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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Als der Großherzog seine Macht verlor

06.11.2018

Oldenburg Matrosenaufstand in Wilhelmshaven und Kiel, Hundertausende auf den Straßen in Berlin – Revolution, das Ende des Kaiserreichs, das Ende der Monarchie, das Ende des Ersten Weltkriegs. Und in Oldenburg? Nimmt man Anteil am Geschehen, allerdings ohne allzu große Aufgeregtheiten.

Zumindest ist in den Überlieferungen nicht die Rede davon, dass sich Tausende auf den Weg zum Schloss machten, um Großherzog Friedrich August von Oldenburg zu vertreiben. Im Gegenteil, eine Abordnung des Wilhelmshavener Soldatenrates fragte am 8. November 1918 höflich nach, ob man auf dem Elisabeth-Anna-Palais und auf dem Schloss die Rote Fahne hissen dürfte. Man durfte, der Großherzog stimmte diesem revolutionären Zeichen persönlich zu – es blieb ihm wohl angesichts der politischen Entwicklung im Deutschen Reich auch nichts anderes übrig.

Doch den Oldenburgern passte das nicht. Der hiesige Arbeiter- und Soldatenrat, der von den revolutionären Matrosen nicht gefragt und einbezogen worden war, sorgte dafür, dass die Rote Fahne zumindest vom Palais wieder heruntergeholt wurde. Dem Großherzog wolle man einen derartigen Affront nicht zumuten, hieß es zur Begründung. Und überhaupt, Wilhelmshaven – das hatte ja noch nicht einmal zum Großherzogtum dazugehört.

Endgültig verscherzte es sich der Wilhelmshavener Arbeiter- und Soldatenrat mit den Oldenburgern, als er am 10. November eine „Republik Oldenburg-Ostfriesland“ ausrief. Präsident sollte der Obermatrose Bernhard Kuhnt werden. Das wiederum missfiel dem Oldenburger Landtag, in dem bürgerliche und sozialdemokratische Parteien vertreten waren. Diese gemäßigten Kräfte wollten den Übergang von der Monarchie zu einer parlamentarischen Staatsform möglichst reibungslos schaffen. Großherzog Friedrich August unterzeichnete jedenfalls am 11. November seine Abdankungsurkunde.

Der Oldenburger sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Paul Hug war zuvor nach Wilhelmshaven gefahren, um die Lage zu erkunden. Er kehrte nach Oldenburg mit der Befürchtung zurück, dass der Arbeiter- und Soldatenrat vom Jadebusen in großer Zahl nach Oldenburg fahren würde, um den Großherzog zu vertreiben. Mit seiner Abdankung kam Friedrich August diesem Plan zuvor, behielt allerdings seine Besitztümer und Ländereien.

So weit, so gut. Doch Hug befürchtete, dass das Machtvakuum vom Wilhelmshavener Arbeiter- und Soldatenrat, der eine Räterepublik Oldenburg-Ostfriesland gründen wollte, gefüllt wurde. Aus Oldenburger Sicht in jeder Hinsicht ein unvorstellbarer Gedanke. Hug machte sich vom Großherzog kommend auf den Weg zum Landtag am Dobben, wo er die Vertreter der Sozialdemokratie, der Liberalen und des Zentrums nicht lange überzeugen musste. Ein Landesdirektorium wurde gegründet, dem die großherzoglichen Minister Scheer und Graepel sowie Vertreter der Parteien angehörten. Das ehemalige Großherzogtum hatte fünf Stunden nach der Abdankung eine provisorische Regierung. In die Karten spielte den gemäßigten Kräften, dass sich die Wilhelmshavener und Oldenburger Arbeiter- und Soldatenräte nicht grün waren. 

Oldenburg war praktisch ein Spiegelbild der Ereignisse in Berlin, wo Stunden nach der Abdankung des Kaisers sowohl durch den Sozialdemokraten Philipp Scheidemann als auch durch den Spartakus-Führer Karl Liebknecht eine deutsche Republik ausgerufen worden war . Als der Sachse Bernhard Kuhnt, der vom Arbeiter- und Soldatenrat Wilhelmshaven zum „Präsidenten der Republik Oldenburg-Ostfriesland“ bestimmt worden war, in Oldenburg ankam, war es schon zu spät. Im Landtag stellte man ihm die neue „Revolutionsregierung” als „Direktorium” vor. Kuhnt war zwar bereits revolutionärer „Präsident“, aber er hatte gar keine „Regierung“ oder „Minister“. Als am 11. November 1918 um 17 Uhr der Landtag zusammentrat, ließ er sich dennoch zum „zeitigen Präsidenten“ eines neuen „Freistaats Oldenburg” wählen, an dessen Spitze sich das von Paul Hug initiierte „Direktorium” als  eine  Art Regierungs-Mannschaft stellte. Von einer „Republik Oldenburg-Ostfriesland” – von der übrigens die Ostfriesen auch gar nichts wissen wollten – war keine Rede mehr.

Das konservative Bürgertum in Oldenburg und auch in Ostfriesland fühlte sich nach dem Chaos der Jahre 1918/19 beruhigt und ließ sich wohl am besten auf eine Formel des Historikers und Publizisten Joachim Fest bringen. „Der Krieg war aus, der Kaiser weg und das Unwesen der Soldatenräte zu Ende.“


Ein Spezial finden Sie unter   www.nwzonline.de/matrosenaufstand 
Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2104

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