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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Als britische Panzer durch die Stadt rollten

30.11.2018

Oldenburg Für die englischen Besatzungssoldaten brachten die Kinos Zerstreuung, Nachrichtensendungen aus der Heimat hielten die Männer auf dem Laufenden, auch Konzert- und Theaterveranstaltungen gab es. Das Globe in der ehemaligen Donnerschwee-Kaserne ist ein Relikt aus dieser Nachkriegszeit, es soll als Kultur- und Kommunikationszentrum der Nachwelt erhalten bleiben.

Kampflose Übergabe

Im Mai 1945 wurde Oldenburg kampflos den anrückenden kanadischen Truppen übergeben und am 3. Mai der Oldenburger Stadtkommandant, General Behrend, von Kanadiern in Gewahrsam genommen. Die Kanadier übernahmen sämtliche intakten militärischen Einrichtungen und übergaben das Regiment 1946/47 dann an die Britische Armee. Für die Standortwahl Oldenburg waren für die Engländer wohl drei Gründe ausschlaggebend: Die Stadt wurde trotz ihrer militärischen Einrichtungen im Zweiten Weltkrieg kaum beschädigt. Auf dem Donnerschwee-Kasernengelände wurde nur das Sanitätsgebäude Nr. 26 zerstört, heute befindet sich dort der Anne-Frank-Platz 4.

Unterlagen aus britischen und kanadischen Militär-Archiven belegen, dass die alliierten Streitkräfte bereits seit Mitte 1943 strategische Überlegungen angestellt hatten, wie und wo die militärische Administration nach dem Sieg am besten zu organisieren ist. Größere Bombardierungen Oldenburgs wurden daher ab Ende 1944 von höchster Stelle untersagt. Hierzu gibt es aber leider nur erste militärhistorische Forschungsansätze. Hauptgrund für die weitgehende Verschonung der Stadt war aber wohl, dass es in Oldenburg kaum kriegswichtige Industrie gab. Auf Flugblättern , die über der Stadt abgeworfen wurden, war zu lesen: „Oldenburg wollen wir schonen, wollen später drin wohnen“. Auch die Royal Air Force fand 1945 auf dem Fliegerhorst optimale Bedingungen vor, und die Royal Navy griff auf die Weserhäfen und Wilhelmshaven zurück.

Opulentes Filmtheater

Eigentlich passte es nicht in die wirtschaftlich schlechte Zeit, dass die Briten ein opulentes Filmtheater errichteten. Auch erwartete man, dass ein „Truppenkino“ eher eine funktionale, spartanisch ausgestattete Einrichtung hatte. Die Briten bauten aber ein Lichtspieltheater, dessen Bühne mit der des Oldenburger Staatstheaters durchaus mithalten kann. Sie richteten sich mit dieser durchaus opulenten kulturellen Einrichtung offenbar auf eine längerfristige Besatzungszeit ein. Sie hatten in der unmittelbaren Nachkriegszeit das Oldenburger Staatstheater und andere Oldenburger Bühnen für ihre Zwecke genutzt, und warum sollten sie in ihrem Kasernen-Quartier nicht etwas Adäquates haben?

Das Filmtheater war mit 402 Plätzen, einer 172 Quadratmeter großen Bühne mit Schwingboden, umfangreicher Schnürboden-Technik, 30 Quadratmeter Orchestergraben sowie einem 90 Quadratmeter großen Bereich hinter der Bühne großzügig konzipiert. Das Plan-Datum (17. August 1954) ist nicht unwichtig: Im Deutschlandvertrag vom 26. Mai 1952 war geregelt, dass die Bundesrepublik Deutschland noch bis zum 30. Juni 1954 für sämtliche Kosten der Besatzungs-Liegenschaften aufkommen musste, danach die jeweiligen Besatzungsmächte. Das heißt, dass das Oldenburger Globe voll von den Briten finanziert wurde. Doch die Freude am neuen Kino währte nur kurz. Der Rückzug der Briten aus Oldenburg begann Mitte 1956 und war bis Ende 1957 abgeschlossen. Sie übergaben der Bundeswehr 1957 ein weitgehend jungfräuliches Filmtheater. Der Name Globe stammt vom Londoner Shakespeare-Theatre.

So sieht das Globe-Kino in Donnerschwee heute aus.

