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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Am Ferienfreitag gehen die Opas auf die Straße

13.04.2019

Oldenburg Fünfzig. Plusminus. In Ziffern: 50. Diese Zahl entspricht nun nicht unbedingt dem, was sich die Seite der Demonstranten für diesen jüngsten „Friday for Future“ auf dem Schlossplatz erhofft hatte. Und sie erfüllt gewiss auch nicht die Hoffnungen, die sich viele andere Menschen in Oldenburg gemacht hatten. Vielmehr untermauert sie jene Häme, die Kritiker seit Wochen landauf landab geäußert hatten. Das ist aus Schüler- und Bürger-Sicht die schlechte Nachricht zum Klima-Protest.

Eine gute gibt es dennoch: Wenn die Enkel ihren knappen Osterurlaub mit der Familie fernab verbringen müssen und dürfen, gibt es ja noch Oma und Opa, die für den Klimaschutz und ihnen nachfolgende Generationen streiken wollen. „Hier werden leider Klischees bedient, das war zu befürchten“, sagt da ein älterer Herr, „aber die Sache selbst und auch die Ausführung sind richtig.“

„Nicht ausbremsen“

Rund 800 Demo-Teilnehmer hatten die Protestler auch für diesen Freitag wieder angekündigt. Diesmal sollte es nicht nur lokale Redebeiträge zum globalen Thema geben, sondern auch Workshops, Musik, Spielecken und Offene Bühnen. Alles auf dem Schlossplatz. Dazu noch Sitzstreiks vor dem Rathaus, wie es in einer halbinternen Ankündigung hieß. Das alles hatten die Streik-Organisatoren so der Stadt vorher allerdings nicht angekündigt.

Dort war offenbar erneut nur die Rede von einer Versammlung (das vom Versammlungsrecht gedeckt ist) mit Stichwort Klimaschutz, nicht aber von einer Veranstaltung, die wiederum andere Auflagen erforderlich macht. Da die Demonstrantenseite am späten Donnerstagnachmittag nicht mehr entsprechend reagieren konnte, wurden Workshops und Aktionen abgesagt. „Grundsätzlich hegen wir große Sympathien für die Aktion der Schüler, sich fürs Klima einzusetzen“, heißt es dazu aus der Stadtverwaltung. Man wolle nichts ausbremsen, konnte aufgrund eines Missverständnisses im Austausch aber auch nicht alles genehmigen.

Treffen beim Oberbürgermeister

Ja, die Enttäuschung war da den Streikenden – jungen wie älteren – ins Gesicht geschrieben. Aber nein, böse war man der Stadt offenbar nicht. „Wir haben aneinander vorbeigeredet, Schuld hatte keiner“, hieß es da auf dem Schlossplatz ganz generös. Also wurde sich wieder auf Redebeiträge beschränkt, und das durchaus gezielt. „Nicht nur Auswirkungen bekämpfen, sondern über Gründe und Ursachen reden“, hieß es da nicht minder, „der Protest muss grundsätzlich werden.“

Michael Beutling, ein Vertreter aus der älteren Generation, stellte sich Masse und Mikro ebenso, rief den jungen Leuten zu: „Kinder, seid der Stachel im Fleisch der Gesellschaft, lasst Euch keinen Friedensnobelpreis schenken, sondern nehmt Ärger in Kauf! Ihr seid supertapfer!“

Kleine Dinge machen Mut

Das galt wohl auch insbesondere für Lea-Sophie Freymuth von der Grundschule Kreyenbrück. Die Neunjährige traute sich tatsächlich aufs Podest und rief dort zu einer privaten Müllsammelaktion am Samstag auf, verteilte passende selbstbeschriftete Flyer dafür. Es sind halt die kleinen Dinge, die bei dieser riesigen, stets angemahnten Aufgabe Mut machen können.

Apropos: OB Jürgen Krogmann plant, die Demonstranten bald ins Rathaus einzuladen. Ein Termin werde noch abgestimmt, heißt es aus dem Presseamt.

Die Schülerproteste kommentiert der Autor dieses Textes:

Enttäuschend, trotzdem ein Gewinn

Eigentlich ist’s ein Jammer. Denn genau das galt es doch zu vermeiden: Dass eher über Formalia, denn über Inhalte geredet wird. Dass nicht die Politik und das eigene unbedachte Umweltverhalten im Fokus der Kritik stehen, sondern nur etwaige Fehlstunden in Mathe. Und dass Häme über Schülerinnen und Schüler ausgeschüttet wird, die freitags für ihre und die Zukunft aller Menschen protestieren wollen. Bislang war’s doch so: Streiten sie fürs Klima, werden sie belächelt und kritisiert. Stellen sie konkrete Forderungen, ist’s nicht viel anders. Und werden jetzt also nicht Schulstunden, sondern die Freitagsdemo „geschwänzt“, kommt das bei Kritikern erst recht nicht an.

Gründe zur Erklärung jener enttäuschenden Teilnehmerzahlen gibt es durchaus einige. Da ist die kurzfristige und in Schülerkreisen schnell herum gesprochene Absage des Aktionstages. Da sind aber auch die Ferien – jene seltene Zeit, in der Eltern auf ihrem „Umgangsrecht“ und gemeinsame Urlaubstage bestehen. Doch auch für die Proteste selbst gibt es Gründe, mehr als genug.

Vielleicht sind die „Fridays for future“ ja bald Geschichte, vielleicht Demonstranten wie Kritiker gleichermaßen vom anderen genervt. Aber die Proteste und Anliegen bleiben im Kopf. Und das ist doch schon ein Gewinn für uns alle.

Trotzdem

ein Gewinn

Kommentar

Marc Geschonke

Eigentlich ist’s ein Jammer. Denn genau das galt es doch zu vermeiden: Dass eher über Formalia, denn über Inhalte geredet wird. Dass nicht die Politik und das eigene unbedachte Umweltverhalten im Fokus der Kritik stehen, sondern nur etwaige Fehlstunden in Mathe. Und dass Häme über Schülerinnen und Schüler ausgeschüttet wird, die freitags für ihre und die Zukunft aller Menschen protestieren wollen. Bislang war’s doch so: Streiten sie fürs Klima, werden sie belächelt. Stellen sie konkrete Forderungen, gibt’s Kritik. Und werden jetzt also nicht Schulstunden, sondern die Freitagsdemo „geschwänzt“, kommt das bei Kritikern erst recht nicht an. Gründe zur Erklärung jener enttäuschenden Teilnehmerzahlen gibt es einige. Da ist die kurzfristige und in Schülerkreisen schnell herumgesprochene Absage des Aktionstages. Da sind aber auch die Ferien – Zeit, in der Eltern auf ihrem „Umgangsrecht“ und gemeinsame Urlaubstage bestehen. Doch auch für die Proteste selbst gibt es Gründe, mehr als genug. Vielleicht sind die „Fridays for future“ ja bald Geschichte, vielleicht Demonstranten wie Kritiker gleichermaßen vom anderen genervt. Aber die Anliegen bleiben im Kopf. Und das ist doch ein Gewinn für uns alle.

Marc Geschonke über die Schüler-Proteste

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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