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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Politik

Von trockenen Hasen und Reizwäsche

15.09.2018

Oldenburg Von der Burgstraße bis zur Nordsee. Durch die Tangastraße bis in den Drögen-Hasen-Weg. Wer auf der Stadtkarte geduldig sucht, muss mehr als ein paar mal schmunzeln. Neben diesem bunten Register aus den außergewöhnlichsten Straßennamen sind zahlreiche jüngere Namensgebungen keine Seltenheit. Neubaugebiete, Gewerbeflächen, Verbindungsstraßen oder Revitalisierungsmaßnahmen sind die Auslöser.

Doch wer liefert Ideen und Namensvorschläge, wie läuft so ein Auswahlverfahren ab und vor allem wie gelangt der neue Name in die breite Öffentlichkeit?

Ostfriesland in Eversten

Ein gutes Beispiel ist das Neubaugebiet in Eversten-West. Dort liest man nun „Nordseestraße, Usedomer Ring oder Norderneyer Straße“. Die Ursprünge liegen in der Verbundenheit Oldenburgs zur Nordsee und interessanterweise im inselähnlichen Charakter des Erschließungsgebiets, teilt die Stadt mit. Regenrückhaltebecken erinnern an die ostfriesischen Inseln. Ursprung dieses Konzepts muss aber nicht zwingend die Stadt sein. Jeder Bürger, jede Organisation, Partei oder Bürgerverein kann eigene Ideen und Konzepte vorschlagen. Die Namen werden auf einer Liste gesammelt und zur Diskussion freigegeben. Mögliche zukünftige Namen sollten kurz und einprägsam sein. Historische und persönliche Bezüge erhalten außerdem den Vorzug.

Sehr genau sind die Vorgaben bei Benennungen nach Personen. Frühestens fünf Jahre nach dem Tod kann der Name einer Person auf einem Straßenschild landen. Außerdem wird darauf geachtet, dass beide Geschlechter gleichmäßig bedacht werden. Nach verwaltungsinterner Abstimmung und der Einwilligung des Bürgervereins berät der Verkehrs- und Verwaltungsausschuss über den Vorschlag. Nun fehlt nur noch der Beschluss des Rats der Stadt. Klingt einfach – kann aber lange dauern. Ist der Name Beschluss, muss er noch den Weg in die Navis, Taxis und öffentlichen Institutionen finden. Polizei, Post, Rettungsdienste, Kirche und natürlich die NWZ sind an neuen Straßennamen interessiert.

Diskussionen um Namen

So haben in den letzten Jahrzehnten dutzende Namen den Weg auf Oldenburgs Stadtplan gefunden. Überschattet wird das Thema allerdings von Streit und Konflikt um neue – oder auch alte – Straßennamen. Diskussionen um Straßen, die nach Personen mit NS-Vergangenheit benannt wurden, kamen häufig vor. Im Jahr 2013 veröffentlichte die Carl-von-Ossietzky-Universität eine Studie. Geprüft wurden alle Straßenwidmungen von Personen, die nach 1930 verstorben sind. Opfer und Widerstandskämpfer ausgenommen.

74 Namen wurden schließlich näher untersucht. Während die Hindenburgstraße ihren Namen behielt, wurde in Bürgerfelde aus der Hedwig-Heyl-Straße die Hilde-Domin-Straße. Seit knapp zwei Jahren erinnern nun Infotafeln in den umstrittenen Straßen an die Ratsentscheidungen und ausgelösten Konflikte um die Namen.

500 Jahre Burgstraße

Vergangenheit heißt allerdings nicht automatisch Diskussion. Der Ursprung so mancher Namen kann sehr interessant sein. Damals wie heute dienen historische und örtliche Begebenheiten als Namensgeber. Auch die Benennung nach berühmten Persönlichkeiten war schon immer ein Thema. Welche die älteste Straße der Stadt ist, weiß keiner so recht, auch nicht, wo diese liegt. Die Altstadt scheint ein gutes Stichwort zu sein. Vermutungen liegen nahe, dass das älteste Gebäude der Stadt, Burgstraße 13, aus dem Jahre 1538, an der ältesten Straße liegt: die Burgstraße. Seitdem hat sich Oldenburg natürlich weit ausgedehnt. Der interessierte Hobbykartograph findet Bezeichnungen aller Art im Kartenregister der Stadt.

Die verrücktesten Namen bieten so neben einem offenen Mund und einem leichten Schmunzeln, viel Gesprächsstoff...

Überraschende Erklärung

„Tangastraße“
Hier liegen erste Vermutungen von der wahren Bedeutung weit entfernt. Kleines Schmankerl am Rande: Die Miss Germany Corporation hat hier ihren Sitz. Tatsächlich jedoch ist der Straßenname der deutsch-britischen Schlacht in der afrikanischen Stadt Tanga im Ersten Weltkrieg gewidmet.


„Sieben Bösen“
Wohnen hier Kannibalen oder was hat es mit diesem Namen auf sich? Der Ursprung ist unklar. Die Bewohner werteten die Namensgebung jedoch einst als Beleidigung und zerstörten aufgestellte Straßenschilder. Absurde Ironie? Oder verbirgt dieser Ort eine geheimnisvolle, fernab von bisherigen Vermutungen liegende Bedeutung? Bis das geklärt ist – Betreten auf eigene Gefahr!


„Drögen-Hasen-Weg“
Als die Gastwirtschaft „Zum Drögen Hasen“ vor über 170 Jahren eingeweiht wurde, ahnte niemand, welch skurrile Geschichte man sich noch Jahrzehnte später erzählen würde. Der zum Festessen servierte Hasenbraten war angeblich so trocken – „dröge“ –, dass die Gäste den Hasen zum Emblem und Namen des Hauses bestimmten – so ist es bis heute geblieben.

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