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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Star-Schiri Urs Meier pfeift den Gildeabend

29.01.2019

Oldenburg Spannend geht es beim Gildeabend der Gesellschaft Union schon von Anfang an zu. Eine Tischordnung für die 400 Gäste aus der Oldenburger Wirtschaft gibt es nicht, es wird ausgelost, wer neben wem sitzt. Weniger überraschend ist da schon der Kern der Vorstandsrede. Denn dabei geht es zumeist auch darum, was in Oldenburg besser laufen könnte, um es mal diplomatisch auszudrücken.

Unions-Vorsitzende Uta Jack machte da auch bei der 67. Auflage des Kohlessens keine Ausnahme. Nach einem Seitenhieb zur Streitkultur der Berliner Groko („Das brachte fast die Regierungskoalition in den plötzlichen Kindstod“) folgte ein Abstecher zum Fall Maaßen und dem populistischen Geschäftsmodell einer namentlich nicht näher erwähnten aber klar zu identifizierenden Partei. Auch die SPD wurde noch bedacht. „Da wird der Mindestlohn von 8,84 Euro auf 9,19 Euro im Kabinett erhöht, gleichtägig aber fordert der Vizekanzler die Anhebung auf zwölf Euro.“

Und dann war Jack schon in Oldenburg. „Was übersprudelnde Steuertöpfe bewirken können, erleben wir nicht nur auf Bundesebene“, meinte sie mit Blick zum OB. Auch Oldenburg erfreut sich höherer Einnahmen als erwartet. „Aber diejenigen, denen das Wort Sparen kein Fremdwort ist, sind eher die einsamen Rufer.“ Angesichts einer langfristigen Verschuldung Oldenburgs von 230 Millionen Euro sollte auch jede Ausgabe auf ihre Folgekosten hin überprüft sein, ehe sie „investiert“ wird. „So hege ich zum Beispiel Zweifel an den versprochenen touristischen Impulsen eines neuen Stadtmuseums.“

Sorge macht der Gesellschaft Union auch die Fluktuationskrise in der Innenstadt. „Es ist erschreckend, wenn zeitweise auf der kleinen Runde von Lange Straße über Schütting- und Achternstraße bis zu zehn leer stehende Ladenlokale zu zählen waren“, so Jack. Sie empfahl Krogmann, mal Kontakt zu den Kollegen in Bayreuth aufzunehmen, die dieses Problem in den Griff bekommen haben.

Ganz besonders am Herzen liegt Architektin Jack die städtebauliche Entwicklung. „Der Presse haben wir entnehmen können, dass Sie mit der amtierenden Dezernentin nicht weiter zusammenarbeiten wollen. Die darauf folgende Kritik hat mich doch etwas gewundert“, so die Unions-Vorsitzende. Die Stadt Oldenburg wächst seit langem, entsprechend der Wohnraumbedarf und damit die Frage, wie dieser zu befriedigen ist. Vor diesem Hintergrund gehört das Thema Nachverdichtung sicher von Beginn an auf die Prioritätenliste der Baudezernentin. Die Öffentlichkeit erfuhr allerdings nur dann etwas, wenn sich Bürger zu Recht empörten, dass in einem Gebiet mit Einfamilienhausbebauung plötzlich Häuser mit einem deutlich größerem Volumen entstanden und den Charakter des Umfeldes veränderten. Dass das zu Protest führt, liegt auf der Hand. Hier mit erhöhter Transparenz über Notwendigkeit, Vor- und Nachteile einer Nachverdichtung im Vorhinein zu Werke zu gehen, hätte sicher zu mehr Verständnis, ja Konsens beigetragen.

„Und schaue ich mir die Bebauung des Stadthafens an, so starren mich Gleichförmigkeit und fehlende Kreativität an. Mutlos nenne ich nicht nur das Resultat, denn in diesem Kerngebiet unserer Stadt galt es, ein großflächiges Areal durchaus als architektonisches Schaufenster zu gestalten“, kritisierte Jack.

Deshalb wünscht sie sich für die Besetzung der Dezernentenstelle jemanden, der sich mit Esprit und Kreativität, der Bereitschaft zum Dialog und dem notwendigen Durchsetzungsvermögen gegenüber dem Rat der Sache widmet.

Eigentlich hätte nun noch das Thema Verkehr gefehlt. „Doch wir sehen uns ja im nächsten Jahr wieder“, gab die Unions-Vorsitzende schon mal einen Vorgeschmack.

Krogmann durfte prompt antworten. Und er wünschte sich manchmal einen Schiri in der Kommunalpolitik. „Vielleicht auch mit gelben Karten.“

Wenn er die Nachrichten über Oldenburg höre, sei es manchmal der blanke Horror. Der Fall Högel, der Schlachthof, „und dann leiden wir am Heiligengeistwall noch unter Erstickungsgefahr“. Doch das sei nicht sein Bild von Oldenburg. Bundesweit sei man die Nummer eins bei der Dynamik, eine Fachzeitschrift schrieb gar vom Silicon Oldenburg.

Gleichwohl sei Sparen wichtig. Aber erstmals schaffe man eine leichte Entschuldung. Gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen seien ein Top-Thema im Rathaus.

Ein anderes Thema ist das Wachstum. 170.000 Einwohner wird Oldenburg noch in diesem Jahr zählen. 180.000 am Ende des nächsten Jahrzehnts. „Wir müssen daher Wohnraum in der Stadt schaffen.“ Die werde seit 2014 massiv getan - mit 6000 neuen Einheiten. 2000 weitere seien in Planung. Das führe aber auch zu Ärger. „Es ist ein Spagat, öfter auch mal mit Leistenbeschwerden“, so der OB.

Eine wachsende Stadt bedeute aber auch wachsenden Verkehr. „Aber wir wollen den ÖPNV auch ins Umland ausbauen.“ Dennoch müsse die Erreichbarkeit mit dem Pkw erhalten bleiben. „Auch Elektroautos brauchen Straßen“. Krogmanns Ziel: in den kommenden Jahren die höhengleichen Bahnübergänge im Stadtsüden ersetzen.

Zum Schluss seiner Rede blickte der OB noch über die Oldenburger Stadtgrenzen hinaus nach Europa. „Bei der Europawahl geht es ums Ganze. Wir müssen verhindern, dass EU-Gegner von rechts oder links das kontinentale Europa ruinieren.“

Nach der traditionellen Kombination aus Reden, Wurst und Rotwein ging es in der zweiten Rede-Halbzeit nicht mehr um Stadt und Politik, sondern ein nicht minder wichtiges Thema: den Fußball. Urs Meier, einer der bekanntesten Schiedsrichter – früher auf dem Platz, heute als TV-Kommentator – war als Festredner aus der Schweiz angereist.

In seiner Multimedia-Schau zeigte er kuriose Szenen und freute sich über den reichlichen Applaus. „Es ist ja nicht normal, dass ein Schiedsrichter Beifall bekommt.“ Ein Höhepunkt für ihn war übrigens auch die WM in Deutschland. „Es war nicht der Fußball, auch nicht das Wetter, sondern ihr Deutschen, die die bisher schönste Weltmeisterschaft ausgerichtet haben.“

Einen ausführlicheren Bericht finden Sie in der Mittwochsausgabe der NWZ und dann auch auf NWZonline.

Jasper Rittner Redaktionsleitung / Redaktion Westerstede/Oldenburg
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