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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Berührt von Mahatma Gandhi

16.10.2019

Oldenburg Ist es in Deutschland wirklich so kalt? Nepal Loth hat diese Frage nicht losgelassen. Der Inder wollte Land und Leute kennenlernen, hat seine Koffer gepackt und das bundesrepublikanische Klima selbst überprüft.

1964 war das. Seitdem lebt Nepal Lodh hier. Weniger, weil es so schön kühl ist. Der ungelernte Kraftfahrzeughandwerker hat an einer deutschen Uni Klinische Psychologie und Interkulturelle Kommunikation zu studieren begonnen. Dann hat er geheiratet, eine Tochter bekommen – und Interesse geweckt. Verschiedene Lehraufträge und sein Wissen über Yoga führten Nepal Lodh schließlich nach Oldenburg, wo er an der Volkshochschule verschiedene Kurse gab. „Der Wissenshunger auf Indien war enorm“, erinnert sich der heute 76-Jährige. Zu erzählen hat er viel: „Mit vier Jahren habe ich Mahatma Gandhi getroffen. Er ging mit ausgebreiteten Armen durch die Menge und auf einmal legte er seine Hand auf meinen Kopf.“ Kurze Zeit später, 1948, wurde der Pazifist und Widerstandskämpfer ermordet. Bei Nepal Lodh hinterließ er eine lebenslange Bewunderung und Verehrung.

Reihe für Gandhi

Am 2. Oktober wäre Mahatma Gandhi 150 Jahre alt geworden: Ein guter Grund, ihm eine Veranstaltungsreihe zu widmen, findet Nepal Lodh. Als Vorsitzender der Deutsch-Indischen-Gesellschaft Oldenburg steht ihm dafür das Kulturzentrum PFL offen. Gegründet hat er den Verein Anfang der 80er. Mittlerweile gehören der Vereinigung über 60 Mitglieder an. Die meisten sind Deutsche – „etliche Studenten“, freut sich der Dötlinger. Vier Inder gehören ebenfalls zum festen Kreis.

Yoga als Embryo

Von seinen Landesgenossen leben nur wenige in der Region. Für Nepal Lodh kein Problem: „Ich bin Weltbürger – ich fühle mich überall zuhause“, sagt er. Seine Frau ist Deutsche. Wenn ihr Gatte am Herd steht, gibt es traditionell indische Küche: rote Linsen mit Blumenkohl, Kartoffelcurry, Möhren. Nepal Lodh ist wenig Fleisch. Aus Überzeugung. Regionale Gerichte schmecken dem 76-Jährigen aber auch: Grünkohl und all die guten Eintöpfe. Zwei bis dreimal im Jahr reist Nepal Lodh nach Indien, besucht seine Brüder und Schwestern im Osten des Landes. Geboren wurde er in der Nähe von Kalkutta als Sohn eines Anwalts und Landwirts als eines von elf Kindern. „Reich waren wir nicht. Aber wir kamen über die Runden“, sagt er.

Indien in Oldenburg          – Gandhi-Ausstellung und Konzert im PFL

Gegründet wurde die Deutsch-Indische Gesellschaft 1953 zur Pflege der Beziehungen zwischen den Ländern, ihr gehören 34 Zweiggesellschaften mit rund 3500 Mitgliedern an. Seit 1981 gibt es eine Oldenburger Vereinigung, die sich zur Aufgabe gemacht hat, indische Kultur zu vermitteln, fortzubilden und ins Gespräch zu kommen.

Die Ausstellung der Deutsch-Indischen Gesellschaft Oldenburg widmet sich in Bildern und Vorträgen dem indischen Friedenskämpfer Mahatma Gandhi (1868 - 1948). Eröffnet wird die Schau diesen Freitag, 17.30 Uhr im PFL. Zu sehen sind die Werke bis 1. November (zu den Öffnungszeiten montags, dienstags, donnerstags, freitags von 11 bis 19 Uhr und Samstag zwischen 11 und 14 Uhr.) Der Eintritt ist frei.

Zur Finissage am Freitag, 1. November gibt es ab 19.30 Uhr ein Sitar-Tabla-Konzert. Karten für 10 Euro gibt es an der Abendkasse.

Kontakt zur Oldenburger Gesellschaft unter: Telefon  04432/353.

Nepal Lodh nimmt das Leben, wie es ist. Vielleicht liegt es daran, dass er schon als Embryo Yoga gemacht hat – im Bauch seiner Mutter, einer Yogalehrerin. Aufgewachsen ist der 76-Jährige in einem Ashram, einer Art Kloster. Bis zum 16. Lebensjahr lernte er die hohe Kunst der Meditation.

Bis heute verfolgt er die Philosophie eines gewaltfreien Lebens – „im Sinne Mahatma Gandhis.“ Den friedlichen Kampf seines großen Meisters hat Nepal Lodh über Jahre zurückverfolgt. Eine Reise als Lehrender für Friedensmeditation nach Kapstadt zum Parlament der Weltreligionen brachte ihn 1999 mit Nelson Mandela zusammen „dem Gandhi Südafrikas“. Zweimal traf er den Dalai Lama. „Der lacht viel“, sagt Nepal Lodh.

Haufenweise Zeitungsberichte zeigen ihn auf Fotos mit weltberühmten Persönlichkeiten, aber Nepal Lodh hält nichts von Eitelkeiten. Täglich zwei Stunden Yoga hinterlassen Spuren. „Ich bin gelassener“, sagt der 76-Jährige. Gegen Straßenlärm und motzende Mitmenschen ist er gewappnet: „Man darf das alles nicht so an sich an sich ran lassen – je mehr ich mich über etwas aufrege, desto unerträglicher wird es“, sagt er – „ich lebe und erlebe intensiver“. Und doch gibt es Dinge, über die er verzweifelt: „tagtägliche Gewalt“.

Altern in Indien

Dass die Jugend seit neuestem lautstark auf die Klimaproblematik aufmerksam macht, begrüßt der zweifache Opa. Mehr Bewusstsein und Ordnung findet er gut, allerdings „ist die Schule genauso wichtig, wie die Umwelt“. Sein Motto: „täglich for Future“. Irgendwann einmal kann Nepal Lodh sich vorstellen zurück nach Indien zu ziehen. „Später. Als Alterswohnsitz“, sagt der 76-Jährige. Das mit den niedrigen Temperaturen in Deutschland hat er inzwischen hinlänglich überprüfen können. „Mittlerweile ist es nicht mehr so kalt“, sagt Nepal Lodh. Ob das gut oder schlecht ist, will der Yogi nicht beurteilen. Es ist, wie es ist.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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