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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Menschen aus befreundetem Afrin in Not

24.04.2019

Oldenburg Es sind Bilder des Grauens. Zerbombte Wohnhäuser, eingestürzte Schulen und zertrümmerte Krankenhäuser. Weinende Menschen. Verwundete Männer, Frauen und Kinder. Tote. Es sind Originalaufnahmen aus Nordsyrien, genauer gesagt aus der Stadt Afrin, die auf einer großen Leinwand zu sehen sind. Sie zeigen Menschen, denen eine adäquate Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln, Medikamenten und Strom fehlt. Menschen, die Angst haben. Menschen die alles verloren haben. Drei von ihnen kamen vergangenen Donnerstag in das Café des Vereins Werkstatt-Film und berichten über die desaströse Lage in ihrer Heimatstadt und dem derzeitigen Aufenthaltsort in der Region Shabha, nördlich von Aleppo.

„Wir haben das Gefühl, dass die Welt wegschaut“, sagt Idris Wakka. Er ist Verantwortlicher und Sprecher des Flüchtlingslagers Shabha. „Mit unserem Besuch in Deutschland wollen wir auf uns aufmerksam machen!“ Sie brauchen Hilfe. Bis auf die Hilfsorganisation Medico international würden sich andere Organisationen bisher bedeckt halten. Mit dem Besuch in Deutschland wollen die drei Syrer auf die prekäre Situation in Afrin und Shabha hinweisen.

Um einen rechteckigen Tisch, gedeckt mit Kaffee, Tee und Keksen, sitzt die Delegation – Idris Wakka, Ayse Hiso und Mouchira Manlarachid – mit zwei Lehrkräften aus Oldenburg. Birgit Zwikirsch (Oberschule Eversten) und Christian Katz (IGS Helene-Lange-Schule), Vorsitzende des Vereines Städtefreundschaft Oldenburg-Afrin, der vor etwas über einem Jahr gegründet wurde. Um einen optimalen Informationsaustausch gewährleisten zu können ist auch ein Dolmetscher dabei, der 25-jährige Ibrahim Murad, offizieller Vertreter der Selbstverwaltung Süd- und Nordsyriens.

Die Delegation wirkt ernst und zugleich hoffnungsvoll. Sie schildern ungeschönt vom Angriff der türkischen Regierung auf Afrin im Januar 2018, von der Besetzung und der Flucht der überwiegend kurdischen Bevölkerung aus der Heimat in die Region Shabha. Unterstrichen werden die Schilderungen mit Fotos und Filmaufnahmen aus Afrin nach den Angriffen und den Zuständen in der aktuellen Zufluchtsstätte. „Wir hatten einen Friedhof, der uns sehr wichtig war. Nun liegt alles in Schutt und Asche“, erzählt Ayse Hiso. Das ist nur eine der historischen Stätten, die zerstört worden seien. Etwa 50 000 bis 60 000 von ursprünglich 500 000 Menschen aus Afrins seien dort geblieben. Immer wieder komme es zu Entführungen mit Lösegeldforderungen und Verhaftungen ohne Angaben von Gründen. Ungefähr 500 Menschen seien schon ums Leben gekommen, Tendenz steigend.

Das Leben in Afrin sei früher friedlich gewesen. Es habe Gleichbehandlung untereinander geherrscht, keine Diskriminierung zwischen den verschiedenen religiösen Gruppen. Man habe miteinander gelebt und die Freiheit unter einer Selbstverwaltung aufrechterhalten. „Frauen mussten sich nicht verschleiern, sie haben in der Politik gearbeitet und mitbestimmt. Das ist nun anders. Die Besatzung zwingt Frauen, sich zu verschleiern, Rechte haben sie keine mehr. Es kommt zu Vergewaltigungen und Entführungen, ungewiss was mit ihnen passiert“, sagt Hiso. „Kinder lernen ab dem fünften Lebensjahr alles, was den Islam betrifft. Die Hauptsprache ist nun türkisch. Die Besatzung will die restliche Bevölkerung in Afrin türkisieren.“ Die türkische Regierung wolle die Situation in Shabha nach außen nicht zeigen.

Eine Tatsache, die die ohnehin vorhandene Angst noch verstärke. „In Shabha kann man eigentlich nicht leben. Auch dort sind Krankenhäuser zerstört worden. Es fehlen Medikamente, Ärzte, fließendes Wasser und Strom. Lebensmittel und Wasser bekommen wir aus Aleppo. Allerdings ist das Wasser schmutzig. Strom erhalten wir über Generatoren, immer wieder haben wir Probleme damit“, sagt Wakka. Da es auch nicht genug Häuser für die mehr als 200 000 Geflüchteten gebe, seien zusätzlich Camps errichtet worden mit Hilfe von Menschen aus anderen Regionen Nordsyriens. Diese würden jedoch eigene Probleme haben, so dass die Bevölkerung im Norden zunehmend überfordert sei.

Um von Oldenburg aus zu helfen, treffen sich Vertreter verschiedener Organisationen an diesem Tag bei Werkstattfilm, auch Bürgermeisterin Christine Wolff ist dabei, Vertreter der evangelischen Kirche, des Oldenburger Friedensbündnisses, von Verdi, Grünen und Linken. Koordiniert über den Oldenburger Verein wollen alle Beteiligten ein Projekt zur humanitären Hilfe in der Region Shabha unterstützen (Medizin, Wasserversorgung, Bildung). Außerdem möchte der Verein den Austausch der Stadt mit anderen Freundschaftsinitiativen zu Nordsyrien in Berlin, Frankfurt und Herford vertiefen, auch über Unterstützung durch den Rat der Stadt.

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