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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Demografie: Das bedeutet die alternde Gesellschaft für Oldenburg

05.02.2018

Oldenburg Zwei Damen, zwei Herren, alle vier im durchaus fortgeschrittenen Alter, blicken mit hoch aufgestelltem Daumen Richtung Kamera. Vier Mal also alles prima mit den rüstigen Rentnern in der Stadt, wie das Titelbild des Flyers zum Vortrag „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune“ glauben machen möchte?

Seit 25 Jahren lässt die Bundesregierung den sogenannten „Altenbericht“ erstellen – um die Lebenssituation von älteren Menschen in Deutschland abzubilden und gleichermaßen Lösungsansätze für Problemlagen aufzuzeigen. Das jüngste Werk beschäftigt sich mit der kommunalen beziehungsweise regionalen Politik und mit sozialen Ungleichheiten ebenda. Und die Verfasser des Berichts (eine elfköpfige Sachverständigenkommission) fordern Bund und Länder aufgrund ihrer Ergebnisse dazu auf, die Kommune weithin finanziell zu stärken. Denn die wiederum könne die Lebensverhältnisse für und mit ältere(n) Menschen positiv beeinflussen.

Der 7. Altenbericht der Bundesregierung BILD: privat

Vortrag und Podiumsdiskussion

Am Mittwoch, 14. Februar, wird bei einer Veranstaltung im Hüppe Saal des Stadtmuseums der 7. Altenbericht der Bundesregierung vorgestellt und diskutiert. Einlass ab 18 Uhr.

Referent ist Dr. Frank Berner, Leiter der Geschäftsstelle für die Altenberichte der Bundesregierung beim Zentrum für Altersfragen. Nach der Vorstellung folgt eine Podiumsdiskussion mit Sozialdezernentin Dagmar Sachse, Dr. Frank Berner und Rolf Bunjes, Vorsitzender der Seniorenvertretung. Moderiert wird die Veranstaltung von Sabine Schicke, stellvertretende Leiterin der NWZ-Lokalredaktion Oldenburg.

Anmeldungen über das Service-Center, Tel. 235 44 44, E-Mail: demografie@stadt-oldenburg.de.

Im Bericht heißt es: „Gerade ältere Menschen übernehmen dabei häufig Verantwortung und engagieren sich für andere. Wenn informelle Unterstützung und freiwilliges Engagement sinnvoll mit Angehörigenpflege und mit professionellen Dienstleistungen verknüpft werden, kann eine große Bandbreite (gegenseitiger) Unterstützungsleistungen verwirklicht werden.“ Doch wie sieht es da genau in Oldenburg aus?

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Statistisches

Auch wenn die Geburtenausfälle aufgrund des 2. Weltkrieges im Segment der Über-70-Jährigen noch immer in Oldenburgs Altersstruktur sichtbar sind, so ist der Anteil der Generation 50plus am gesamten Stadtleben immens. Mehr noch: Prozentual, aber auch absolut liegt die Altersgruppe der Über-65-Jährigen schon seit dem Jahr 2006 deutlich (18,8 Prozent) über jener der Bis-18-Jährigen (16,5 Prozent).

Rentner („Bedarfsgruppe Alten- und Pflegeheime“, wie es im Statistischen Jahrbuch heißt) gibt es über 31 300 in Oldenburg, eine beeindruckende Zahl. Gleiches gilt allerdings auch für die Zahl der Schwerbehinderungen in besagten Altersgruppen – das sind laut statistischer Erfassung rund 8000.

„Orte der Begegnung“

Wo ist Austausch und Kontakt zwischen den Menschen möglich – und noch wahrscheinlich? Nun, da gibt es einerseits jene vier Gemeinwesenarbeiten „und die sechs Stadtteilprojekte der offenen Altenhilfe“, sagt Susanne Jungkunz (Strategische Sozialplanung der Stadt) und zählt weiter auf: „Zahlreiche Mensen, Schulen und Kitas mit ihren Räumlichkeiten, Dienste wie der Heimwerker- und Wohnberaterdienst oder die Seniorenbegleiter des Senioren- und Pflegestützpunktes Niedersachsen, daneben die Vereine, Bürgervereine und Kirchen mit ihren Orten, wo Austausch und Begegnung stattfinden.“ Das klingt bereits nach vielen Gelegenheiten, sei aber nicht genug. Zumindest nicht im öffentlichen Stadtbild. Jungkunz wünscht sich mehr Orte der Begegnung, will auch die vorhandenen sichtbarer machen – für alle Bürger, niemand dürfe von Angeboten ausgeschlossen werden. Diesen Orten muss aber Leben eingehaucht werden. Sprich: Es braucht Menschen – Hauptamtliche und Freiwillige –, die dieses Angebot organisieren. „Auch neue Konzepte zu aufsuchender Beratung von Menschen, die nicht oder nicht mehr mobil sind, sind hier zu nennen.“ Dies alles befinde sich im Fluss. Die Raumnutzungssatzung für öffentliche Gebäude sei da sicherlich zu erwähnen, der Stadtentwicklungsplan 2025, das Bürgerprogramm Demografie oder auch die „Wheelmap“ zur barrierefreien Erreichbarkeit.

