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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Kriegserlebnisse für jeden nachlesbar

27.12.2018

Oldenburg Rund 400 Regimenter hat es bei der preußischen Armee im Ersten Weltkrieg gegeben, drei davon alleine in Oldenburg. „Ein Regiment zu haben, war damals ein Privileg, fast so wie ein Bahnhof“, sagt Dr. Christian Westerhoff, Leiter der Bibliothek für Zeitgeschichte in der Württembergischen Landesbibliothek. „Dass Oldenburg gleich drei Regimenter hatte, ist etwas Besonderes.“

Nach 1918 entschied das damalige Reichsarchiv in Potsdam, von jedem Regiment – oder selbstständigem Bataillon – so genannte Erinnerungsblätter zu erstellen: gebundene Bücher mit militärischen Fakten zum Kriegsverlauf, Erinnerungen und Tagebucheintragungen der Soldaten, Fotos, Zeichnungen. Verfasst wurden sie in den meisten Fällen von ehemaligen Offizieren aus den jeweiligen Regimentern. Und sie enthalten Inhalte von Militärakten aus dem Preußischen Heeresarchiv in Potsdam. Das ist deshalb besonders wertvoll, weil ein Großteil dieser Akten bei einem Bombenangriff im Jahr 1945 unwiederbringlich zerstört worden waren.

Gute Kontakte

Knapp 400 von diesen Erinnerungsblättern hat der Oldenburger Gerhard-Stalling-Verlag herausgegeben, der im Jahr 1983 seine Geschäfte aufgab. Den Zuschlag hat er womöglich den guten Kontakten zu Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg zu verdanken, der selber eines der Oldenburger Regimenter kommandiert hatte. Die Oldenburger Erinnerungsblätter – und alle anderen Ausgaben, die im Bestand der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart sind – werden aktuell dort digitalisiert. Damit stehen sie dann allen Interessierten online zur Verfügung (siehe Infobox) und – was womöglich noch wichtiger ist – können so der Nachwelt erhalten werden. Denn das alte Papier enthält, wie damals üblich, Säure. Die Bücher lösen sich nach und nach auf.

Digitalisieren heißt, die Bücher werden abfotografiert – Seite für Seite. Zur Not händisch, im Normalfall mit einer eigens dafür entwickelten Maschine, die die Seiten einzeln ansaugt und selbstständig umblättert. Fotografiert werden auch Buchdeckel und Buchrücken, unabhängig davon, ob dort etwas draufsteht oder nicht. „Das ist heute Standard“, sagt Westerhoff.

Interessant seien die Bücher für Wissenschaftler oder Hobby-Historiker gleichermaßen, sagt Westerhoff. Ein Heimatforscher beispielsweise habe sich jüngst durch alle verfügbaren Erinnerungsblätter gearbeitet, um eine möglichst vollständige Liste von gefallenen Soldaten aus dem Oldenburger Münsterland zu erstellen. Auch bei der Suche nach verschollenen Menschen oder nach Gräbern können die Bücher helfen. „Das Thema ist ja noch lange nicht abgeschlossen, auch wenn der Krieg schon 100 Jahre vorbei ist.“

Persönliche Einträge

Auch gäben die Bücher einen spannenden Einblick in die Mentalität und Gefühlswelt dieser Zeit. Mit rund 3000 Soldaten seien die Regimenter vergleichsweise kleine Einheiten mit großem Zusammenhalt der Soldaten – vergleichbar mit einer Dorfgemeinschaft – gewesen, entsprechend persönlich seien viele Einträge.

Die Bücher, die kurz nach dem Krieg verfasst worden seien, seien mit 100 bis 150 Seiten vergleichsweise dünn und beschränkten sich oft nur auf die reinen militärischen Fakten. Spätere Ausgaben kämen schon mal auf 500 und mehr Seiten und enthielten dann viele persönlichen Input von Soldaten. Gleich nach dem Krieg hätten die Menschen keine Lust gehabt, sich gedanklich mit dem Krieg zu beschäftigen, erklärt Westerhoff.

Hinzu sei die wirtschaftliche Not gekommen, die ihnen auch kaum den Raum dazu gelassen hätte. Das änderte sich später. Von dem Band zum Oldenburgischen Dragoner-Regiment Nr. 19 habe es deshalb nach der Ausgabe aus dem Jahr 1922 fünfzehn Jahre später einen ganz neuen Band gegeben.

Katja Mielcarek Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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