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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Kleine Bäumchen sorgen in Oldenburg für großen Ärger

15.02.2019

Oldenburg Ein Anwohner pflanzt Bäumchen, die Stadt sagt, sie müssen weg: Auf den ersten Blick geht es nur um das Anliegen eines einzelnen Bürgers. Beim genaueren Hinsehen zeigt sich aber, dass das Problem viele Oldenburger betrifft. Es geht um die Grünstreifen entlang vieler Nebenstraßen und die Frage, wie man sie schützen kann.

Beispielhaft in den Fokus rückt nun der Fall eines Anwohners aus der Röntgenstraße in Kreyenbrück, der namentlich nicht genannt werden möchte. Aber sein Anliegen wird auf Antrag der Gruppe Linke/Piraten am kommenden Montag im Verkehrsausschuss diskutiert.

Grünflächen schützen

Kommentar

Patrick Buck

Mal ehrlich: Dass die kleine Nebenstraßen wie die Röntgenstraße in nährer Zukunft ausgebaut werden und einen schönen Bürgersteig erhalten, das glaubt doch kein Mensch. Was spricht daher dagegen, die Grünflächen zu schützen? Für viele Hausbesitzer, deren Herz an ihrem Eigenheim hängt, gehört der Rasen vor dem Haus schließlich zum Gesamtbild dazu. Natürlich sollte nicht jeder wild durch die Gegend pflanzen dürfen. Aber Pflanzungen unter Vorgaben wie Abständen zum Fahrbahnrand oder Art des Strauchs sollten ermöglicht werden. Verbunden mit einem Patenschaftsmodell, dass die Anwohner zur Pflege verpflichtet, könnte das ein Kompromiss sein, mit denen allen gedient ist. Und die Abmachung kann ja soweit gehen, dass die Anwohner die Pflanzen auch wieder entfernen müssen, falls doch ein Straßenausbau kommt.

Patrick Buck hält das Verhalten der Stadt für falsch.

Die Geschichte spielt in einer Straße, die wie so viele in Oldenburg vor Jahrzehnten nur provisorisch ohne Bürgersteige, sondern mit Grünstreifen angelegt worden war. Das Stück Grün gehört rein rechtlich der Stadt, doch schon aus optischen Gründen hegen und pflegen es viele Anlieger, als wäre es Teil des eigenen Gartens. Denn die Stadt mäht hier nur einmal jährlich auf Antrag. Daher legt auch der besagte Anwohner aus der Röntgenstraße lieber selbst Hand an.

Allerdings kam es zu seinem Ärgernis immer wieder vor, dass der Rasen beschädigt wurde: durch parkende Fahrzeuge oder durch Autos und manchmal Lastwagen, die eine Abkürzung suchen und dabei das Grün überfahren. In vielen Straßen klagen Anwohner über ähnliche Probleme. Mitunter wird versucht, das Überfahren des Bereichs mit dem Aufstellen von Blumenkübeln oder Findlingen zu unterbinden – was auf öffentlichem Grund aber nicht einfach so erlaubt ist.

Auch in der Röntgenstraße reagierte der Anwohner irgendwann auf das Ärgernis. Zuerst beantragte er Leitpfosten, was die Stadt ablehnte. Im vergangenen Frühjahr dann pflanzte er ohne Genehmigung drei Zwergbirnen (Wuchshöhe 60 Zentimeter), die er sowohl optisch für angemessen hält, die aber auch ihren Zweck erfüllen. Der Rasen blieb heil, und doch blieb aufgrund des Abstands zum Asphalt Platz, um im Notfall ein bisschen auf den Rasen ausweichen zu können. Das aber gefiel der Stadt nicht. In einigen Schriftwechsel forderte die Verwaltung mehrfach, dass die Bäumchen zu entfernen seien. Die nächste Frist endet am 28. Februar.

Dabei war der Anwohner mit einem Vorschlag an die Stadt herangetreten, um einerseits das Problem des kaputten Rasens zu lösen und andererseits die Stadt nicht mit zusätzlichen Kosten oder Aufgaben zu belasten. So schlug er vor, der Stadt die Bäume zu schenken und sich zugleich über eine Patenschaft zur Pflege zu verpflichten. Er könne sich vorstellen, dass diese Modell, in Verbindung mit klaren Rahmenbedingungen, in der ganzen Stadt funktionieren könnte.

Die Stadt ist da anderer Meinung. Auf NWZ-Anfrage hießt es, dass es sich bei dem Grünstreifen um eine Verkehrsbegleitfläche handelt, auf der nach Straßenverkehrsordnung auch Fahrzeuge parken dürfen. Demnach darf das Grün auch überfahren werden, wenn sich zwei Fahrzeuge entgegenkommen.

Besitz der Allgemeinheit

Kommentar

Jasper Rittner

Wer ein Grundstück kauft, dem gehört das Gelände direkt bis zum Grenzstein. Punkt. Dass manch einer den öffentlichen und der Allgemeinheit gehörenden Grünstreifen gern noch ein wenig eingemeindet, ist nachvollziehbar, aber eben auch nicht korrekt.

So lange es kein Parkverbot gibt, dürfen nämlich auf den Grünstreifen in kleinen Straßen Autos parken. Auch, wenn das manch einem Anwohner nicht gefällt. Autos mit Bäumchen, Büschen oder Findlingen fern zu halten, ist eine Form der Selbstjustiz. Vor allem Findlinge können zum Problem werden, wenn mal ein Autofahrer in der Dunkelheit ausweichen muss und die Dinger übersieht. Dass die Stadt hier einschreitet, ist richtig. Denn Nachahmer dürfte es viele geben.

Übrigens: Dass Anwohner Grünstreifen hinterm Zaun mitmähen, ist ja durchaus auch in ihrem Interesse.

Jasper Rittner hält nichts von Selbstjustiz

„Die Seitenstreifen werden darüber hinaus bei einem eventuellen zukünftigen Straßenausbau für die Anlage von öffentlichen Gehwegen gebraucht. Diese öffentlichen Belange lassen sich nicht mit den Privatinteressen eines Anliegers in Einklang bringen“, heißt es weiter. Darüber hinaus halte man die Zwergbirne als Anpflanzung im öffentlichen Raum für „ungeeignet“.

Die Gruppe Linke/Piraten hält dieses Vorgehen der Stadt für „weder angebracht noch verhältnismäßig“ und bringt das Thema daher in den Verkehrsausschuss (Montag, 18. Februar, 17 Uhr, Technisches Rathaus, Industriestraße 1a, Zimmer 245/246). Sie fordert die Verwaltung auf, eine einvernehmliche Lösung zu suchen.

Patrick Buck Redakteur / Redaktion Oldenburg
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