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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Warum die Politik mehr Frauen braucht

17.04.2019

Oldenburg Im Oldenburger Rat sitzen 30 Männer und 20 Frauen. Der Frauenanteil von 40 Prozent ist vergleichsweise hoch: Durchschnittlich belegen Frauen in niedersächsischen Kommunalparlamenten nur 24 Prozent der Mandate. Für Wiebke Oncken, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Oldenburg, ist die verhältnismäßig hohe Frauenquote im Oldenburger Rat jedoch kein Grund zum Jubeln: „Wir sind schon sehr weit vorne, aber das kann bei der nächsten Wahl wieder ganz anders aussehen.“ Frauenrechte müssten immer wieder neu erkämpft werden, da dürfe man sich nicht darauf ausruhen, was schon erreicht wurde. Und damit auch in den nächsten Oldenburger Rat bei den Kommunalwahlen im Herbst 2021 möglichst viele weibliche Mitglieder gewählt werden, ermuntert sie Frauen, bei dem Mentoringprogramm „Frau.Macht.Demokratie.“ mitzumachen.

Start durch Mentorin

Das Programm des Niedersächsischen Sozialministeriums soll helfen, den Frauenanteil in der Politik zu erhöhen. Eine, der dieses Programm zu einem Senkrechtstart in der Oldenburger Kommunalpolitik verholfen hat, ist Christine Wolff. Vor rund fünf Jahren war die heute 60-Jährige noch unerfahren in der aktiven Politik. Jetzt ist sie nicht nur Oldenburger Ratsfrau bei den Grünen: Als eine von drei Bürgermeisterinnen vertritt Wolff den Oberbürgermeister bei repräsentativen Aufgaben. Geliebäugelt hatte Wolff mit der Politik lange zuvor, schon mit Ende Zwanzig wollte sie gerne in die Politik. „Aber die Lebensumstände haben nie gepasst“, erzählt Wolff.

Und dann, irgendwann 2014, war da diese kurze Meldung in der NWZ: „Politik braucht Frauen!“. So hieß das Mentoringprogramm zu den Kommunalwahlen 2016. Für Christine Wolff war diese Meldung ein Zeichen zur richtigen Zeit. Und sie bewarb sich. Fünf Jahre später sagt sie, den Schritt habe sie nie bereut.

Ein Jahr lang konnte sie an der Seite ihrer Mentorin Sinje Eichner (Grüne) Kommunalpolitik aus nächster Nähe kennenlernen. Wolff spricht davon, „im geschützten Raum“ zu erfahren, was Ratsarbeit bedeutet: Wie viel Zeit es kostet die Arbeit als Ratsfrau? Welche Themen werden debattiert? Habe ich überhaupt eine Chance, meine Themen durchzusetzen? Wie gehe ich damit um, wenn ich auf offener Bühne angegriffen werde, ich von Männern als „Weichei“ beschimpft werde?

Diplomatie und Taktieren

Dazu zählte auch die Erkenntnis, dass zähes Ringen, Taktieren, diplomatisches Vorgehen in der Politik notwendig seien. „Das hat viele davon abgehalten, sich nach dem Mentoringjahr zur Wahl zu stellen“. Wolff nicht. Zwei weitere Teilnehmerinnen des Mentoringprogramms wurden 2016 in den Oldenburger Rat gewählt.

Das Mentoringprogramm startet nun in die sechste Runde. Seither hätten viele Frauen darüber ihren Weg in den Oldenburger Rat gefunden, erzählt Wiebcke Oncken. Längst nicht alle Teilnehmerinnen landen am Ende im Kommunalparlament. Sie müssen schließlich erst noch gewählt werden. Und auch nicht alle wollen das. Doch genau dafür ist das Programm da: zum Reinschnuppern. „Es ist eine ideale Möglichkeit, ganz nah ranzukommen, sich die Ratsarbeit aus nächster Nähe und in Ruhe anzugucken und dann zu entscheiden: Möchte ich das wirklich?“, sagt Oncken.

Das Programm helfe auf vielen Ebenen, auch jenseits der Ratspolitik, Frauen für ihr Engagement im öffentlichen Bereich zu stärken, sagt Wiebke Oncken. Viele ehemalige Teilnehmerinnen seien etwa parteiintern oder in Vereinsvorständen aktiv geworden.

Doch weshalb ist es überhaupt wichtig, dass mehr Frauen in Kommunalparlamenten sitzen? „Frauen sind die Hälfte der Wählerschaft. Deshalb dürfen sie auch zur Hälfte in Parlamenten vertreten sein“, sagt Oncken. Wolff ergänzt: „Damit die Sichtweisen von Frauen in die Politik eingebracht werden.“ Blickwinkel und Themen, mit denen sich hauptsächlich Frauen beschäftigen und die von Männern selten wahrgenommen würden, etwa Kinderbetreuung. „Wenn mehr Frauen im Rat sitzen“, sagt Wolff, „ändern sich die Schwerpunkte.“

Die Stimme erheben

Es gehe jedoch nicht nur darum, dass mehr Frauen im Rat sitzen. „Wenn diese still in der letzten Reihe sitzen, bringt das ja auch nichts. Es geht auch darum, die Stimme zu erheben“, sagt Wolff. Und da habe ihr das Mentoringprogramm sehr geholfen: Rhetorik, Selbstpräsentation, Werbung in eigener Sache, Stärkung des Selbstbewusstseins – auch das lernen die Mentees. Aus gutem Grund, wie Christine Wolff findet: „Frauen werden von den bestehenden Strukturen davon abgehalten, in die Politik zu gehen, weil sie sich nicht mit Männern anlegen wollen, sich dem Machtgerangel nicht aussetzen wollen.“ Männer, die oftmals bereits Gesagtes in ihren Worten wiederholten, um sich zu profilieren, im Gegensatz zu vielen Frauen, „die eher denken, das wurde schon gesagt“ , findet Wolff.

Wiebke Oncken ergänzt: „Die Strukturen in der Politik wurden von Männern gemacht. Frauen konnten bislang wenig an diesen Strukturen ändern.“ Dies gehe eben nur, wenn mehr Frauen in den Parlamenten säßen. Und da helfe es eben nicht, nur zu meckern. „Man muss auch machen, wenn man etwas ändern möchte.“

Und Christine Wolff wird sie sich in dieser Mentoring für eine Nachwuchspolitikerin zur Verfügung stellen? „Selbstverständlich“, sagt sie.

Nathalie Meng Volontärin, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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