Der Bau und Betrieb von Truppenkinos scheint damals insbesondere bei der britischen Armee eine Selbstverständlichkeit gewesen zu sein. In Deutschland sind derartige Kino- und Theatereinrichtungen in größeren Kasernenquartieren sehr vereinzelt aus der Zeit des Dritten Reiches bekannt – zum Beispiel eine 1937 im niedersächsischen Bergen-Hohne errichtete Anlage, die sich „Truppen-Theater-Tonlichtspiele“ nannte. Nach ihrer Gründung 1956 hat die Bundeswehr die von den Besatzungsmächten errichteten Kinogebäude in der Regel weiterhin als Kino oder Veranstaltungsort genutzt.

Truppenkinos sollten folgende Funktionen abdecken: Filmische und musikalische Unterhaltung in der Muttersprache, Vorführung von Schulungsfilmen im Rahmen der Ausbildung, Vermittlung von Nachrichten aus der Heimat oder in Kriegszeiten von der jeweiligen Front, Vorführung von Propagandafilmen zur Stärkung der Kampfmoral und zur Konturierung des Feindbildes.

Nur noch ein Truppenkino in Betrieb

Gegenwärtig wird von der britischen Armee lediglich noch ein englischsprachiges Truppenkino in Deutschland betrieben, nämlich „The Kaleidoscope Cinema“ in Paderborn. Fast alle sonstigen englischen Truppenkinos, die vorwiegend von 1947 bis 1957 errichtet wurden, sind zwischenzeitlich verfallen, abgeräumt, zweckentfremdet oder wegen Baufälligkeit geschlossen und nicht betretbar. Ein Sonderfall ist das ehemalige Globe in Lüneburg: das Gebäude wurde in das neue Stadttheater integriert. Der typische Globe-Giebel ist noch zu erkennen.

Nach dem Abzug der Briten wurden die Truppenkinos häufig auch von zivilen deutschen Kinobesitzern oder „Filmspediteuren“ betrieben. So auch in Oldenburg, wo der Oldenburger Filmspediteur Bruno Saborowski ab ca. 1958 bis zum Ende der 80er Jahre sowohl das Globe als auch das Kino auf dem Fliegerhorst mit Filmkopien versorgte.

Blick zurück: Die Besatzungssoldaten aus England waren mehrere Jahre in der Oldenburger Donnerschwee-Kaserne stationiert.

Die Architektur des Oldenburger Globe ist äußerlich schlicht und funktional und entspricht mit ihrem Hallencharakter und flach geneigten Satteldach dem Gebäude-Typus, der an fast allen britischen Garnisonsstandorten Standard war. Aus folgenden Gründen könnte aber dem Oldenburger Globe ein Sonderstatus beigemessen werden, der eine Einstufung in die „National wertvollen Kulturdenkmäler’ rechtfertigt: Die andernorts bei englischen Truppenkinos häufig anzutreffende Bezeichnung „Globe-Cinema“ würde beim Oldenburger Globe zu kurz greifen. Es darf angenommen werden, dass das Globe nicht nur für Filmvorführungen geplant war, sondern auch für musikalische Darbietungen, Theateraufführungen und sonstige Feste.

Alternative verworfen

Interessant erscheint auch, dass es für das Oldenburger Globe einen Alternativentwurf gab, der für die damalige Zeit sehr futuristisch anmutet, und ein Tonnendach, einen runden Saal und Bullaugen-Fenster vorsah. Beim Betreten des äußerlich sehr schlicht gehaltenen Gebäudes verblüfft die für ein Truppenkino relativ opulente und authentisch erhaltene Ausstattung: holzvertäfelte Brüstungen mit ausgerundeten Ecken und Vitrinen, aufwendig wellenförmig stoffbespannte Seitenwände mit handwerklich gefertigten grazilen Wandleuchten, kunstlederbespannte Rückwand mit rautenförmiger, kordelverzierter Absteppung, oval angelegte höhenversetzte Gipsdecken mit indirekter Beleuchtung und mit differenzierter farbiger Fassung in pastelligen Tönen, Solnhofener Bodenplatten etc. Zu all diesen bemerkenswerten Ausstattungselementen gibt es im Archiv des Staatshochbauamtes übrigens auch noch die Original-Detailzeichnungen.

Während fast alle sonstigen Globe-Gebäude als Putzbau ausgeführt wurden, wurde das Oldenburger Globe in Anpassung an die vorhandenen Vorkriegskasernen als Klinkerbau erstellt. Dieser Tatsache verdankt das Globe seinen guten Zustand, obwohl es bereits seit ca. 1990 geschlossen und unbeheizt war.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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