• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Gedenkveranstaltung In Oldenburg: Harsche Kritik nach dem Erinnerungsgang

18.11.2016

Oldenburg /Jerusalem Große Bestürzung hat in Oldenburg ein Artikel der israelischen Zeitung „The Jerusalem Post“ ausgelöst. Die englischsprachige Zeitung berichtete, dass die Organisatoren des Erinnerungsgangs am 10. November versucht haben sollen, israelische Flaggen von der Veranstaltung zu verbannen. Diese Darstellung weist der Sprecher des Arbeitskreises Erinnerungsgang, Fredo Behrens, zurück.

„Richtig ist, dass wir einzelne Personen freundlich darauf angesprochen und gebeten haben, die Flaggen nicht zu verwenden“, sagt Behrens, „wir haben sie letztlich aber geduldet.“ Das belegen mehrere Fotos der 2016er Auflage des Erinnerungsgangs, auf denen die Flagge mit dem blauen Davidstern zu sehen ist.

Die Organisatoren hatten sich nach Auskunft von Behrens im Vorfeld dazu entschieden, um einen Verzicht auf Flaggen zu bitten, weil man Sicherheitsprobleme befürchtete. Behrens verweist dabei auf die in Oldenburg seit Wochen „aufgeheizte“ Debatte um eine Israel-kritische BDS-Kampagne („Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“). Es sei bedauerlich, dass der honorige Erinnerungsgang in diese Auseinandersetzung hineingezogen worden sei. Während des Ganges seien „Scharfmacher“ aus Reihen der deutsch-israelischen Gesellschaft „sehr aggressiv aufgetreten“, kritisiert Behrens.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Das sieht Rolf Woltersdorf, Mitglied der deutsch-israelischen Gesellschaft, anders. „Was ich dort erleben musste, war erschütternd“, sagt er. Er soll von einem Lehrer der BBS Haarentor aufgefordert worden sein, seine Israel-Fahne einzurollen, denn politische Äußerungen seien nicht gestattet. Ein anderer Teilnehmer soll versucht haben, ihn auf den Bürgersteig abzudrängen. In der Jerusalem Post wird in dem Zusammenhang von „körperlicher Gewalt“ gesprochen.

„Diese Aggressivität, die diese Flagge ausgelöst hat, habe ich noch nicht erlebt.“ Ursprünglich wollte er mit der Flagge des Staates, in dem die Nachkommen der Überlebenden des Holocausts leben, Solidarität ausdrücken.

Die israelische Flagge ist weit mehr als das Hoheitszeichen des einzigen demokratischen Staates im Nahen Osten. Schon vor der Gründung Israels symbolisierte sie die Hoffnung der Juden auf ein Land, in dem sie ohne Angst vor Verfolgung und Diskriminierung leben können. Viele Holocaust-Überlebende sollten in Israel ihre Heimat finden. Mit dem Davidstern und den blauen Streifen, die an einen Tallit (Gebetsmantel) erinnern, nimmt die Flagge unmittelbar Bezug auf die jüdische Kultur. Wenn nicht-jüdische Deutsche bei einer Gedenkveranstaltung für von Deutschen ermordete Juden darüber befinden, ob man dieses Symbol „dulden“ sollte oder nicht, ist das eine unglaubliche Anmaßung. Dass Leute, die auf einer Gedenkveranstaltung die jüdische Flagge zeigen, damit auch ein politisches Signal setzen wollen, bleibt unbestritten. Sie bekunden unter anderem, dass ihnen das Schicksal der heute lebenden Juden am Herzen liegt. Gut möglich, dass es Menschen gibt, die sich dadurch gestört fühlen. Antisemiten zum Beispiel. Kommentar von NWZ-Redakteur Jan Lehmann

Er war nicht der Einzige, der sich für seine Flagge rechtfertigen musste. Laut Woltersdorf wurde eine andere Teilnehmerin, die sich in eine Fahne mit dem Davidstern eingehüllt hatte, von Manfred Klöpper (Die Linke Oldenburg) gefragt, warum sie das „nationale Symbol“ Israels trage. Nachdem Klöpper auf das gerade stattfindende Gebet hingewiesen wurde, soll er laut geworden sein.

Manfred Klöpper, Linken-Ratsherr in Oldenburg und früherer DGB-Chef, nimmt seit Jahren aus Überzeugung an dem Erinnerungsgang teil. „Es war immer guter Brauch, keinerlei Fahnen und Transparente zu zeigen mit Ausnahme jenes großen Transparents des Erinnerungsgangs zu Beginn des Zuges. Als er die Nationalflagge des israelischen Staates gesehen habe, habe er wissen wollen, warum die gezeigt werde. Von einem Gebet habe er nichts bemerkt. „Ich halte den Erinnerung in seiner stillen Tradition für wichtig“, sagt Klöpper. Selbstkritisch ergänzt er: „Ich hätte auf einem Schweigemarsch einfach schweigen sollen.“

Dass im Artikel der „Jerusalem Post“ Anstoß daran genommen, dass Demonstrationsteilnehmer vereinzelt so genannte Palästinenser-Tücher getragen hätten, kann der Arbeitskreis-Sprecher Behrens nicht nachvollziehen. „Einige der Schüler sind eben muslimische Zuwanderer. Dass die in Erinnerung an jüdische NS-Opfer auf die Straße gehen, sollte man würdigen und nicht so eine Hass-Nummer daraus machen.“

Der Erinnerungsgang war in diesem Jahr von der BBS Haarentor ausgerichtet worden. Deren Leiter Diedrich Ahlfeld zeigte sich „erschüttert“ über die Reaktion aus Israel. Es sei bedauerlich, dass seine Schule nun in einem antisemitischen Kontext genannt werde. „Für uns stand das Gedenken an ein historisches Ereignis, die Pogromnacht vor 78 Jahren, im Vordergrund“, betont Ahlfeld.

Der Arbeitskreis Erinnerungsgang will die in Oldenburg seit 1981 bestehende Tradition der Gedenkveranstaltung im nächsten Jahr auf jeden Fall fortsetzen. Fredo Behrens: „Der Erinnerungsgang ist und bleibt eine erfolgreiches und pädagogisch wertvolles Projekt.“

Anna-Lena Sachs Redakteurin / Online-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2157
Sabine Schicke stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2103
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.