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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Großes Kino für überzeugten Cineasten Detlef Roßmann

21.12.2017

Oldenburg Dr. Detlef Roßmann hat schon so manchen Orden in der Schublade. Das erfuhren die Gäste einer Feierstunde im Rathaus von ihm. Obschon er meinte, er scheue die Publicity, wies ihn gerade diese amüsante Rede als Meister der Zwischentöne aus. Zuvor hatte Oberbürgermeister Jürgen Krogmann dem Oldenburger Programmkino-Pionier das Bundesverdienstkreuz am Bande an die Brust geheftet. Die Stadtmedaille für Verdienste um die Filmkunst hatte Roßmann schon früher erhalten.

Doch vornehm verschwieg der 70-Jährige diese Medaille, als er einen kleinen Exkurs über Ehrenzeichen im Allgemeinen und Speziellen hielt und darauf hinwies, dass man sie heute in der Schatulle und samt Ernennungsurkunde bei Ebay kaufen könne. Er dankte für die Auszeichnung und wähnte sich in guter Gesellschaft mit Mario Adorf, Pierre Brice und Iris Berben.

Bei den Orden in der heimischen Schublade handelt es sich übrigens um das Flugzeugführer-Abzeichen des Vaters, das an alle Piloten nach bestandener Prüfung verliehen wurde. Auch die im Volksmund „Mutterkreuz“ genannte Auszeichnung der Großmutter ist darunter, die Nazis Frauen für Kinderreichtum verliehen. Seine Großmutter hatte vier Kinder. Es fehlt allerdings das Eiserne Kreuz II. Klasse des Großvaters aus dem Ersten Weltkrieg. Das hatte die Großmutter dem Jungen zwar in einer Blechschachtel geschenkt, doch – Ebay gab es noch nicht – da hatte er es gegen zehn Micky-Maus-Hefte bei einem Freund eingetauscht. Diese Comics blieben nicht lange unentdeckt, und da sie bei Strafe von seinen Eltern verboten waren, landeten die im Ofen. Also blieben weder Micky Maus noch EK II.

Im Falle des Ordens vielleicht ein Symbol dafür, dass Roßmann – Gründungsmitglied der Carl-von-Ossietzky-Universität – sich in seinem politisch geprägten Leben pazifistisch einsetzen würde, etwa in vielen nationalen und internationalen Film-Gremien. Dass er in Berlin 1973 bei einem großen Branchentreffen vor dem erzkonservativen damaligen Innenminister Friedrich Zimmermann (CSU) forderte, dass der Verhoeven-Film „Weiße Rose“ über die Geschwister Scholl auch international in den deutschen Goethe-Instituten gezeigte würde, brachte ihm statt eines finanziellen Zuschusses für das Programmkino Casablanca (wie sonst) nur eine lobende Erwähnung ein.

An diesem Mittwochmittag im Oldenburger Rathaussaal wurde ihm nun namens des Bundespräsidenten für sein ehrenamtliches Engagement als Cineast in Deutschland, Frankreich und darüber hinaus die höchste Auszeichnung verliehen, die das Land für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht.

Und Oberbürgermeister Jürgen Krogmann spekulierte zum großen Applaus aller Gäste kurz darüber, was wohl Roßmanns wenige Monate alter Enkel Johann dereinst mit diesem Orden tun würde – in welcher Schublade der dann wohl landen würde.

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