Pflege

Kommunen sollten eine koordinierende Funktion für regionale Gesundheits- und Pflegekonferenzen einnehmen, Angebote zur Gesundheitsförderung „in stärkerem Maße lebensweltorientiert“ sein, wie es laut Bericht heißt.

„Dass es in Oldenburg fünf Wohngemeinschaften gibt, in denen Menschen mit Demenz selbstbestimmt leben, ist im Niedersachsenvergleich herausragend“, sagt Susanne Jungkunz, verweist dazu auf den Behindertenbeirat, die Seniorenvertretung und vor allem auf das Oldenburger Bündnis Pflege, das seit August 2017 existiert und pflegerelevante Themen für Oldenburg diskutiert, aber auch Empfehlungen für den Sozialausschuss vorbereitet: „Fehlbedarfe in Kontext Pflege sollen zügig erkannt, Lösungen erarbeitet und Umsetzungen erfolgen“, erklärt sie. „Was wir brauchen, ist mehr ambulante Unterstützung in Pflegesituationen, die verlässlich für die Menschen da ist.“ Auch moderne Wohnprojekte, die solidarisch und bezahlbar gestaltet sind, gäbe es noch nicht genug. Erst recht nicht angesichts der möglichen Auswirkungen des demografischen Wandels.

Vermittelnde Kommune

Die Kommunen sollten laut Altenbericht „Impulse für Entwicklungen“ setzen und „Rahmenbedingungen dafür schaffen, Akteure zusammenzubringen“, „ Anreize zur Kooperation schaffen“ und „ Beziehungen zwischen den Akteuren moderieren“. Dazu bedarf es allerdings auch einer stärkeren Unterstützung der Kommune durch Bund und Länder. Nicht gerade ein alter Hut, für Oldenburg aber sicherlich auch kein Neuland, wie die „guten Erfahrungen in Bürgerbeteiligungsprozessen“ (Jungkunz) zeigten. Sie nennt beispielhaft „das Bürgerforum Demografie, den Aktionsplan Inklusion oder die Beteiligungsmöglichkeiten bei Stadtentwicklungsvorhaben wie beim Fliegerhorst“. Und: „Auch im inklusiven Quartier Neu-Donnerschwee erleben wir, wie viel eine engagierte Bürgerschaft bewegen kann, wenn sie ,einfach macht’ und dabei von der Kommune unterstützt wird.“ Genügt dies alles denn für eine Zukunftsfähigkeit der Stadt während dieses demografischen Wandels?

„Was wir brauchen ist eine neue Kultur der Zusammenarbeit aller Beteiligten auf Augenhöhe“, gibt Susanne Jungkunz zu Protokoll. „Die sozialen Fragen werden wir nur gemeinsam im Netzwerk mit Betroffenen, Trägern und Vereinen beantworten können. Aufgabe der Kommune ist es dabei, die Netzwerke so zu unterstützen und zu begleiten, dass niemand fehlt, dass alle Aspekte der Problemlösung ausgewogen zum Tragen kommen, dass Kompromisse gefunden werden – und wenn nicht, dass doch transparente Erläuterungen erfolgen.“

Das alles klingt irgendwie nicht neu, scheint angesichts der fortgeschrittenen Diskussion nun doch ungleich nötiger. Vielleicht ist ja gerade jener gesellschaftliche Druck nun die bestmögliche Basis, um „mehr und miteinander statt übereinander“ zu reden, wie Jungkunz es sich in diesem „Lernprozess für alle Beteiligten“ erhofft.

Vielleicht heißt’s ja am 14. Februar, nachdem der Altenbericht im Stadtmuseum vorgestellt und diskutiert wurde, schon „Daumen hoch“?

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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