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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Schwanger – und plötzlich sind die Fragen da

23.04.2019

Oldenburg Die aktuellen Zahlen von Pro Familia räumen ganz klar mit einem Vorurteil auf: Ungeplante Schwangerschaften sind kein Thema, dass nur unbesonnene jungen Mädchen trifft. Von 362 Beratungen nahmen gerade einmal vier Unter-18-Jährige die Hilfe der Beratungsstelle von Pro Familia in Anspruch. Der weitaus größere Teil der Ratsuchenden war zwischen 22 und 34 Jahren alt (235 Beratungen). Auffällig: Zumeist kommen Paare sowie Frauen allein oder in Begleitung der Mutter oder einer Freundin. Dass Männer allein in einer Konfliktsituation die Unterstützung der Mitarbeiter suchen, kommt nicht vor. „Zumindest ist mir aus meiner Arbeit kein Fall bekannt“, sagt Kathrin Boltes, Leiterin der Beratungsstelle.

Anonym Fragen stellen

Und noch eines ist bemerkenswert: 79 Mal suchte eine Frau die Beratungsstelle auf, die die 35 Jahre bereits überschritten hat. „Ungeplante Schwangerschaften sind keine Frage des Alters. Sie können jede Frau betreffen“, sagt Kathrin Boltes. Ursächlich ist der Weg dorthin vielfältig. „Da gibt es vielleicht eine neue Partnerschaft, oder Frauen denken, sie müssten nicht mehr verhüten“, weiß Boltes. Auch ändere sich der Hormonhaushalt und könne ab einem bestimmten Alter missverständliche Signale senden. Manchmal ist es aber auch schlicht und einfach Materialversagen.

Zahlen, Daten, Fakten

Im Jahr 2018 hat wurden 1094 Beratungen angeboten und 79 Angebote für Schulklassen umgesetzt. 500 Paare ließen sich allgemein informieren, 362 Mal handelte es sich um eine Konfliktberatung. Die Zahlen gleichen denen von 2017: Gesamt 1000, Schwangerschaft 470 und 333 Konfliktberatungen.

Wie sich die Frauen entscheiden, wenn sie die Beratungsstelle verlassen haben, wissen die Mitarbeiter natürlich nicht: „Manchmal haben wir ein Gefühl, manchmal sind die Frauen für sich in ihrer Entscheidung aber schon sehr klar“, sagt Boltes. Viele der Ratsuchenden kämen gut informiert. „Dass jemand ein zweites oder drittes Mal kommt, ist eher selten. Auch wenn wir das natürlich immer anbieten.“

Entscheidet sich eine Frau für einen Abbruch, dann findet sie in Oldenburg das notwendige Netzwerk vor: „Die Versorgung ist schon ganz gut ausgebaut“, sagt Boltes. „Es könnte natürlich immer mehr sein.“ Zurzeit gibt es zwei Anlaufstellen. Allerdings nur für operative Abbrüche. „Medikamentöse Abbrüche werden in Oldenburg nicht angeboten, dazu müssen die Frauen nach Bremen oder Delmenhorst.“

Der weitaus größere Teil der Beratungen beschäftigt sich weniger mit dem „Ob oder ob nicht“-Thema, denn mit der Frage: Wie geht es weiter?  500 Frauen und Paare ließen sich zu den Themen Schwangerschaft, Elternzeit,Elterngeld, Mutterschutz und Soziale Hilfen beraten. 162 Mal standen psychologische Gespräche zu Krisen, Konflikten und sexueller Identität an. Letzteres ist auch ein Thema, das in der Arbeit mit Schulklassen eine Rolle spielt: „Wir teilen die Klassen gern nach Jungen und Mädchen auf, wenn wir mit ihnen sprechen“, sagt Boltes. „Dabei betonen wir immer, dass sich die Kinder aussuchen können, zu welcher Gruppe sie gehören möchten. Sich mit sexueller Vielfalt zu beschäftigen ist ein Baustein in unserer Arbeit“.

79 Schulklassen und Jugendgruppen waren im vergangenen Jahr in den Räumen von Pro Familia zu Gast: „Das gehört bei uns zum Konzept, dass wir nicht in die Schulen gehen, sondern dass die Kinder und Jugendlichen zu uns kommen. Wir eröffnen so einen Raum, in dem sich die Teilnehmer trauen, Fragen zu stellen.“ Was die Jungen und Mädchen beschäftigt, haben sie vorab schon mit ihren Lehrerinnen und Lehrern – die bei den Veranstaltungen nicht anwesend sind – auf Karten notiert und anonym eingereicht. Die Themen sind – trotz vermeintlich aufgeklärter Gesellschaft und freiem Zugang zu Informationen durch das Internet – seit Jahren ähnlich: „Wir sprechen viel über Körperwissen, über Nähe, Liebe, Gefühle und Verliebtsein“, sagt Boltes. Aber auch über soziale Medien und Pornografie. Es landen doch immer wieder Inhalte auf den Smartphones, die eigentlich nicht für die Augen von Jugendlichen gedacht sind. „Viele wissen aber, dass das, was sie im Netz sehen, nichts mit der Realität zu tun hat.“

Transgender im TV 

Wirken sich denn die Medien auf die Fragen in der Beratung aus? Zum Beispiel, wenn in einer Casting-Show eine Transgender-Teilnehmerin zu sehen ist? „Das wird natürlich wahrgenommen“, sagt Boltes. „Auch dass es Vorbilder im Fernsehen gibt –  selbst wenn sie etwas zweifelhaft oder überspitzt dargestellt sind – ist ein Beitrag zum Thema sexuelle Vielfalt“, weiß Boltes. Gibt es noch weitere Themen, die heute stärker in den Fokus geraten, als das vielleicht noch vor ein paar Jahren der Fall war? „Wir sprechen vermehrt auch über Mobbing, sexuelle Übergriffe oder unangenehme Erfahrungen“, sagt Boltes. In diesem Bereich ist allerdings noch Luft nach oben: „Wir warnen Kinder vor den Gefahren beim Überqueren einer roten Ampel, oder dass sie nicht zu Fremden ins Auto steigen müssen. Bei ungewollten Berührungen müssen wir einen ähnlich unverkrampften Umgang mit dem Thema finden.“  Die Beratungsstelle befindet sich an der Rosenstraße 44. Die Sprechzeiten sind Dienstag und Donnerstag von 9-12 Uhr und 16-18 Uhr sowie Freitag von 9-12 Uhr und nach Vereinbarung. Kontakt: Telefon  0441 88095, E-Mail:
oldenburg@profamilia.de.

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Mareike Weberink Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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