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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Kurioser Schildbürgerstreich der Oldenburger Verwaltung

11.01.2018

Ofenerdiek Auf Anordnung der Stadt hat Eva Fackelmann ihr Geld buchstäblich versenkt. Die Sanierung des Straßengrabens vor ihrem Grundstück am Nordring mutet an wie eine Extra-3-Reportage aus Schilda.

Was war passiert? Entlang der Straße Am Nordring verlaufen beiderseits Entwässerungsgräben. Der Abschnitt vor Eva Fackelmanns Grundstück musste im Rahmen eines Neubaus vor rund zwei Jahren verrohrt werden, damit Baufahrzeuge das Grundstück befahren konnten.

Ein Blick in die Nachbargräben zeigte ihr, dass dort die Böschungen vor allem mit Holzpalisaden befestigt wurden. „Das hat die Stadt so gemacht“, wurde ihr zudem von den Nachbarn bestätigt. Also entschied sich Eva Fackelmann für die gleiche Methode. Rund 1400 Euro ließ sie sich die fachgerechte Ausführung durch eine Gartenbaufirma kosten.

Wasserbehörde fordert Rückbau

Doch diese Rechnung hatte sie ohne die untere Wasserbehörde gemacht. Die sah in der Maßnahme einen unzulässigen Eingriff in städtisches Eigentum und forderte einen Rückbau zum ursprünglichen Zustand. „Ursprünglich war Jahre oder Jahrzehnte lang nichts am Graben gemacht worden“, sagt Eva Fackelmann. „Die Kanten waren abgebrochen, der Graben zugewachsen und laut Voreigentümer nie gereinigt worden.“

Nach einem Ortstermin präzisiert das Amt seine Vorgabe: So musste der Holzverbau wieder rausgerissen werden, der Graben angeschrägt und mit Rollrasen befestigt werden. „Ich habe eindringlich darauf hingewiesen, das die Berme dadurch schmaler wird und große Fahrzeuge die sich hier begegnen auf die Berme ausweichen und dann die Böschung irgendwann abbricht“, sagt Eva Fackelmann.

„Und wenn der Müllwagen hier durchfährt, ist an der Straße nicht mal mehr genug Platz für die Tonnen. Aber ich stieß mit allen Argumenten auf taube Ohren – es war offensichtlich von vorn herein beschlossen, dass ich die Böschung zurückbauen sollte.“

Es kam, was kommen musste

Gesagt getan – die zuvor beauftragte Firma legte im Frühjahr 2016 die neue Böschung nach Vorgaben der Behörde an. Mittels Warnbaken wurde der anwachsende Flachrasen vor dem Befahren durch Autos geschützt. Alles schien in bester Ordnung – bis zum letzten November.

„Dann kam, was früher oder später kommen musste“, erklärt Eva Fackelmann. „Die Böschung brach ab.“ Sie meldete den Schaden und bat um eine schnelle Beseitigung. „Aber erst einmal passierte gar nichts. Innerhalb von zwei Wochen wurden lediglich an dem Graben zwei rot-weiße Absperrpfosten aufgestellt.“ Das Erdreich rutschte weiter ab, bis es die Straßenkante erreichte.

„Wenn Sie nun noch länger warten, wird der Straßenbelag vom Regenwasser unterspült“, warnte Eva Fackelmann die untere Wasserbehörde. Die antwortete ihr zunächst, dass für die Unterhaltung des Grabens nun eine andere Dienststelle zuständig sei. „Mit dem Herrn dort führte ich kein sehr nettes Telefonat“, erklärt sie vielsagend.

Plötzlich doch Holzpalisaden

Doch inzwischen ist tatsächlich etwas passiert: Die Böschung des Grabens ist zur Straßenseite wieder befestigt worden – mit Holzpalisaden, also so, wie es Eva Fackelmann ganz zu Anfang machen ließ. „Als ich die Arbeiter am Graben ansprach, sagten sie mir, die Stadt hätte sie damit beauftragt“, erzählt sie und fühlt sich nun verschaukelt. „Zu meinen unnötigen Kosten kommen jetzt zusätzliche Kosten für die Stadt, für die der Steuerzahler aufkommen muss“, ärgert sie sich. „Im Grunde wäre es nur fair, wenn ich die Hälfte von meinen Kosten zurückbekomme.“

Das ist bei den ganzen Grabenkämpfen allerdings ihr kleinster Ärger. „Was mich dabei am meisten ärgert ist, dass offensichtlich gar auf lösungsorientierte Argumente eingegangen und stattdessen stur der eigene Standpunkt durchgesetzt wird. Das ist Willkür und Bürgerfeindlichkeit, obwohl sich die Stadt ein bürgerfreundliches Verwaltungshandeln auf die Fahne schreibt und dafür auch noch gefördert wurde. Wenn ich mich nicht so darüber ärgern müsste, könnte man direkt darüber lachen. Aber wenn ich Komiker will, bestelle ich mir selbst welche.“

Auf Nachfrage der NWZ prüft die Stadt derzeit den Vorgang um die Grabensanierung noch einmal, konnte aber bis Redaktionsschluss noch keine aktuelle Wasserstandsmeldung abgeben.

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