war es aber auch der erste öffentliche Konflikt zwischen evangelischer Kirche und nationalsozialistischer Landesregierung in Oldenburg. Und unter dem Namen Kwami-Affäre ging der Fall in die Stadtgeschichte ein.

Dokumentiert ist alles in den Nachrichten für Stadt und Land, nachdem am 10. September 1932 der Vortrag des Missionspfarrers in der Lambertikirche angekündigt worden war. Die Nazis wollten den Auftritt des – wie sie es nannten – „Negerpastors“ verbieten lassen. DerOberkirchenrat und auch der damalige Lambertipastor Erich Hoyer verteidigten die Einladung Kwamis öffentlich und ließen sich nicht drohen, obwohl Röver im Ziegelhof bei einer Wahlkundgebung sagte, das Vorgehen des Oberkirchenrates müsse als Dummheit oder Frivolität bezeichnet werden, die mit Zuchthaus bestraft werden müsse.

Auch Robert Kwami ließ sich nicht entmutigen, ihm gab sein tiefer Glaube Halt, und er vertraute auf den Schutz Gottes. Bestätigt, so ist überliefert, fühlte er sich durch die überfüllte Lambertikirche während seiner Vorträge.

Pfarrer Erich Hoyer informierte 35 Regionalzeitungen über den Vorfall in Oldenburg. In Bremen erschien eine bissige Karikatur mit einem aufgerüsteten Röver, der Kwami attackierte und der Unterschrift: Wer ist hier der Wilde? Selbst in niederländischen und britischen Zeitungen wurde über die Kwami-Affäre berichtet.

Der oldenburgische Generalpredigerverein warnte damals bei aller, wie es im Protokoll hieß, „Bejahung einer gesunden nationalen Bewegung ...vor einem Rassenhass, der sich nicht mit positiven Christentum vertrage“. Der Oberkirchenrat stellte am 7. Oktober 1932 Strafanzeige gegen Röver, die jedoch Weihnachten jenen Jahres eingestellt wurde, wenige Wochen vor Hitlers Machtergreifung.

Sabine Schicke
stv. Redaktionsleitung
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2103

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