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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Jüdische Gemeinde Oldenburg ist geschockt

11.10.2019

Oldenburg Auch am Tag nach dem Attentat auf die Synagoge in Halle an der Saale sitzt der Schock in der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg tief. „Die Polizei und der Staatsschutz haben uns informiert“, berichtete Ernst Sittig, 2. Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg, am Donnerstag. Die Mitglieder feierten am Mittwoch Jom Kippur, den jüdischen Versöhnungstag, als sich die furchtbaren Nachrichten aus Halle überschlugen.

Die Gemeinde sei geschockt gewesen, als sie von dem Attentat erfahren habe. „Deshalb waren wir dankbar, dass die Polizei zwei Streifenwagen zu unserem Schutz abgestellt hat“, sagt Sittig. Das habe die Gemeindemitglieder beruhigt. Er sei allerdings erstaunt darüber, dass es nicht bereits zu Beginn des Feiertages solche Schutzmaßnahmen gegeben habe, so Sittig, der aus den Niederlanden stammt. In seiner Heimat sei es normal, dass die Polizei an jüdischen Feiertagen die Synagogen schütze.

Zwar habe es in Oldenburg zum Glück noch keine konkrete Drohungen gegen die Gemeinde gegeben. Trotzdem fordert Sittig mehr Schutz durch die Polizei, denn das schrecke potenzielle Attentäter ab. Die Aussage von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seinem Besuch der Synagoge in Halle, das Land müsse Verantwortung übernehmen und eine klare Haltung zeigen, hält Sittig für „nette Worte, auf die nun aber konkrete Taten folgen müssen“.

Bessere Schutzmaßnahmen vermisst auch Björn Ihle. Der 53-Jährige ist in Oldenburg geboren und aufgewachsen, lebt aber seit 31 Jahren in Israel. „Ein sicheres jüdisches Leben in Europa ist nicht mehr möglich“, sagte er am Donnerstag im Telefongespräch mit der NWZ.

Mit Sorge betrachte man in Israel den stärker werdenden Antisemitismus in Europa. „Der Anschlag hat hier hohe Wellen geschlagen und war das Thema auf den Titelseiten der Zeitungen“, berichtet Ihle weiter.

Er wundere sich, weshalb es in Deutschland so einfach sei, einen Anschlag zu verüben. „Die Problematik ist bekannt, es wird aber nichts getan“, so der 53-Jährige.

Die Polizeidirektion in Oldenburg sieht momentan keine Hinweise auf eine Gefährdung der Jüdischen Gemeinde in Oldenburg. Gleichwohl seien die Beamten wachsam und würden jegliche Form von politisch motivierten Straftaten verfolgen, teilt Polizeisprecher Christopher Deeken auf Anfrage der NWZ mit.

Oldenburgs Polizeipräsident Johann Kühme will die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Dr. Elisabeth Schlesinger, zu einem persönlichen Gespräch einladen, „um potentielle Maßnahmen abzusprechen, aber auch um Solidarität zu bekunden“, so Kühme.

Dass der Attentäter Stephan B. seine Taten live im Internet übertragen hat, ist besonders abscheulich. Das zynische Vorgehen wundert Jan Krieger von der „Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus für Demokratie“ in Oldenburg aber nur bedingt. Die Beratungsstelle gehört zur Interkulturellen Arbeitsstelle „Ibis“ in Oldenburg und ist eine von drei mobilen Beratungsstellen in Niedersachsen. Krieger berät Vereine und Organisationen, wenn es um den Umgang mit Rechtsextremismus geht.

Der Experte weiß, welche Rolle das Internet bei Tätern wie Stephan B. spielt: Es gebe zum Beispiel Chatgruppen, die wahrscheinlich auch Stephan B. genutzt habe, in denen rechts-terroristische Anschläge diskutiert und bewertet werden. Dadurch sei möglicherweise auch der Terroranschlag in Halle gefördert worden.

Nährboden für Täter wie Stephan B. seien darüber hinaus die Propaganda rechter und rechtspopulistischer Parteien sowie der extrem rechten Szene – und das Aufgreifen und unreflektierte Wiedergeben dieser Propaganda durch einige Medien. Auch antisemitische Verschwörungstheorien, die über die rechte Szene hinaus verbreitet sind, haben den Täter vermutlich in seinem Handeln bestärkt.

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Wolfgang Alexander Meyer Redakteur / Redaktion Oldenburg/Westerstede
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Claus Arne Hock Redakteur / Online-Redaktion
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